Kritik als auch Unterstützung
Trotz Entschuldigung bleibt Trubel um Mißfelder

CDU-Nachwuchspolitiker Philipp Mißfelder steht wegen seiner Äußerungen zum Sparen an älteren Patienten auch nach einer Entschuldigung unvermindert im Kreuzfeuer der Kritik.

HB/dpa BERLIN. Die Deutsche Hospiz Stiftung verurteilte die Aussagen als Aufruf zum Krieg der Generationen. Der Behinderten-Beauftragte der Bundesregierung, Karl Hermann Haack, warnte mit Blick auf die Äußerungen Mißfelders vor einer „schleichenden Euthanasiedebatte“. Der Generalsekretär der hessischen CDU, Michael Boddenberg, bezeichnete den Chef der Jungen Union als „pubertären Politfunktionär“.

Mißfelder hatte in einem Zeitungsinterview gesagt, er halte nichts davon, wenn 85-Jährige künstliche Hüftgelenke bezahlt bekämen. Im Berliner „Tagespiegel“ vom Freitag entschuldigte er sich: „Es tut mir Leid, dass ich Gefühle verletzt habe.“ Mißfelder war bereits in den vergangenen Tagen von allen Seiten heftig kritisiert worden, erhielt jedoch vereinzelt Unterstützung von jungen Politikern.

Haack betonte, die Aussagen Mißfelders und die dadurch ausgelösten Diskussionen seien uneingeschränkt zu verurteilen. Er betrachte mit großer Sorge, dass den „Ausfällen“ von Herrn Mißfelder, neben den scharfen Verurteilungen auch vereinzelt Zustimmung zuteil wird. „Aus der Sicht von behinderten Menschen, chronisch Kranken und älteren Mitbürgern, ist die unsägliche Debatte auf diesem menschenverachtenden Niveau auf der Stelle zu beenden.“

Der Geschäftsführende Vorstand der Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, bekräftigte, auch nach der Entschuldigung bleibe es dabei, dass Mißfelder die Situation alter Menschen nicht richtig darstelle. „Je älter der Mensch wird, desto schlechter wird auch dessen medizinische Versorgung. Das hätte Mißfelder wissen müssen.“ Boddenberg versprach, die Rechte der Aufbaugeneration „aggressiv zu verteidigen“. Es stehe außer Frage, dass die Belastungen zwischen den Generationen gerecht verteilt werden müssten. Dabei gelte es jedoch, die Menschen mitzunehmen und nicht mit „dummem Gequatsche“ zu verstoßen.

Der Bund Katholischer Unternehmer (BKU/Köln) hat die Sparvorschläge des Jungen-Union-Chefs Philip Mißfelder für ältere Patienten als unmenschlich kritisiert. „Die Begrenzung medizinischer Leistungen für Menschen über einer bestimmten Altersgrenze verstößt gegen die Menschenwürde“, betonte BKU-Vorsitzende Marie-Luise Dött. Allerdings habe sie Verständnis für die Ungeduld, „den Frust und Ärger“ der Jugend wegen des langsamen Reformtempos.

Nach Auffassung der FDP sollte die Bundesregierung ein Mal im Jahr eine „Generationenbilanz“ vorlegen. Darin soll sie nach einem Vorschlag von FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper über die Belastung der Generationen von heute und morgen umfassend berichten. Pieper hat nach eigenen Angaben vom Freitag diesen Vorschlag in einem Schreiben den Generalsekretären der anderen Parteien unterbreitet.

Der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kritisierte, es werde der Eindruck erweckt, das gesetzliche Krankenversicherungssystem sei nicht mehr finanzierbar, „weil ältere Menschen zu viel Geld verbrauchen“. Das Krankenversicherungssystem sei aber auch langfristig finanzierbar, es müsse nur etwas umgebaut werden, sagte er am Freitag im ZDF-„Morgenmagazin“. Ältere Menschen verbrauchten nicht mehr als sie verbrauchen sollten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%