Kretschmann und Schmid
Stresstest für die grün-roten Wunschpartner

Der voraussichtliche baden-württembergische Ministerpräsident Kretschmann und sein künftiger Stellvertreter Schmid könnten Vater und Sohn sein. Trotz vieler Gemeinsamkeiten stehen ihnen harte Verhandlungen bevor.
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Stuttgart/DüsseldorfIm Wahlkampf haben die Spitzenkandidaten Winfried Kretschmann (Grüne) und Nils Schmid (SPD) immer wieder den Schulterschluss geübt. Auch bei den Abschlusskundgebungen beider Parteien war der jeweils andere Kandidat zu Gast: Nils Schmid begleitete Kretschmann auf dem Stuttgarter Schlossplatz und der zeigte sich wenig später bei der SPD in Karlsruhe.

Nach dem Wahlsieg am Sonntag läuft nun alles auf einen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und Nils Schmid als seinen Stellvertreter hinaus. Noch in dieser Woche wollen Grüne und SPD Sondierungsgespräche aufnehmen. Die Koalitionsverhandlungen sollen bis Ende April laufen. Am 12. Mai dann könnte der Landtag einen Tag nach seiner konstituierenden Sitzung den neuen Ministerpräsidenten wählen und die Ministerliste bestätigen.

Bisher haben die beiden gut harmoniert. Der Grüne sagte am Montag: „Zwischen uns stimmt die Chemie. Wir denken ähnlich in langen Linien.“ Mit Schmid werde man gut regieren können. Der SPD-Mann betonte im Wahlkampf seinerseits, wie gut das Verhältnis zu Kretschmann sei. Doch die Verhandlungen über die Regierungsbildung dürften auch ein Stresstest für das Verhältnis von Kretschmann, Gymnasiallehrer für Ethik, Chemie und Biologie, und dem Rechtsanwalt Schmid werden.

Schmid, der vor 14 Jahren als Nachrücker in den Landtag einzog, vertrat dort bisher den Wahlkreis Nürtingen, für den auch Kretschmann kandidiert. Deshalb ist es keine Übertreibung, wenn der Grüne sagt: „Wir kennen uns sehr gut.“ Diesmal trat Schmid in Reutlingen an und sagte: „Wir lösen das direkte Konkurrenzverhältnis auf. Ich überlasse Winfried Kretschmann den Wahlkreis Nürtingen.“

Schwerer wird es ihm fallen, auf das Amt des Regierungschefs zu verzichten. Kretschmann muss sensibel mit dem Partner umgehen, der mit 23,1 Prozent das schlechtestes SPD-Ergebnis in der Geschichte Baden-Württembergs erzielte. Vor der Wahl hatte Schmid gesagt, dass es „eine historische Ungerechtigkeit wäre, wenn die Grünen vor der SPD lägen“.

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Kretschmann und Schmid werden ihrem Stil treu bleiben

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