Krisenstrategien

Wege aus der Schuldenfalle

Es gibt eine Reihe historischer Beispiele für Industriestaaten, die ihre Schuldenberge auf erträgliche Größen reduziert haben. Dabei gibt es drei Wege, die zum Ziel führen. Am besten ist eine Kombination aus allen dreien.
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Die Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler. Quelle: dpa

Die Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler.

(Foto: dpa)

DüsseldorfHohe Staatsschulden sind heute das größte Problem der westlichen Industriestaaten. Schon vor der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise war die Schuldenlast in vielen Staaten bedenklich hoch. Die Ausgaben in Billionenhöhe für Bankenrettung und Konjunkturstützung haben sie seither in so kritische Höhen getrieben, dass die Finanzmärkte eine Kette von Staatspleiten fürchten.

Zahlen der Industrieländerorganisation OECD zeigen das ganze Ausmaß der Bedrohung: Der Schuldenberg der 30 Mitgliedstaaten ist von bereits hohen 73 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Vorkrisenjahr 2007 auf voraussichtlich 102 Prozent im laufenden Jahr gestiegen. Bei 90 Prozent liegt aber nach der Analyse der US-Ökonomen Kenneth Rogoff und Carmen Reinhart die Grenze, ab der Schulden das Wachstum lähmen.

Eine hohe Staatsverschuldung schränkt den Gestaltungsspielraum der Politik ein. Je mehr ein Staat für Zinszahlungen ausgeben muss, desto weniger kann er in Infrastruktur oder Bildung investieren. Je mehr die Zinsen steigen, desto bedrohlicher wird die Lage, und je stärker ein Land im Ausland verschuldet ist, desto gefährlicher ist es. Am Ende droht die Staatspleite.

In den kommenden Jahren und Jahrzehnten wird die Konsolidierung der Staatsfinanzen für die Regierungen der Industrieländer ganz oben auf der Prioritätenliste stehen. Dabei werden die wenigsten Länder so weit kommen, dass sie den Schuldenberg tatsächlich abbauen. Entscheidend ist aber, dass die Schuldenquote sinkt. Sie misst das Verhältnis der Staatsschulden zur Wirtschaftsleistung des Landes, dem BIP. Wer die Einnahmen erhöht und die Ausgaben senkt, mindert die Schulden und dreht dementsprechend am Zähler der Quote. Ein höheres Wirtschaftswachstum wiederum steigert den Nenner und senkt die Quote damit auch.

Die Regierung kann also sparen, mehr Geld eintreiben oder das Wirtschaftswachstum fördern. Am besten tut sie alles gleichzeitig, sagt Alfons Weichenrieder, Professor für Finanzwissenschaft an der Goethe-Universität in Frankfurt. „Eine Kombination aus allen drei Wegen ist am sinnvollsten, um den Schuldenstand schnell und nachhaltig zu senken.“

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16 Kommentare zu "Krisenstrategien: Wege aus der Schuldenfalle"

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  • Gibt es eigentlich Zahlen, was der bürokratische EU-Apparat kostet?
    - Diäten, Entlohnung für EU-Angestellte (z.B. Übersetzer) Pensionsrückstellungen
    - Gebäude und Gebäudeunterhalt
    - Spesen

  • entscheidend ist immer, was geht und was ist einfach sinnlos bzw. geht ins leere. wenn man sich das bundessteueraufkommen (http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/FinanzenSteuern/Steuern/Steuerhaushalt/Tabellen/Content75/KassenmaessigeSteuereinnahmen,templateId=renderPrint.psml) ansieht, staunt man sicher nicht schlecht, wenn die vermögenssteuer faktisch 0 € beträgt, auch die Erbschafts-, kapitalertrags- und körperschaftssteuern nicht sonderlich hoch sind (4,4 mrd, 8,7 mrd und 12 mrd), aber diese zu erhöhen ist nicht die lösung des problems. eine börsentransaktionssteuer würde helfen, aber viel wichtiger ist es den zins zu bereinigen um die größen, die da nicht rein gehören - das ist der liquiditätsanteil, der der höhe der staatsschulden entspricht. alle anderen im zins enthaltenen anteile sind ok - risikozuschlag, inflationszuschlag, produktivitätszuschlag, bankengebüren.

  • Oh mann, es sind immer die gleichen Empfehlungen, immer die gleichen Muster, mit Wirtschafts- und vor allem Finanzsachverstand hat das nicht viel zu tun. Wann wird endlich dem eigentlichen Problem zu Leibe gerückt, dem Liquiditätsanteil im Zins?! Mit Wachstum, der dem Produktivitätsanteil im Zins entspricht, sowie den anderen vorgeschlagenen Mittel ist die Schuldenlast nicht mehr zu tilgen. Der Liquiditätsanteil im Zins, auch häufig fälschlicherweise Konsumverzicht genannt, entspricht der Höhe der Staatsschulden. Bereinigt den Zins um diesen Anteil, was allerdings nur über eine Umlaufsicherungsgebühr machbar ist, und die Marktwirtschaft macht wieder spaß. Es ist ein Unding, dass Geld mehr taugt als Arbeit und Ware, was nur durch diesen Liquiditätsanteil im Zins verursacht wird.

  • Das systematische Umverteilen von unten nach oben? "Unten" ist noch nie Geld oder Reichtum gewesen (daher der Begriff unten...) wie soll da etwas umverteilt werden? Wie viele Steuern bezahlen denn die durschnittlichen Hartz IVler an die örtlichen Millionäre...? Dieses Dummgerede lenkt doch nur von den eigentlichen Problemen ab: Unfähige Politiker verpulvern das Geld (nicht nur für Griechenland, auch sehr gerne für anderen Schwachsinn) und jetzt ersticken wir an den Zinsen. Sparen geht nicht, denn es ist immer irgendwo Wahl.
    Letztendlich wird so die europäische Demokratie auf dem Altar der Unfähigkeit geopfert, denn die straff geführten Diktaturen und Oligarchensysteme am Golf, Russland oder China sind die klaren Gewinner. Danke Angie! Aber Du weißt ja wie man in einer Diktatur lebt... kannst Du uns ja dann auch noch breibringen.

  • Der Weg aus den Schulden setzt immer Vernunft voraus, aber seit wann ist der Mensch vernünftig? Gier und Selbstbedienung ist seit vielen Jahren die Regel und wird den meisten Menschen von Kindesbeinen an gepredigt und vorgemacht! Wir leben nunmal in einem System der Selbstzerstörung und der einzige Weg daraus ist eine Bauchlandung, so hart das auch klingen mag.

    Wir werden in diesem Jahrzehnt noch so einige Staatspleiten sehen, aber aufzuhalten ist das nicht mehr. Denn nur über den Komplett-Reset ist ein Neuanfang möglich, denn niemand wird freiwillig seinen Besitz oder seine Privilegien aufgeben wollen. Und selbst wenn einige gute Vorsätze haben, werden es die anderen wieder zu verhindern wissen.

  • Mit Ökonomenwissen ist der Problematik, die "lichtline" sehr gut umrissen hat, nicht beizukommen. Diese Wissenschaft ist nichts, was Wissen schafft. Die alte Volksweisheit "Geld regiert die Welt" erfährt doch gerade wieder ihre Bestätigung. Beispiel: 3 Tage weltweiter Devisenhandel entsprechen dem Volumen der Weltjahreswirtschaftsleistung. So lange sich daran nichts ändert, wofür den Politikern Wissen und Mut fehlt (da geht es ihnen übrigens wie ihren Wählern), werden auch die Staatsschulden nur eine Richtung nehmen und weiter steigen. Schulden sind Teil von Kapitalismus und Demokratie, beide können nur damit funktionieren. Es gibt aber richtige und falsche Schulden: Die richtigen beschreibt Keynes, die falschen machen die Neokons. Keynes hat z. Zt. keine Chance, also machen die Neokons einfach weiter ...

  • Das hört sich alles nett an, nur nutzt es nicht. Eine einzige isolierte Sichtweise kann die Motivbündel, an denen die ganze Welt leidet, nicht abbilden und muss daher scheitern. Wir alle müssen die Folgen tragen. Ich halte solche Küchenrezepte für unverantwortlich. Ein Punkt. Schulden sind auf der anderen Seite Vermögen. Die Motive der Geldgeber sind hier nicht berücksichtigt. Der Druck das viele Geld, das um die Welt saust, weiter zu vermehren ist der eigentliche Angriffspunkt, wird der Erfindergeist nicht in funktionierende Schranken gewiesen, werden alle Programme zu Verbesserung an den höchst bezahlten Einfällen der Protagonisten auf der Geldvermehrerseite in ihr Gegenteil gekehrt und noch mehr Schulden = Vermögen auf der anderen Seite erzeugen; und so weiter und immer wieder.

  • Wie wenig die Grünen nachdenken oder sollte man sagen, wie beliebig sie geworden sind, zeigt die Aussage von Grünen-Chef Cem Özdemir: Die Steuern für die bestverdienenden sind zu hoch.

    http://www.op-online.de/nachrichten/politik/gruene-nicht-mehr-prozent-gesamtsteuern-1417614.html

  • Auf den Konten der Deutschen liegen laut Statistischem Bundesamt sechs Billionen Euro Netto-Vermögen. Vielleicht sollte der Staat da mal nachschauen, ob dort alles mit rechten Dingen zugeht.

  • Find den Artikel spitze, wäre prima wenn es klappt in Deutschland das Sparen endlich wieder - auch in der Politik - salonfähig zu machen! Dann brauchen wir auch kein Gold! ;-)

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