Krisenmanagement
Ehec stellt Verbraucherschutz auf den Prüfstand

Der Ursprung des Erregers ist kaum noch auffindbar, die Debatte konzentriert sich auf die Zukunft. Die deutschen Behörden müssten stärker kooperieren, fordert die EU. Experten verlangen ein neues Krisenmanagement.
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Im Kampf gegen die Erkrankungen im Zusammenhang mit dem Darmbakterium Ehec fordert EU-Gesundheitskommissar John Dalli die deutschen Behörden zu einer engen Zusammenarbeit mit ausländischen Experten auf. "Wir müssen auf die Erfahrung und die Expertise in ganz Europa und sogar außerhalb Europas setzen", sagte Dalli der Zeitung "Die Welt".

Das Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie forderte einen Regierungskoordinator zum Schutz der Bevölkerung vor Infektionsgefahren und für das Krisenmanagement beim Auftreten gefährlicher Erreger. Ein Beauftragter der Bundesregierung solle die Zusammenarbeit zwischen den Ministerien für Gesundheit, Landwirtschaft und Verbraucherschutz verbessern, sagte der Seuchenbiologe und Direktor des Instituts, Stefan Kaufmann. Global betrachtet, fördert die Armut die Entstehung und Ausbreitung von Seuchen. Also müssen auch das Entwicklungshilfeministerium und das Auswärtige Amt mit eingebunden werden. Und natürlich auch das Forschungsministerium", fügte Kaufmann hinzu. Derzeit meldeten sich die einzelnen Minister mit den Leitern ihrer nachgeordneten Behörden zu Wort. So entstehe der Eindruck, als hechele die Politik den Ereignissen hinter. "Erst Gurken, dann Sprossen. Das verunsichert die Menschen unnötig", sagte Kaufmann.

Der Einzelhandel beklagte einen Umsatzrückgang. "Wir haben Umsatzeinbrüche von 30 bis 40 Prozent bei Obst und Gemüse. Auch bei anderen Lebensmitteln gehen die Umsätze deutlich zurück", sagte der Sprecher des Handelsverbands HDE, Kai Falk, der "Bild"-Zeitung".

Unions-Bundestagsfraktionsvize Johannes Singhammer (CSU) forderte nationale Hilfen für die Gemüsebauern zusätzlich zur Unterstützung der EU. "Wir müssen eine nationale Entschädigungsregelung für die Bauern vereinbaren", sagte Singhammer der Düsseldorfer "Rheinischen Post". "Selbstverständlich tragen auch Gemüsebauern ein gewisses Geschäftsrisiko, aber dieser Ehec-Ausbruch war nicht vorhersehbar." Die EU-Kommission hatte am Dienstag auf einem Dringlichkeitstreffen der Landwirtschaftsminister zunächst 150 Millionen Euro angeboten, mit denen 30 Prozent der Einbußen erstattet werden sollten. Es ist jedoch bereits von Nachbesserungen die Rede.

Die FDP-Bundestagsfraktion nahm die Regierung gegen Kritik am Krisenmanagement in Schutz - zugleich aber Lehren aus der Krise in Aussicht gestellt. Der gesundheitspolitische Fraktionssprecher Heinz Lanfermann warf insbesondere der Grünen-Fraktionschefin Renate Künast Parolen "unter Stammtischniveau" vor, wie er der Nachrichtenagentur dpa in Berlin sagte. Künast hatte der Regierung miserables Agieren gegen EHEC vorgehalten. "Frau Künast wirkt wie jemand, der neben dem Heuhaufen steht, in dem andere etwas suchen, und dann kluge Sprüche von sich gibt", sagte Lanfermann. Er habe bislang noch keine konkrete Vorwürfe gegen das Krisenmanagement gehört, bei denen nachvollziehbar gewesen wäre, dass tatsächlich etwas falsch gelaufen sei. Gerade die Ex-Verbraucherministerin Künast mache durch "unerträgliche Besserwisserei" auf sich aufmerksam.

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"Jetzt ist nicht die Zeit für kluge Sprüche"

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