Krisen-Talk bei Illner
„Griechenland wäre die richtige Grabstätte für den Euro“

Neue EU-Finanzhilfen für Griechenland sorgen auch im ZDF-Talk bei Maybrit Illner für Dramatik pur. Die Sendung lieferte eine besorgniserregende Nachlese einer finanzpolitischen Tragikomödie.
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BerlinDas, was sich derzeit in Griechenland abspielt, erinnert eher an eine postmarxistische Farce als an eine antike Tragödie: Bei Aischylos und Sophokles ging es um die schicksalhaften Verstrickungen von Helden, die in eine so ausweglose Lage geraten, dass sie durch jedwedes Handeln nur schuldig werden können. Griechenland dagegen hat so viele Schulden angehäuft, dass jedwedes Handeln dem Land immer weitere EU-Milliardenkredite einbrockt.

Es ist nun ziemlich genau ein Jahr her, dass die EU-Finanzminister den Euro-Rettungsschirm über Griechenland aufgespannt haben. Heute steht das Land tiefer in der Kreide als je zuvor: Das eiserne Sparprogramm hat die Rezession verschärft, die Steuereinnahmen sinken, das Defizit schwillt weiter an. Neue Finanzhilfen scheinen unvermeidlich.

Und wieder einmal musste Steffen Kampeter, Staatssekretär beim Finanzminister, antreten und die Dramaturgie eines Stückes erklären, dass der deutsche Steuerzahler immer weniger versteht. Im Mai 2010 saß er bei Anne Will, in einer Sendung unter dem Motto "Griechenland ist pleite - jetzt zahlen wir." Und nun, im Mai 2011, fragte ihn Maybrit Illner: "Wird in Griechenland der Euro begraben?" Seinen Text zumindest hatte der CDU-Politiker sorgfältig gelernt, und zwar so sorgfältig, dass er zum Teil die exakt selben vorgestanzten Phrasen benutzte wie vor einem Jahr in der ARD. So rezitierte er zum Beispiel: "Griechenland ist nicht pleite, es bedient seine Schulden."

Das sieht Dirk Müller, der "Mister Dax" genannte Börsenhändler, ganz anders. Die Griechen, so diagnostizierte er, seien nämlich längst nicht mehr in der Lage, sich aus der Schuldenfalle zu befreien: "Wir zwängen die Griechen in ein Sparpaket hinein, das sie überhaupt nicht stemmen können." 750 Millionen Euro brächte das Reformprogramm - gegenüber 60 Milliarden, die nun neu dazukommen sollen. So werde es Griechenland wohl nicht gelingen, die Kredite zurückzuzahlen. Stattdessen würge der drakonische Sparkurs die Wirtschaft ab und heize den Volkszorn an. "Wenn wir dieses Sparpaket weiter aufrecht erhalten", sagte Müller, "kommen wir in Teufels Küche".

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  • Ach Blinse du verstehst es einfach nicht. Nackt seit ihr man hat euch das Fell über die Ohren gezogen und wieder einmal steht ihr vor einen unbezahlbaren Scherbenhaufen Eurer eigenen alles erduldender Geduld mit den Verantwortlichen. Wann begreift ihr endlich das man im Leben seinen mann stehen mus was bedeutet sich auch einmal gegen diese Lumpenelite in Nadelstreifen zu wehren ihnen klar zu machen bis hier und nicht weiter. Solange hier getextet wird machen die einfach so weiter, dabei gibt es nur noch den weg der Bankrotterklärung.

  • @Skyjumper
    Einer der wenigen wirklich guten Kommentare.

  • Was laberst du wieder für einen Stuß. Das versteht doch kein Mensch! Hast du deinen Duschvorhang geraucht?

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