Krisenfolge
Politik-Vertrauen auf tiefstem Stand seit Kriegsende

Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat das Vertrauen der Deutschen sowohl in die Manager als auch in die Politiker nach einer Studie drastisch sinken lassen. Jeder zweite Befragte stellte sogar die repräsentative Demokratie in Frage. Auch das Leitbild der sozialen Marktwirtschaft hat schwer gelitten.
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HB FRANKFURT. Nach der Erhebung der Bertelsmann-Stiftung, über die die "Welt am Sonntag" berichtete, hat das Vertrauen in die Politik sogar den tiefsten Stand seit Ende des Zweiten Weltkriegs erreicht.

Für die Untersuchung wurden sogenannte Tiefeninterviews mit 100 Befragten geführt. 70 Prozent von ihnen gaben an, weder auf die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft noch auf das Bildungssystem und das soziale Netz zu zählen. Jeder zweite stellt deswegen sogar die repräsentative Demokratie in Frage. "Selbst die soziale Marktwirtschaft wird längst nicht mehr so positiv gesehen wie früher", sagt der Meinungsforscher Peter Kruse, Leiter des Bremer Unternehmens Nextpractice, das die Studie anhand der Tiefeninterviews erstellte.

Weder das Bankenrettungspaket noch die Abwrackprämie seien in den Augen der Bürger geeignete Mittel gewesen, um die Krise zu bewältigen. Auch das Steuersenkungspaket sei für die meisten keine vertrauensbildende Maßnahme. Als wirksam wird dagegen die Entlastung der Familien bewertet. Auch Investitionen in Bildung und regenerative Energien erfüllten in den Augen der Befragten noch ihren Zweck. Die Menschen suchten nach neuen Formen des Mitmachens, wenn auch nicht mehr auf traditionellen Wege wie einer Mitarbeit in den Parteien.

Magere Bilanz der ersten zehn Jahre des neuen Jahrhunderts

Nach einer Umfrage des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK glaubt die Mehrheit der Deutschen, von den ersten zehn Jahren des 21. Jahrhunderts materiell nicht profitiert zu haben. 63 Prozent sagen, es gehe ihnen selbst wirtschaftlich genauso gut - oder schlecht - wie zu Beginn des Jahrzehnts. Weitere 24 Prozent geben an, es gehe ihnen schlechter. Nur 13 Prozent sagen, es gehe ihnen heute wirtschaftlich besser als noch vor zehn Jahren. Befragt wurden 964 Bundesbürger.

Demnach erwartet nicht einmal jeder Fünfte, dass es ihm in zehn Jahren wirtschaftlich besser gehen wird. Allerdings ist diese Gruppe der Optimisten mit einem Anteil von 18 Prozent der Befragten etwas größer als die der Pessimisten (16 Prozent). Knapp zwei Drittel (66 Prozent) rechnen damit, dass ihr materieller Lebensstandard unverändert bleiben wird.

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