Kreditklemme
Staat gibt Mikrokredite an Kleinbetriebe in Not

Arbeitsminister Scholz kämpft gegen die Kreditklemme: Ein Mikrokredit-Garantiefonds mit einem Gesamtvolumen von 100 Mio. Euro soll kleinen Unternehmen durch die Krise helfen. Im internationalen Vergleich hat Deutschland in der Mikrofinanzierung noch erheblichen Nachholbedarf.

BERLIN. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) schaltet sich in den Kampf gegen die Kreditklemme ein: Er bereitet einen neuen Garantiefonds für Mikrokredite vor, der speziell Kleinunternehmen in der Finanzkrise unterstützen soll. Der Fonds mit einem geplanten Gesamtvolumen von 100 Mio. Euro solle Einzelkredite von maximal 20 000 Euro mit Laufzeiten von bis zu drei Jahren bereitstellen, heißt es in einem Eckpunktepapier des Arbeitsministeriums, das dem Handelsblatt vorliegt.

Das Programm richte sich an kleine Unternehmen, die "von der Finanzkrise besonders betroffen sind und über ihre Hausbanken keinen Kredit mehr erhalten", heißt es in dem Papier. Zur Zielgruppe zählten "insbesondere junge Unternehmen sowie von Frauen oder von Menschen mit Migrationshintergrund geführte Betriebe". Unternehmen mit hoher Ausbildungsbereitschaft sollten bei der Kreditvergabe besonders berücksichtigt werden.

Der neue Garantiefonds für Mikrokredite werde vorerst mit einer Laufzeit bis zum Jahr 2017 eingerichtet, so das Konzept. Die Mittel für die Kredithilfen sollen dabei großenteils aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) fließen, der unter anderem auf die Förderung von Existenzgründern und Selbstständigen zielt. Zur Begründung des Vorhabens wird auf eine vom Arbeitsministerium im April in Auftrag gegebene Studie verwiesen, die für Deutschland einen ohnehin "erheblichen Nachholbedarf im Mikrokreditgeschäft" zeige. Als Folge der Finanzkrise sei die Angebotslücke weiter angewachsen.

Dass es in diesem Segment spezifische Probleme gibt, verdeutlicht in der Tat etwa die im Juli veröffentlichte Zusammenfassung einer Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Danach gaben in einer Befragung von Kleinunternehmern 60 Prozent der Teilnehmer an, bisher ganz ohne Fremdkapital, also ohne Bankkredit, gewirtschaftet zu haben. Das ist im Vergleich mit Nachbarländern ein besonders hoher Prozentsatz.

Zum anderen zeigte sich bei denjenigen, die Kredite beantragt hatten, dass speziell kleine Kreditbeträge offenbar besonders schwer zu bekommen sind: Anträge mit Volumina bis 5 000 Euro wurden nur in 30 Prozent der Fälle positiv beschieden. Bei höheren Krediten stieg die Zuschlagsquote dagegen kontinuierlich an. Bei Beträgen über 25 000 Euro waren es laut DIW immerhin 75 Prozent. Dass Selbstständigkeit und Existenzgründung auch arbeitsmarktpolitisch an Bedeutung gewinnen, zeigt sich unter anderem daran, dass die Zahl der Selbstständigen in Deutschland seit 1991 laut Mikrozensus um 40 Prozent auf 4,2 Millionen angestiegen ist.

Nach dem Konzept des Bundesarbeitsministeriums soll der neue Garantiefonds ein Auftakt sein, um ein "flächendeckendes Mikrofinanz-Angebot" in Deutschland aufzubauen. Mikrofinanzierer könnten dann Beratungsorganisationen wie etwa Gründerzentren sein, aber auch Genossenschaften, Wirtschaftsfördergesellschaften oder Unternehmensberatungen, heißt es in dem Papier.

Praktisch soll der neue Fonds eine Risikoabsicherung gegen Kreditausfälle leisten, wobei eine Bank zusammen mit den Mikrofinanzierern das Geschäft mit den Selbstständigen abwickeln soll. Als erster Schritt werde nun ein europaweites Ausschreibungsverfahren gestartet, um eine Bank mit der Durchführung zu beauftragen. Die ersten Mikrokredite könnten dann ab Januar 2010 vergeben werden, so das Ministerium.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
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