Krisenpolitik unter Beschuss: „Bald kauft die EZB auch alte Fahrräder auf“

Krisenpolitik unter Beschuss
„Bald kauft die EZB auch alte Fahrräder auf“

Die EZB schlittert mit ihrem Feuerwehreinsatz für die Schuldenstaaten Italien und Spanien in schweres Fahrwasser. In Berlin wächst der Ärger über die Zentralbank – auch aus Angst, Deutschland könnte Schaden nehmen.
  • 43

Düsseldorf/Berlin„Die EZB ist inzwischen neben der amerikanischen Fed die größte Bad Bank der Welt“, sagte der Finanzexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Frank Schäffler, Handelsblatt Online. Sie setze das Sparvermögen von Millionen Bürgern mit dieser Inflationspolitik aufs Spiel. „Wenn die EZB so weitermacht, kauft sie bald auch alte Fahrräder auf und gibt dafür neues Papiergeld heraus.“

Kritisch wertete auch der finanzpolitischen Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Klaus-Peter Flosbach, die Vorgehensweise der EZB. Die Lösung der Krise könne und dürfe aus unterschiedlichen Gründen nicht bei der EZB liegen. „Eurobonds und EZB-Interventionen lösen die strukturellen Probleme nicht, sondern verschieben sie nur in die Zukunft“, sagte Flosbach Handelsblatt Online. „Vertrauen können wir nur durch schnelle, überzeugende Strukturreformen und Konsolidierungsmaßnahmen wiedergewinnen.“

Die Kritik kommt nicht von ungefähr: die EZB versinkt immer tiefer im politischen Treibsand. Während sich die Hüter des Euro mit dem Kauf spanischer und italienischer Staatsanleihen mit aller Macht gegen den Sturm an den globalen Finanzmärkten stemmen, bringen sie zugleich die Grundfesten der Währungsunion ins Wanken. Denn sie brauchen ihr Kapital in doppelter Hinsicht auf: Zum einen geben sie Unsummen aus für den Erwerb von Bonds der dritt- und viertgrößten Volkswirtschaften der Euro-Zone. Zum anderen setzen die Feuerwehrleute in Nadelstreifenanzügen mit ihren Milliarden Euro an Löschwasser ihre Reputation aufs Spiel und schaden damit am Ende sich selbst.

Seit die EZB im Mai 2010 sukzessive mit dem Ankauf griechischer, irischer und portugiesischer Anleihen begonnen hat, für die Politik die Kastanien aus dem Feuer zu holen, steckt sie in einem kaum mehr zu lösenden Dilemma. Sie kann nicht tatenlos zusehen, wenn es irgendwo in der Währungsunion brennt. Die per Mandat unabhängig von Weisungen arbeitende Zentralbank ist der Politik damit de facto ausgeliefert und kann nur hoffen, dass in Berlin, Paris, Rom, Madrid oder Brüssel alles unternommen wird, damit sie so bald wie möglich die Rolle des Feuerwehrmanns wieder loswird. Hinter vorgehaltener Hand werden inzwischen auch langgediente Notenbanker deutlich: „Wir wollen von der Politik einen klaren Fahrplan, bis wann der Rettungsschirm EFSF vollständig aktiviert und bereit ist, Anleihen von Schuldenländern zu übernehmen“, sagt ein Zentralbanker, der nicht namentlich genannt werden will.

Seite 1:

„Bald kauft die EZB auch alte Fahrräder auf“

Seite 2:

Geteiltes Echo bei Ökonomen

Seite 3:

Sorge um Deutschlands Bonität

Kommentare zu " Krisenpolitik unter Beschuss: „Bald kauft die EZB auch alte Fahrräder auf“"

Alle Kommentare
  • Ich empfinde es als Zumutung, dass die Handelsblatt als eines der letzten einigermaßen seriösen Finanzzeitungen jetzt schon die Ansichten des linkspopulistischen unseriösen gewerkschaftsnahen IMK-Instituts verbreiten. Die die immer für Staatsverschuldung und Lohnerhöhungen auch zur Unzeit sind, wollen jetzt noch Lösungsvorschläge unterbreiten? Lächerlich!

    Natürlich ist die Unabhängigkeit der EZB nicht gegeben. Es ist zuviel Geld für den realen Markt da, die Kleinanleger zahlen es jetzt schon mit Billigzinsen und durch die erhöhte Inflation wird es sie richtig erwischen.

    Das trifft die deutschen dreifach: Einmal als Steuerzahler wegen der Staatsschulden, einmal als Anleger wegen der Inflation und zum dritten als Lohnenpfänger, da reallohnanstiege auf 10 Jahre ausgeschlossen sind.

  • Nie. Denn wir haben nur noch stramm linke Parteien. Eine bürgerliche Partei als Gegengewicht, die einiges wieder in Ordnung bringen könnte, fehlt in diesem Land.
    Sie wird ja auch von den gesamten Sozialisten verhindert
    Denn die CDU ist ja schon lange keine demokratischen Union mehr.
    Es ist die völlige Deutschland Vernichtung angesagt.
    Schulden + Überfremdung auf usnre Kosten sind eine brisante Mischung
    Unsere eigenen Politiker arbeiten gegen das eigne Land und Volk.
    So etwas hat es wohl noch nie gegeben

  • Stimmt. Ein Volk, was überhaupt nicht mehr nachdenkt, ständig nur dem angesagten Zeitgeist hinterher rennt, ist leicht manipulierbar und sas ist gefährlich.
    Und für diese Manipulationen haben wir ja die linke Presse und die Medien, die von der Politik gesteuert sind.
    Und der Zetigeist udn die political correctness ist nun mal links
    Ein solches Volk würde auch einen 2. Hitler wählen.
    Und genau das sollte uns wachsam machen, denn das macht Angst

  • ja richtig. Eigentlich könnte doch die EZB gleich mit Wagen rumfahren und Metallschrott einsammeln.
    Ich hab auch noch so einige Dinge im Keller die Metallschrott sind und somit viel wert.
    Anstatt das Einsammeln irgenwem zu überlassen, die hin und wieder hier durch die Straßen fahren, könnte das doch die EZB übernehmen
    Das wäre wenigstens ein gutes Geschäft

  • Der Euro funktioniert nicht. Schafft ihn ab bevor wir auch hier in Deutschland ruiniert sind. Wenn die Waehrung zusammenbricht, sind auch unsere Finanzwerte hinueber. Deutschland kann nichts fuer die Politik in Italien, Spanien, Portugal, Griechenland, Irland und wo auch immer. Und EZB-Stuetzungen werden die Politik in diesen Laendern nicht aendern. Das Ende des Euro wird hinausgeschoben, aber es kommt dann um so gewaltiger. Schafft den Euro ab und damit natuerlich auch gleich die EZB. Jedes Zoegern wird die Konsequenzen nur verschlimmern.

  • Schon seit einiger Zeit beobachte ich oben angegebenen markt und habe festgestellt:
    Es gibt eine Verknappung, die derzeit noch keine großen Kursbewegungen ausgelöst hat. Sollte aber die Nachfrage weiter steigen, sehe ich diesen Markt stark bullisch.
    Eine Verdoppelung dieser Werte ist zu erwarten.
    Neu ist allerdings, daß die EZB hier mitmischt und den Part von Hedge Fonds übernommen hat.
    In diesen unsicheren Zeiten brauchen wir reale Werte und das ist bei alten Fahrrädern durchaus gegeben.
    Ich wünsche der EZB ein gutes Händchen bei ihren Geschäften.

    Schönen Tag noch.

  • Halloooooo Deutschland wach auf ! ! !

    es ist Tanzpause, trink was und besinne dich auf deine Tugenden "seriös arbeiten und wirtschaften"
    und überlass den euro den Verbrechern Europas.
    Besinne dich; wie oft gingen die Südstaaten Europas am Bankrott vorbei, wegen Misswirtschaft, Schlendrian,Korruption, Selbstbetrügerei ?
    Willst Du Deutschland dafür blechen ? hör auf mit dem Scheiss !

  • gute worte......... gratuliere.
    was die eurofritzen aber im moment abziehen ist schlicht ein kapitulationsprogramm zu gunsten jener staaten, welche betrogen haben. auf kosten der ehrlichen. wenn das so weitergeht, haben sie mehr als recht.

  • Es kann ja wohl nicht sein, dass die EZB durch die Hintertür Staatgelder (Steuergelder) in Eigenregie verschleudert.
    Auf diese Weise werden doch durch die Hintertür schlicht und einfach Steuergelder (welche z.b. für Schuldenabbau in BRD gebraucht würden) in die Pleitestaaten gepumt.
    Dies war und wird niemals das sein, was für Europa gut ist und vom Stimmbürger gewollt ist. Da kann man der Schweiz nur gratulieren, dass sie an dieser Possen nicht teilgenommen hat. Was sich hier Politik und EZB leistet, ist schlicht kriminell. mit verlaub ein schweizer

  • Nachtrag:
    Die Talfahrt an den Börsen spiegelt nicht nur die doppelte Angst vor einer weltweiten Rezession und einer unkontrollierbaren Staatsschuldenkrise wider. Dahinter steckt auch das schwindende Vertrauen in die Fähigkeit der Politik, der selbst verschuldeten Krise Herr werden und einen glaubwürdigen Weg zum Abbau der Verschuldung aufzeigen zu können.
    Europas überforderte Krisenmanager taumeln von einer Verlegenheit in die andere. Noch bewahrt der Bürger die Ruhe – trotz der gebrochenen Versprechen und der Sorge um die Ersparnisse, trotz der Hilflosigkeit der Politik und des undurchschaubaren Spiels der Finanzmärkte, trotz der Zukunftsentscheidungen am Parlament vorbei. Aber was ist, wenn die Rettungsaktionen misslingen, Wachstum und Wohlstand nicht mehr mit gepumptem Geld produziert werden können und nach dem Vertrauen in die Währung auch das Vertrauen in die Demokratie schwinden sollte? Das wäre dann der eigentliche Ernstfall. Es sieht nicht so aus, als ob die weiter um den heißen Brei herumredenden Politiker diesen Ernst der Lage schon begriffen hätten.

Serviceangebote