_

Krisenfolge: Industrie und Handel stellen weniger Azubis ein

Jedes vierte Unternehmen will 2010 weniger Lehrstellen als im Vorjahr anbieten, so eine DIHK-Umfrage. Als Gründe geben sie die anhaltende Krise und die sinkende Bewerberzahl an. Langfristig aber müssen die Unternehmen wieder mehr ausbilden, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Die Konkurrenz zu den Hochschulen steigt.

_
Eine Auszubildende in der Solarindustrie. Industrie und Handel planen 2010 weniger Lehrstellen. Quelle: dpa
Eine Auszubildende in der Solarindustrie. Industrie und Handel planen 2010 weniger Lehrstellen. Quelle: dpa

BERLIN. Wegen der anhaltenden Krise und rückläufigen Bewerberzahlen wird die deutsche Wirtschaft wohl auch 2010 weniger neue Auszubildende einstellen als im Vorjahr. 2009 war die Zahl der Verträge um zehn Prozent eingebrochen, dieses Jahr könnte das Minus zumindest fünf Prozent betragen. Das ergab eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) im Februar unter gut 15 000 Ausbildungsbetrieben. 2008 hatten Industrie und Handel mit 343 000 neuen Lehrverträgen einen Höchststand erreicht, 2009 waren es dann nur 312 000.

Anzeige

Industrie und Handel schultern knapp zwei Drittel der dualen Ausbildung. Das Handwerk, das 28 Prozent der Lehrlinge ausbildet, erwartet zwar ein gleichbleibendes Angebot an Ausbildungsplätzen. Zugleich weist aber auch Handwerkspräsident Otto Kentzler auf die sinkende Bewerberzahl hin, so dass es auch dort am Ende zu weniger Einstellungen kommen könnte.

Zahl der Bewerber sinkt weiter

Andererseits droht der deutschen Wirtschaft schon in wenigen Jahren ein Fachkräftemangel in bisher unbekannten Dimensionen. Die Notwendigkeit, rechtzeitig genügend Nachwuchs auszubilden, sei mittlerweile aber „voll bei den Betrieben angekommen“, versichert DIHK-Chef Martin Wansleben. Ein Teil der Unternehmen leide jedoch noch immer unter der Krise und könne daher nicht mehr ausbilden. Zudem habe 2009 jeder fünfte Betrieb nicht alle Plätze besetzen können.

Konkret planen nur 15 Prozent der Befragten, 2010 mehr Azubis einzustellen, 25 Prozent hingegen wollen die Lehrstellen reduzieren. Letzteres gilt vor allem für Großbetriebe und die Industrie. Unternehmen mit bis zu 200 Mitarbeitern hingegen planen unter dem Strich einen Ausbau. Zulegen wollen vor allem das Gastgewerbe sowie die Banken und Versicherungen.

Mehr Bewerber haben „Ausbildungsreife“

Die Zahl der Schulabgänger sinkt 2010 in der Tat weiter um 25 000 auf 880 000, besonders stark ist der Rückgang bei Haupt- und Realschülern. Zudem steigt der Anteil der Studenten. Wansleben räumte ein, dass DIHK und die IHK mehr tun müssten, um angesichts der verschärften Konkurrenz um den Nachwuchs für die duale Ausbildung zu werben.

Kürzlich hatte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) dazu aufgerufen, mehr Migranten anzuwerben. Bei diesen ist die Ausbildungsquote noch immer deutlich niedriger – auch weil vielfach der Wert der dualen Ausbildung nicht bekannt ist. Daneben gab es 2009 auch noch rund 250 000 Altbewerber, doch auch deren Zahl sinkt weiter.

Ein Problem ist weiter die Ausbildungsreife – fast 40 Prozent der befragten Betriebe sehen hier Defizite. Doch es gibt Hoffnung: 2006 beklagten noch zwei Drittel sprachliche Mängel der Bewerber – seither ist der Wert zumindest auf 54 Prozent gesunken. Eine ähnliche Tendenz „deutet sich bei den Mathematikkompetenzen an“, sagte die DIHK-Bildungsexpertin Sybille von Obernitz.

  • Video

Panorama Regimekritiker stürmen syrische Botschaft in Berlin

Dort zerstörten sie Bilder von Präsident Baschar al-Assad und sprühten Parolen an die Hauswand.

  • Die aktuellen Top-Themen
Hackerangriff: Anonymous hat Polizei-Telefonat abgehört

Anonymous hat Polizei-Telefonat abgehört

Die Hackergruppe Anonymous hat eine Telefonkonferenz zwischen der US-Bundespolizei FBI und dem britischen Scotland Yard abgehört und den Mitschnitt veröffentlicht. Es geht um die Bekämpfung ihrer Aktivitäten.

Auftakt: De Maizière fordert mehr Europa in der Verteidigungspolitik

De Maizière fordert mehr Europa in der Verteidigungspolitik

Verteidigungsminister de Maizière hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz ein souveräneres europäisches Militär gefordert. Weltbank-Chef Zoellick fordert von Deutschland in der Eurokrise mehr Verantwortung ein.

Schleswig-Holstein: Albig zum Spitzenkandidaten der SPD gekürt

Albig zum Spitzenkandidaten der SPD gekürt

Es ist offiziell: Torsten Albig heißt der Spitzenkandidat der SPD für die Landtagswahl in Schleswig-Holstein. Der Kieler Rathauschef und Ex-Sprecher von Ex-Finanzminister Peer Steinbrück erhielt ein stolzes Ergebnis.

Global Reporting Schweinegrippe ist zurück in Mexiko

Knapp drei Jahre nach Ausbruch der Schweinegrippe ist die Epidemie zurück in Mexiko. Im Januar seien mehr A/H1N1-Grippe-Erkrankungen registriert worden als im gesamten 2011, sagte Gesundheitsminister Salomón Chertorivski. Insgesamt hätten... Von Klaus Ehringfeld. Mehr…

Handelsblog Über das Bloggen aus der Dunkelkammer

Die Beschäftigung mit sich selbst ist seit jeher eine der Lieblingstätigkeiten der Blogosphäre. Warum sollte das bei den Wirtschaftsbloggern anders sein? Derzeit gibt es eine mitunter hitzig geführte Debatte über das Für und Wider des... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International