Krim-Debatte eskaliert: Grüne zerstreiten sich über „gruselige“ Putin-Versteher

Krim-Debatte eskaliert
Grüne zerstreiten sich über „gruselige“ Putin-Versteher

Wer bei den Grünen in der Krim-Debatte auch nur ansatzweise Verständnis für die russische Position zeigt, hat nichts zu lachen. Der wird, wie manche Linken-Abgeordnete, mit rüden Attacken überzogen.
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BerlinDie Debatte über die Krim-Krise hat bei den Grünen ein heftiges Hauen und Stechen ausgelöst. Ukraine-Verteidiger beharken sich mit Putin-Verstehern in den eigenen Reihen. Dabei wird kein Blatt vor den Mund genommen. Zügellos werden die jeweiligen Positionen zerpflückt und scharfzüngig als falsch abqualifiziert.

Anlass der jüngsten Aufregung ist ein Interview von Antje Vollmer (Grüne) in der „Berliner Zeitung“ zum Vorgehen Russlands in der Ukraine-Krise. Vollmer, Jahrgang 1943, saß für die Grünen im Bundestag und war von 1994 bis 2005 dessen Vizepräsidentin. 2004 kritisierte sie den von Rot-Grün befürworteten Militäreinsatz in Afghanistan und kandidierte in der Folge nicht mehr für politische Ämter.

Vollmer ergriff nun nicht direkt Partei für Russlands Präsident Wladimir Putin. Sie wies lediglich auf einen Aspekt hin, auf den auch schon SPD-Altkanzler Gerhard Schröder hingewiesen hatte, wofür er ebenfalls von grüner Seite heftige Kritik einstecken musste. Vollmer sagte: „Ich habe immer gewusst, dass wir für den Bruch des Völkerrechts im Kosovo-Krieg irgendwann von Russland oder China die Rechnung vorgelegt bekommen.“

Was Vollmer meint, brachte Schröder auf den Punkt, als er davor warnte, Putin mit erhobenem Zeigefinger gegenüberzutreten. Er selbst habe das Völkerrecht gebrochen, als es um die deutsche Beteiligung am Kosovo-Krieg gegen Serbien während seiner Regierungszeit gegangen sei.

„Bomben im eigenen Kopf entschärfen“

Für Empörung auf Seiten der grünen Ukraine-Verteidiger sorgt nun aber weniger der Kosovo-Hinweis Vollmers, sondern vielmehr, dass sie zwei Grünen-Politiker direkt anspricht und schwere Vorwürfe gegen sie erhebt. Konkret geht es um die Co-Fraktionschefin im EU-Parlament Rebecca Harms und die Osteuropa-Expertin der Grünen-Bundestagsfraktion, Marieluise Beck.

Die Zuspitzung der grünen Position durch Harms und Beck halte sie für „verheerend“, sagte Vollmer. Plötzlich fänden sich die Grünen rechts von Egon Bahr, Henry Kissinger und Helmut Kohl. „Grüne Politik begann immer damit, Bomben und Feindbilder im eigenen Kopf zu entschärfen und Auswege aus Konfrontationen zu suchen, die die andere Seite auch realistisch gehen kann.“

Beck reagierte bei Twitter, indem sie der Bewertung des früheren Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), beipflichtete:

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  • Sie haben ja so recht! Leider werden von unseren Staatsmedien viele dieser Wahrheiten vernachlässigt, obwohl sie so wichtig für unser Meinungsbild wären. Die heutigen Maßnahmen Russlands haben uns Bürger erst ein Stück aufgeklärt bzw. die Augen geöffnet. Nun sehen Deutschland, die unlegitimierte EU und die USA noch schlechter aus. Russlands Zumutungsgrenzen sind weit überschritten.

  • Gemeinsamkeit Göring-Eckardt, Merkel und Gauck = aufgewachsen inde rehemaligen DDR. Vielleicht erklärt ja dies, das mangelnde Demokratieverständnis?

  • Lt. neuester Nationalratswahl Umfrage würde die FPÖ stärkste Kraft in Österreich werden, noch vor SPÖ und ÖVP.

    Die Grünen verlieren hingegen.

    Unsere südlichen Nachbarn sind nicht derart obrigkeitshörig. Sie bewahren sich ihrer Wurzeln und betreiben keine Selbstverstümmelung. Das haben sie uns voraus. Clevere Bürschchen.

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