Krisenängste
Deutsche Banken könnten noch 120 Milliarden Euro verlieren

SPD, Grüne und Linkspartei haben der Bundesregierung vorgeworfen, zu zahm mit den mächtigen Bankmanagern umzugehen. Im kommenden Jahr droht ihrer Einschätzung nach eine neue große Bankenkrise in Deutschland. Auch die Bundesbank warnt, dass in den Bilanzen der deutschen Geldhäuser bis Ende 2010 durch faule Kreditpapiere neue Milliarden-Belastungen schlummern.
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HB BERLIN. Der SPD- Experte Carsten Schneider fürchtet, dass bei den Banken durch weitere Abschreibungen von „Giftpapieren“ 100 bis 120 Mrd. Euro an Eigenkapital vernichtet werden könnten.

„Die deutschen Banken sind unterkapitalisiert“, sagte Schneider am Freitag im Bundestag. SPD, Grüne und Linkspartei warfen der Regierung vor, zu zahm mit den mächtigen Bankmanagern umzugehen. Die von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann beim Krisengipfel vorgeschlagenen Beträge für einen neuen Mittelstandsfonds seien „Peanuts“.

Auch die Bundesbank warnt, dass in den Bilanzen der deutschen Geldhäuser bis Ende 2010 durch faule Kreditpapiere neue Belastungen von bis zu 90 Mrd. Euro schlummern. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) sind weltweit erst etwa 50 Prozent aller „Giftpapiere“ abgeschrieben. Wenn das Kapital zerrinnt, werden die Banken auch weniger Kredite an Firmen vergeben können.

Die Banken schieben den schwarzen Peter der Politik zu. Als Lehre aus der Krise wollen die Staaten den Banken größere Eigenkapital-Puffer vorschreiben. Schneider sagte, der Bankenrettungsfonds SoFFin müsse möglicherweise überarbeitet werden. Dann könnten Banken gezwungen werden, Finanzspritzen vom Staat oder sogenannte „Bad Banks“ zur Auslagerung der schlechten Wertpapiere zu akzeptieren.

Die Linke attackierte das Spitzentreffen bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwochabend als „Bankrotterklärung“. „Es muss Schluss sein, dass ein Ackermann mehr Einfluss hat als die gewählte Regierung“, sagte der Abgeordnete Michael Schlecht. Die Banken würden sich kaputtlachen, wenn naiv an ihre Verantwortung appelliert werde. Die Linken würden die Banken am liebsten verstaatlichen.

Der Grünen-Fachmann Gerhard Schick forderte von Schwarz-Gelb schärfere Banken-Vorschriften, um Spekulationsblasen zu verhindern. „Wo ist ihr Plan? Ein „weiter so“ ist zu wenig!“

Der von Ackermann und den Sparkassen vorgestellte Mittelstandsfonds war von Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften als richtiger Schritt gegen eine Kreditklemme gelobt worden. Firmen sollen Finanzspritzen für ihr Eigenkapital bekommen, um ihre Kreditchancen zu verbessern. Die Banken wollen dabei auf neue Staatshilfen verzichten.

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  • Das Verhalten der banken ist kriminell. Sie veruntreuen Gelder. Gelder der Kunden und Gelder des Staates.

    Sowohl wenn sie Kredite herausgeben deren Sicherheiten von der bank zu hoch bewertet sind (zu hoch sind sie garantiert dann bewertet worden, wenn derselbe Gegenstand später nicht mehr so viel wert sein soll),

    als auch wenn sie boni an Mitarbeiter ausschütten, die in diesem Monat zwar vielleicht Geld verdient haben, in Wirklichkeit auf lange Sicht aber der bank mit den in Gegenzug aufgehalsten Verpflichtungen geschadet haben,

    als auch wenn der Aufsichtsrat dem Vorstand zu hohe bezüge zugesteht, auch das ist Veruntreuung von Geldern, in diesem Fall der Gelder der Anteilseigner.

    ich vermisse die Anklagen und Strafen in Deutschland, wir sind leider ein geschmiertes Amigoland.

  • Nach einer Analyse der US-bank Merrill Lynch schlummern noch immer enorme Risiken aufgrund toxischer Papiere in deutschen Großbanken. Ein Jahr nach Ausbruch der Weltfinanzkrise beliefen sich die als "problematisch einzuschätzenden Aktiva" auf 650 Milliarden Euro - das entspricht rund 75 Prozent des Eigenkapitals. "Deutsche banken scheinen bei strukturierten Kreditportfolien noch beträchtlichen Aufholbedarf bei Wertberichtigungen zu haben. Aber seitdem die bankster zwei verschiedene bilanzen erstellen dürfen, eigentlich legaler bilanzbetrug, eine für´s Finanzamt, die andere für den dummen Pöbel, ohne die wertlosen "Vermögensanlagen", so lange werden auch Gewinne suggeriert. www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,655777,00.html

  • bald leben wir im Chaos, nur der Elite gehts dann Gut!
    Herzlichen Glückwunsch, dass wir schon wieder zu den Verlieren gehören!

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