Kristina Schröder
Die Anti-Emanze

Als Familienministerin hat Kristina Schröder wenig erreicht. Jetzt geht die CDU-Frau in die Offensive – mit einem Buch. Ihr neues Kampffeld: der Feminismus. Darin outet sie sich als Anti-Emanze. Kann das gut gehen?
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BerlinDer Veranstaltungsort ist ganz nach dem Geschmack von Kristina Schröder. Hier, auf dem Gelände der denkmalgeschützten Backfabrik im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg ist die Bundesfamilienministerin ihrem Herzensthema ganz nahe. Es geht um Frauen und ihre Lebensentwürfe, also auch um Familien. Die findet sie in diesem kinderreichen Stadtteil zuhauf. Das passt ganz gut für die CDU-Frau. Denn Schröder hat an diesem Dienstagabend große Pläne: sie stellt ihr Buch „Danke, emanzipiert sind wir selber!“ vor - eine Abrechnung mit den Anmaßungen des deutschen Feminismus.

Die Resonanz ist gewaltig. Schon im Vorfeld hagelte es Verrisse für das Buch. Und auch an diesem Abend gibt es nur kritische Töne. Schröder dürfte mit einem Entrüstungs-Sturm gerechnet haben. Die Nervosität ist ihr sichtlich anzumerken. Mit weißem Blazer, rotem Top und Jeans betritt sie die Bühne. Danach posiert sie für die Fotografen. Fast könnte man meinen, Germany’s next Topmodel präsentiert sich der Öffentlichkeit. Es ist aber nur eine unscheinbare Bundesministerin, die sich später lautstark gegen Anwürfe von allen Seiten wehrt mit Worten wie „Ich bin aber nicht die Gouvernante der Nation“ oder „Ich kann doch nicht ein Modell ad acta legen, das medial nicht so richtig flutscht“.

Glücklicherweise sitzt auf dem Podium noch die Publizistin Ursula Weidenfeld, die eigens vom Piper-Verlag engagiert wurde, um Schröder zu ihrem Werk zu befragen. Das tut sie auch: „Politisch flutscht Ihre Frauenquote aber doch auch nicht richtig“, fragt sie die Ministerin, die dann ein bisschen ins Schlingern gerät. Zu Recht, möchte man meinen. Denn Schröder hat mit ihrer Idee einer flexiblen Quote bisher nicht viel erreicht. Ihre Kabinettskollegin, Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), ist dagegen auf dem aussichtsreicheren Weg unterwegs. Ihr Modell für eine starre Quote findet sogar die Unterstützung der Opposition. Sollte daraus ein Gesetz werden, war es das mit Schröder. Jedenfalls hat die Ministerin schon angekündigt, im Fall der Einführung einer gesetzlichen Frauenquote für Spitzenjobs in der Wirtschaft ihr Amt niederzulegen.

Mit einem Schlag wäre eine Blitzkarriere im Berliner Politikbetrieb beendet. Denn eines hat Kristina Schröder beharrlich und mit offenem Visier verfolgt – ihren politischen Werdegang. In kurzer Zeit hat sie es bis ins Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel geschafft. Die Spannung war groß, wie sie sich dort als Familienministerin machen würde. Heute lässt sich sagen, von Schröders Elan als Bundestagsabgeordnete ist im Ministeriums-Alltag nicht mehr viel übrig geblieben. Dabei gibt es viele Themen, mit denen sie sich in der Öffentlichkeit Gehör und Profil verschaffen könnte.

Kommentare zu " Kristina Schröder: Die Anti-Emanze"

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  • Weib und Mann und Mann und Weib reichen an die Gottheit ran.

    da glaube ich dran

    (den Text gibt es auch mit Sound bei sonem Typen, Mozart oder so...)

  • @andrea
    Mir wir eher schlecht , wenn ich lese was sie schreiben.
    @germanenhengst
    Sehr gut geschrieben , ihr letzter Absatz.
    Es wird Zeit das sich wieder einige Männer von den Frauen emanzipieren.
    Aber das ist ja anscheinend verboten.Mann no Mann!!
    Ich lasse mir jedenfalls von keiner Frau auf der Nase rumtanzen.Vielleicht bin ich deswegen noch ledig.; )

  • Warum?

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