Kreditvergabe
CSU-Wirtschaftsflügel knöpft sich Banken vor

Innerhalb der schwarz-gelben Koalition wird die Gefahr einer Kreditklemme in Deutschland zunehmend als ein realistische Szenario gesehen – trotz des von Kanzlerin Merkel veranstalteten Spitzentreffens mit Bankern im Kanzleramt. CSU-Wirtschaftsexperte Hans Michelbach glaubt, der von den Geldinstituten geplante Hilfsfonds für eigenkapitalschwache Mittelständler reiche zur Verhinderung einer Kreditklemme nicht aus.
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DÜSSELDORF. "Es ist nichts gewonnen, wenn es mehr Mittel gibt, sich die Praxis der Kreditvergabe aber nicht ändert", sagte der Vorsitzende der CSU-Mittelstands-Union am Dienstag im Gespräch mit Handelsblatt Online. Dann kämen viele Unternehmen auch weiterhin nicht an das dringend benötigte Fremdkapital. Wichtig sei deshalb, dass „die Banken eine Kehrtwende hin zu einer aufschwungorientierten Kreditvergabe vollziehen", betonte Michelbach, der auch stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung ist.

Michelbach forderte die Kreditinstitute in diesem Zusammenhang auf, sich aus der "Hörigkeit der Ratingagenturen" zu verabschieden. „Wer jetzt vorausschauend handeln will, muss mehr im Blick haben als die aktuellen Bewertungen durch die Ratingagenturen. Es kann nicht sein, dass Unternehmen, die vor der Krise erfolgreich waren, durch schlechtere Ratings in Folge der Krise von Fremdkapital zu vertretbaren Konditionen abgeschnitten werden", mahnte Michelbach. Die Ratingagenturen, die ebenso wie der Bankensektor maßgeblich zur globalen Finanz- und Wirtschaftskrise beigetragen haben, dürften nicht erneut einen schädlichen Einfluss auf die Wirtschaftsentwicklung erhalten.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte den Fonds am Mittwochabend beim Konjunkturgipfel im Kanzleramt ins Gespräch gebracht. Laut Finanzkreisen ist als Startkapital eine Summe von bis zu 300 Millionen Euro im Gespräch. Finanzpolitiker verwarfen die Summe bereits unter Hinweis auf mögliche weitere Risiken bei den Banken als „Peanuts“. Experten befürchten demnach, dass den Instituten Abschreibungen von „Giftpapieren“ in Höhe von 100 bis 120 Milliarden Euro drohen und dadurch Eigenkapital vernichtet werden könnte. Auch die Bundesbank hatte gewarnt, dass in den Bilanzen der deutschen Geldhäuser bis Ende 2010 durch faule Kreditpapiere neue Belastungen von bis zu 90 Milliarden Euro schlummerten. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) sind weltweit erst etwa 50 Prozent aller „Giftpapiere“ abgeschrieben. Wenn das Kapital zerrinnt, werden die Banken auch weniger Kredite an Firmen vergeben können.

Michelbach forderte nun ein rasches Handeln der Banken. "Dem Versprechen zur Ausweitung der Kreditvolumina insbesondere für den Mittelstand müssen jetzt rasch Taten folgen, um eine flächendeckende Kreditklemme abzuwenden", sagte der CSU-Politiker. Der Mittelstand sei der Motor von Wachstum und Beschäftigung. "Deshalb braucht er dringend Fremdkapital als Treibstoff, damit der Konjunkturmotor nicht ins Stottern gerät." Michelbach wies darauf hin, dass sich die Banken angesichts des günstigen Leitzinssatzes der Europäischen Zentralbank (EZB) von nur einem Prozent so günstig wie noch nie refinanzieren könnten. Diesen Vorteil müssten die Geldinstitute zur Beschleunigung des Wachstums an die Unternehmen weiterreichen.

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