Krise der Liberalen
Die Stunde der FDP-Retter

Die FDP geht schwer angeschlagen in den Bundesparteitag. Verliert sie die Wahlen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein, dürfte Parteichef Rösler nicht mehr zu halten sein. Mögliche Nachfolger stehen schon bereit.
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BerlinPhilipp Rösler erlebt derzeit wohl die schwierigsten Wochen, seit er vor einem Jahr den FDP-Vorsitz von Guido Westerwelle übernommen hat. Seine Partei krebst vor sich hin, bewegt sich unterhalb des Existenzminimums von fünf Prozent, und es ist nicht absehbar, wie sich das auf die Schnelle ändern soll. Doch Zeit für eine Wende hat Rösler eigentlich nicht mehr. In Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen stehen Wahlen an. Für die FDP geht es dabei um alles oder nichts.

Fliegt die FDP in Düsseldorf und Kiel aus beiden Landtagen, verschärft sich ihre Existenzkrise, schafft sie es, den Absturz abzuwenden, hat die Parteiführung noch einmal Zeit gewonnen, um dann auf Basis der Wahl-Erfolge einen nachhaltigen Wiederaufstieg einzuleiten. Den ersten Grundstein will Rösler am Wochenende legen – beim Bundesparteitag der FDP.

Eigentlich sollte das Delegiertentreffen ganz im Zeichen des neuen Grundsatzprogramms stehen. Doch in Wahrheit dürfte die Krise der Liberalen das Hauptgesprächsthema sein. Rösler verspricht sich von dem Parteitag in Karlsruhe ein klares Signal der inhaltlichen Geschlossenheit. Viele Menschen in Deutschland soll klar gemacht werden, „dass es eine Partei geben muss, die zuallererst für die Freiheit eintritt“, schrieb der FDP-Chef in einem Brief an die Delegierten. Der Parteitag werde zudem ein wichtiger Baustein für den Wiedereinzug in die Parlamente in Kiel und Düsseldorf sein, zeigte sich der Wirtschaftsminister überzeugt.

Ob es so einfach werden wird, wie sich Rösler das vorstellt? Er selbst hat es ohnehin nicht in der Hand. Als Retter der FDP werden der NRW-Spitzenkandidat Christian Lindner und seiner Kieler Parteifreund Wolfgang Kubicki gesehen. Das würden die beiden zwar öffentlich so niemals aussprechen. Doch an der Parteibasis genießen die beiden dermaßen viel Zustimmung, dass ihnen auch auf Bundesebene noch viel zugetraut wird.

Auch der Altliberale Gerhart Baum setzt viel Hoffnung in die beiden. Und er rühmt ihre Retter-Eigenschaften. Lindner verkörpere „glaubwürdig liberale Grundwerte, und er steht für einen Politikstil, der von Ernsthaftigkeit geprägt ist“, sagte der ehemalige Bundesinnenminister im Interview mit Handelsblatt Online. Beeindruckend sei, dass er mit einem „neuem Denken“ in die Zukunft gehen wolle. „Es ist ihm gelungen die Partei zu mobilisieren und auch Wähler, die seinetwegen die FDP wieder wählen wollen“, sagte Baum. Lindner habe eine gewisse Aufbruchstimmung erzeugt.

An Kubicki schätzt Baum, dass er oft ausspricht, was viele denken. „Kubicki, aber auch Lindner, sind Personen, die kein Blatt vor den Mund nehmen – wenn auch sehr unterschiedlich im Stil“, sagte Baum. „Aber beide sehen, dass sich die FDP in einer Existenzkrise befindet und thematisieren das auch offensiv.“ Kubicki manchmal sehr pointiert. Doch, fügte Baum hinzu: „Ohne Benennung der Ursache der Krise und das Aussprechen unbequemer Wahrheiten, kommt die FDP aber nicht wieder auf die Beine.“

Kommentare zu " Krise der Liberalen: Die Stunde der FDP-Retter"

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  • @puk
    Das sehe ich ein wenig anders.
    Die FDP ist die einzige, etablierte Partei, die sich ernsthaft für eine Reduzierung der ungerechten Steuerprogression für untere und mittlere Einkommen eingesetzt hat. Ausserdem wäre diese Reduzierung volkswirtschaftlich und in Anbetracht der € Retterei dringend notwendig.
    Trotzdem hat die FDP einen riesigen Glaubwürdigkeitsverlust und misbrauchtes Vertrauen ist wie im normalen Leben schwierig zurückzugewinnen. Insbesondere bei dieser Parteielite (letztes Aufgebot).

    Schönen Tag noch.

  • @itzbizi: Warum gibt es die Basisdemokratie dann nicht ? Die Schäfflerumfrage soll ja bereits die dritte in der Geschichte der FDP gewesen sein. Immerhin - alle Wetter.

    @Holzauge: Und wie sieht es aus mit dem BGE ?
    Die Linken verneinen ja lediglich, daß zu einer Produktion außer dem Faktor Arbeit auch Ressourcen ( Rohmaterialien, Maschinen) - gemeinhin Kapital genannt - notwendig sind.
    Die Piraten wollen auch auf Arbeit verzichten, und fordern, daß das Manna "bedingungslos" vom Himmel fällt.

  • Ist es nicht letztendlich so, dass alle Parteien total abgewirtschaftet haben und nur noch aus machtgeilen Selbstdarstellern bestehen?
    In NRW war das doch zu sehen, Schulden über Schulden, aber man erhöhte sich mal eben die Diäten um satte 500 € und alle, außer der Linken, stimmten zu.
    Niemand hat mehr Ahnung von Arbeit und normalem Leben
    Jetzt ist so irgendwie der Punkt, wo das Fass eben überlauft.
    Wir haben nämlich keine Politik-Verdrossenheit, sondern eine Politiker-Verdrossenheit
    Man kann doch diese lebensfernen dummen Fratzen einfach nicht mehr sehen und ertragen, die uns täglich belügen und das eigene Land verraten und dann noch satt und zufrieden bestens vom Steuerzahler leben.
    Und genau das muß aufhören

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