Krisengespräch
Almunia und Schäuble beraten über WestLB

Nach der Fusionsabsage durch die BayernLB vor gut einer Woche steht die Zukunft der angeschlagenen WestLB auf dem Prüfstand. Bei einem Spitzentreffen zwischen EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und seinem nordrhein-westfälischen Amtskollegen Norbert Walter-Borjans (SPD) heute sollen alternative Lösungen für die Landesbank ausgelotet werden.
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HB DÜSSELDORF/BRÜSSEL. Stärker ins Zentrum rücken könnte dabei der Verkauf der WestLB an Investoren, um den sich seit einigen Wochen der frühere CDU-Finanzexperte Friedrich Merz kümmert. Das "Handelsblatt" hatte berichtet, dass andere Fusionsszenarien im deutschen Landesbankensektor inzwischen in den Hintergrund gerückt seien. Eine mögliche Neuauflage der Gespräche über eine Zusammenführung von WestLB mit der hessischen Helaba scheint dabei keine Rolle mehr zu spielen. Zur Diskussion stehe nur noch eine Lösung für die WestLB: Den Verkauf des Instituts an Investoren, schrieb das "Handelsblatt". Dieser Prozess läuft seit einigen Wochen.

Bis Ende Oktober hatten sowohl Banken wie auch Finanzinvestoren ihr Interesse an der WestLB geäußert. Die WestLB verfolgt dagegen weiterhin zwei Optionen: Einerseits den Verkauf, andererseits auch eine Fusion im Landesbankensektor. Alle Optionen würden geprüft, hieß es in Finanzmarktkreisen. Dabei wurden neben der Helaba auch die NordLB und die Landesbank Berlin als weitere denkbare Partner der WestLB genannt. Das Institut hat nach den Vorgaben der Brüsseler EU-Kommission noch bis Ende kommenden Jahres Zeit, neue Eigentümer zu finden. Bei den Wettbewerbshütern in Brüssel war die WestLB nach dem geplatzten Fusionsvorhaben mit der BayernLB zusätzlich unter Druck geraten. Almunia äußerte Bedenken an der Überlebensfähigkeit der Bank, womit er beim Bankvorstand und den Eigentümern auf Unverständnis stieß.

Die EU-Kommission hält die staatlichen Hilfen für das Institut als zu hoch. Dabei geht es um eine Summe von 3,4 Milliarden Euro, die die WestLB bei der Ausgliederung ihrer Abwicklungsanstalt erhalten haben soll. Die Bank selbst bestreitet dies. Als erste Bank in Deutschland hatte die durch die Finanzkrise schwer angeschlagene WestLB ihre Schrottpapiere und nicht- strategischen Aktiva von 77 Milliarden Euro in eine "Bad Bank" ausgelagert, wo sie schrittweise liquidiert werden sollen. Damit wurde die Landesbank um ein Viertel verkleinert. Abgesichert wurde die Auslagerung durch Milliardengarantien der Eigentümer und einen Kapitaleinschuss des Bankenrettungsfonds des Bundes. Haupteigentümer sind das Land Nordrhein-Westfalen sowie die Sparkassen des Landes.

Faire Chance für Mitarbeiter

Vor dem Gespräch in Brüssel hat die WestLB-Betriebsratschefin derweil eine "faire Chance für die Mitarbeiter" gefordert. Die Mitarbeiter fühlen sich in der öffentlichen Diskussion um die Zukunft der Bank ungerecht behandelt. "Wir sind nicht verantwortlich für all das, was in der Vergangenheit passiert ist. Wir arbeiten seriös, und wir fordern eine faire Chance für die Mitarbeiter", sagte Doris Ludwig der "Rheinischen Post". Ludwig, die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Bank ist, sprach sich für eine Zukunft der WestLB im öffentlichen Lager aus: "Die Mitarbeiter sind klar für eine Landesbanken-Lösung." In jedem Fall werde der Standort Düsseldorf wichtig bleiben.

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