Kritik am Bundespräsidenten
Der einsame Wulff

Der Rückhalt aus den eigenen Reihen schwindet: Aus der CDU und der FDP kommt erste Kritik an Bundespräsident Christian Wulff - und ausgerechnet aus seinem einstigen Stammland Niedersachsen fällt sie sehr deutlich aus.
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Berlin/Köln/HalleLangsam aber sicher sieht sich Bundespräsident Christian Wulff in seiner Kredit-Affäre nicht nur der Kritik der Medien ausgesetzt. Auch in den eigenen Reihen der CDU-FDP-Koalition rumort es deutlich - und das öffentlich. Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Holger Zastrow fordert nun etwa eine Stellungnahme des Bundespräsidenten zu seinen Anrufen bei der "Bild"-Zeitung. In einem Gespräch mit MDR Info sagte Zastrow, dass Wulff sich noch in dieser Woche erklären müsse. Wulff sei jetzt aber „in der Pflicht, das aufzuklären“.

Es zeuge nicht von Größe, wenn ein Bundespräsident persönlich zum Hörer greife und einem Chefredakteur auf die Mailbox spreche, um einen Bericht zu verhindern. Er erwarte von einem Staatsoberhaupt etwas anderes. Der stellvertretende FDP-Vorsitzende fügte hinzu, die Vorwürfe gegen Wulff seien nicht geeignet, von einem Gericht entschieden zu werden, sondern „es ist ja nur menschlich komisch, dass er zu solchen Mitteln greift“. Er selbst habe bei der Wahl zum Bundespräsidenten im Juni 2010 den ehemaligen DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck gewählt, „und das hatte schon seinen Grund.“

Wulff steht wegen der Finanzierung seines Privathauses bei Hannover in der Kritik. Er hatte sich als niedersächsischer Ministerpräsident eine halbe Million Euro von der Frau des befreundeten Unternehmers Egon Geerkens geliehen. Später löste er den Kredit durch ein besonders zinsgünstiges Darlehen der Stuttgarter BW-Bank ab. Am Montag war Wulff weiter unter Druck geraten, nachdem bekannt wurde, dass er mit einem Anruf bei „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann versucht hatte, einen Artikel über den Kredit zu verhindern und dem verantwortlichen Redakteur mit strafrechtlichen Konsequenzen drohte.

Und der sächsische Landtagsabgeordnete Zastrow ist nicht allein mit seinem Ärger über Wulff. Nach den neuen Vorwürfen in der Kredit-Affäre wird auch in Wulffs einstigem Stammland Niedersachsen Kritik laut - und zwar aus der CDU. „Viele Parteifreunde haben bei mir angerufen. Alle äußerten sich negativ zu Wulffs Verhalten“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Karl-Heinz Klare, der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. „Die Leute wollten totale Aufklärung, sonst wird das Amt des Bundespräsidenten beschädigt.“

Kommentare zu " Kritik am Bundespräsidenten: Der einsame Wulff"

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  • Sie haben recht - es soll von der Euro-Staatsschulden-krise abgelenkt werden, davon, daß wir hurtig eine Transferunion bekommen, in der D für alle haftet und zahlt. Und die Bürger? Springen über jeden Stock, der ihnen hingehalten wird: Bahnhöfe, Doktorarbeiten und jetzt eben ein Baukredit - es ist nicht zu fassen! Dabei wird der Bundestag demnächst über den irreversiblen, undemokratischen und unglaub-lichen "Ewigen Rettungsschirm" abstimmen. Über dessen Inhalt findet sich kein einziges Wort in der gesamten Presse!

  • Es geht nicht um die Qualifikation, es geht um die Macht des Kanzleramts. Frau Merkel will Kanzlerin bleiben, Transfer-union hin, Inflation her. Wulff hat sie offenbar als Konkurrenten betrachtet und deshalb weggelobt. Wäre es Gauck geworden, hätte die CDU vielleicht Herrn Wulff aufs Kanzlerschild gehoben?

  • Es fällt mir schwer zu glauben, daß du das ernst meinst. So ein durchsichtiges Geschiebe soll gerade auf der Ebene der Spitzenpolitik normal sein? Früher hieß es mal: "Was das Gesetz nicht verbietet, verbietet der Anstand!"

    Der Anstand hat sich aus der Politik aber rausgewaschen, wies scheint. Aber auch das Volk ist auf einem unguten Weg. Mit ein Grund für das überstrenge Waffenrecht in Vierzonistan....

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