Krisenmanager Schäuble
Viel Lob für Merkels „Europaminister“

Mit fast 70 Jahren zählt sich Schäuble noch lange nicht zum alten Eisen. 2013 will er wieder in den Bundestag. Für manche klingt das wie eine Drohung. Doch in der Euro-Politik ist sogar die Opposition auf seiner Linie.
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BerlinWolfgang Schäuble ist nicht nur wegen der Euro- Dauerkrise eine der zentralen Säulen im Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel. In der CDU gilt der Finanzminister als Stabilisator der schwarz-gelben Regierung. Der Jurist, seit einem Attentat 1990 querschnittsgelähmt, ist ein Mann eiserner Selbstdisziplin und ein überzeugter Europäer.

Das ist es auch, was selbst die Opposition an dem 69-Jährigen schätzt, wenn sie auch sonst kein gutes Haar an Schäuble lässt. Und auch der Koalitionspartner sieht in Schäuble mehr einen Mr. Europa denn einen tadellosen Haushalts- oder Steuerpolitiker. Schäuble sei einer der „erfahrensten“ Politiker in Europa. „Sein strategisches Geschick und seine Standhaftigkeit sind in der Euro-Krise für Deutschland ein großes Plus“, sagt etwa die Vorsitzende des Bundestags-Finanzausschusses, Birgit Reinemund, Handelsblatt Online. In der Steuerpolitik und beim Thema Haushaltskonsolidierung könne er aber „durchaus ehrgeiziger vorangehen“, auch wenn er dennoch zielstrebig auf das Ziel Nullverschuldung hinarbeite.

Dennoch würdigt Reinemund Schäuble, der in wenigen Tagen 70 Jahre alt wird, als einen „überaus streitbaren Politiker mit einer klaren Linie“, der auch Auseinandersetzungen nicht aus dem Weg gehe. Das seien „nicht die schlechtesten Eigenschaften für einen Minister“.

Streitbar ist Schäuble allemal. Nach einem derart spannungsgeladenen und auch schicksalhaften Politikerleben ist das auch kein Wunder. Doch auch wenn das Verhältnis zu Merkel als schwer vorbelastet gilt, ist Schäuble ihr gegenüber stets loyal geblieben. Inzwischen ist er ihr wichtigster Verbündeter im Kampf gegen die europäische Schuldenkrise. Und das in einer fachlich wie menschlich herausragende Brillanz. Manchmal ist das Detailwissen Schäubles schon unheimlich. Jedenfalls lässt er sich nicht gerne ein x für ein u vormachen.

Das lässt der Minister auch schon mal Journalisten spüren. Das Handelsblatt konfrontierte ihn vor wenigen Monaten damit, dass er, Schäuble, gesagt habe, der Rettungsschirm EFSF (später dann der ESM) werde den deutschen Steuerzahler nie mehr als 210 Milliarden Euro kosten. Tatsächlich habe aber die Realität gezeigt, dass eben nicht Schluss sei. Liege also darin nicht ein Wortbruch gegenüber dem Steuerzahler? Schäuble fackelte nicht lange und bügelte die Frage kurzerhand ab. „Sie sollten einen Kommentar schreiben. Dann müssen Sie auch niemanden interviewen, das macht es leichter“, sagte er und versicherte. „Es bleibt bei der klaren Deckelung beider Schirme. Und diese laufen für eine einjährige Übergangszeit parallel.“

Kommentare zu " Krisenmanager Schäuble: Viel Lob für Merkels „Europaminister“"

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  • Ein überzeugter Europäer?
    Das kann er ja gerne sein, das gibt ihm ber nicht das Recht, Deutschland zu verkaufen
    Für mich ist Schäuble nichts weiter als ein Verräter

  • Was treibt diesen fanatischen Irren eigentlich an? Steht auch er auf der Gehaltsliste von Goldman-Sachs? Verblendet, wahnsinnig und fanatisch wie Goebbels. Bis zum letzten Cent und wenn es sein muss auch bis zum letzten Blutstropfen wird verteidigt, was er für erstrebenswert hält. Warum realisiert er nicht endlich, dass der verfluchte Euro nur Hass und Elend bringt. Wem gehorchen Schäuble und Merkel? Es wird Zeit für ein Volkstribunal.

  • @Fortunio
    "Am Schlimmsten sind die, die an das glauben , woran sie glauben". Das trifft in hohem Maß auf Herrn Schäuble zu,
    den badisch-protestantischen Biedermann.

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