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Kreditklemme: „Jetzt sind wir in der Realität angekommen“

Der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, Manfred Weber, warnt vor einer Kreditklemme. Grund dafür seien die schlechten Bilanzen der Unternehmen. Vorwürfe gegen die Banken wies Weber in einem Interview mit dem Tagesspiegel zurück.

Manfred Weber, Chef des Bankenverbandes, warnt vor einer Kreditklemme. Quelle: ap
Manfred Weber, Chef des Bankenverbandes, warnt vor einer Kreditklemme. Quelle: ap

HB BERLIN. Der Bankenverband warnt vor einer finanziellen Unterversorgung deutscher Unternehmen. "Ich kann eine Kreditklemme für das Jahr 2010 nicht ausschließen", sagte Hauptgeschäftsführer Manfred Weber dem "Tagesspiegel". Grund für eine mögliche Unterversorgung seien die schlechten Bilanzen aus dem Jahr 2009, die die Unternehmen jetzt im ersten Quartal vorlegten - diese seien die Grundlage für die Kreditvergabe.

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Den Vorwurf, die Banken würden Eigenkapital zurückhalten, um sich selbst zu sanieren, wies Weber zurück: "Wir haben aus der Krise gelernt und tun genau dass, was unsere Aufgabe ist, nämlich Risiken noch genauer zu prüfen und adäquat zu bepreisen." Die steigenden Zinsen seien lediglich eine Anpassung an eine neue Situation. "Wir haben Verhältnisse gehabt, die langfristig nicht tragfähig waren", sagte Weber zu den Zinskonditionen vor der Wirtschaftskrise.

"Kapital hat seinen Preis, jetzt sind wir in der Realität angekommen." Zu der in den USA geplanten Sonderabgabe für große Banken sagte Weber, diese sei "kein zielführender Weg": "Von verfassungsrechtlichen Fragen und den Auswirkungen auf die Unternehmensfinanzierung einmal ganz abgesehen: Niemand weiß heute, welche Lasten letztlich aus den Stabilisierungsmaßnahmen resultieren. In Deutschland jedenfalls sind bis dato beim SoFFin keine Verluste entstanden", betonte Weber.

Der US-Präsident hatte die Abgabe damit begründet, die Banken an den Kosten der Finanzkrise beteiligen zu wollen. In Deutschland hat der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung die Banken bislang mit rund 160 Milliarden Euro an Garantien und Kapitalspritzen unterstützt.

  • 17.01.2010, 17:33 UhrAnonymer Benutzer: mommsen

    @ winawer

    ich finde, es reichte schon, wenn wir unseren Finanzministern ein bankenrettungsverbot ins Grundgesetz schrieben. Das wäre im Zweifelsfall wesentlich sinnvoller als die Schuldenbremse, die in der vergangenen Legislaturperiode unserer Verfassung hinzugefügt wurde. Wäre ein solches für den Staat geltendes bankenrettungsverbot im Grundgesetz verankert, würden die banken in Zukunft schon aus purem Eigen- und Überlebensinteresse heraus wieder so seriös wirtschaften, wie sie es in früheren Jahrzehnten getan haben.

    Auch dem Gedanken, dass große banken nicht mit Hilfe des Staates noch größer werden dürfen (Stichwort: Erwerb der Dresdner bank durch die Commerzbank unter Zuhilfenahme von Steuergeldern), sondern dass sie im Gegenteil ja viel kleiner werden müssten, kann ich viel abgewinnen. ist eine bank schon zu groß, um ohne Verursachung eines größeren gesamtwirtschaftlichen Flurschadens insolvent gehen zu können, dann muss sie verkleinert werden, damit für den Fall der Fälle auch eine insolvenz möglich ist.

    Was nun den schönen Namen 'mommsen' angeht, so muss ich bekennen, mich hier mit fremden Federn zu schmücken, da ich der berühmten Mommsen-Familie nicht angehöre. Mit dem von mir gewählten Pseudonym möchte ich vor allem dem großen Theodor Mommsen huldigen, obwohl mir die historischen Werke seiner Urenkel Hans und Wolfgang vertrauter als seine eigenen sind. Was mir an Theodor Mommsen gefällt ist vor allem die Leidenschaft, mit der er sich immer wieder in die Politik einmischte. ich verwende dieses Pseudonym übrigens auch, wenn ich Kommentare auf der Website des 'Economist' schreibe.

  • 17.01.2010, 16:48 UhrAnonymer Benutzer: winawer

    #mommsen

    dieser kommentar macht dem familiennamen alle ehre.
    allerdings: selbst wenn er richtig verstanden wird - was soll sich ändern?

  • 17.01.2010, 16:30 UhrAnonymer Benutzer: mommsen

    Leser Otto schrieb in seinem Kommentar, dass den banken doch schon seit Jahren klar gewesen sei, welche Risiken mit der "Zockerei" einhergingen. Offen gesagt: das verstehe ich nicht. Wieso Risiken?

    Solange der Steuerzahler für alles aufkommt, gibt es kein Risiko. Der Gedanke, die banken hätten riskant "gezockt", führt an den Realitäten doch in Wahrheit vorbei. Statt blindlings zu "zocken", haben die banken höchst nüchtern und mit großer besonnenheit spekuliert. Die in den banken gehegte Vermutung, dass der Steuerzahler für alle Verluste am Schluss sicher bereitwilligst aufkommen werde, hat sich bislang im Grunde bewahrheitet.

    Mein Fazit lautet daher: besser und umsichtiger als die Vorstände der Großbanken kann niemand wirtschaften. Gewiss, mit Marktwirtschaft hat das alles zumeist nichts mehr zu tun. Aber wegen des in Deutschland doch recht weit verbreiteten Wissens um das Scheitern der DDR, wäre es der deutschen Öffentlichkeit heute auf keinen Fall zumutbar, würden sich deutsche Politiker und banker offen zu den Prinzipien einer staatssozialistischen buchhaltung bekennen.

    Ganz so, als seien Frau Merkel, Herr Ackermann, Herr Steinbrück und Herr Westerwelle nicht lernfähig, scheinen einige bürger zu glauben, die genannten Personen hätten nicht zumindest diese eine Lektion während des Untergangs der ostdeutschen Wirtschaft im Jahr 1989 gelernt: Sozialistische buchhaltung ist möglich, doch man darf sich als politisch oder wirtschaftlich verantwortliche Spitzenkraft nicht à la Erich Honecker offen zum Sozialismus bekennen!

    ich finde, so viel historische Lernfähigkeit verdient großen Respekt, und sollte den Verantwortlichen nicht zum Vorwurf gemacht werden.

    Wenn die Verantwortlichen gleichwohl immer wieder schweren Vorwürfe ausgesetzt sind, so streift dies meines Erachtens gelegentlich bereits die Grenze zur boshaftigkeit. Leser Otto möge mich nun aber bitte nicht falsch verstehen: ich sprach wohlgemerkt nur vom Streifen der Grenze, nicht aber von deren Übertretung! Grenzübertritte wären auf keinen Fall hinnehmbar. Aber gut - das waren sie zu Honeckers Zeiten ja auch nicht.

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