Kritik am Deutsche-Bank-Chef
Ackermann reagiert auf kritische Stimmen

Seine demonstrativ ablehnende Haltung zum Rettungspaket der Bundesregierung hatte Deutsche-Bank-Chef Ackermann von allen Seiten Kritik eingebracht. Auch Vertreter der Finanzbranche hatten sich von ihm distanziert. Prompt meldete sich Ackermann wieder zu Wort – und schlug dieses Mal ganz andere Töne an.

HB BERLIN/FRANKFURT. Die Deutsche Bank hat auf die Kritik der Bundesregierung an ihrem Chef Josef Ackermann reagiert. „Im Zusammenhang mit der Kontroverse um die Inanspruchnahme staatlicher Hilfe durch Banken legt die Deutsche Bank wert auf die Feststellung, dass sie das betreffende Gesetz der Bundesregierung selbstverständlich unterstützt“, teilte das Geldhaus am Montagabend mit. Die gelte unabhängig davon, dass die Deutsche Bank selbst kein Kapital vom Staat benötige. Ackermann habe an der Erarbeitung des Gesetzes zur Finanzmarktstabilisierung persönlich mitgewirkt und öffentlich erklärt, dass die im Rahmen des Gesetzes bereitgestellten Finanzmittel für den Steuerzahler gut angelegt seien. „Außerdem hat Herr Ackermann ebenfalls öffentlich davor gewarnt, aus falschem Prestigedenken die von der Regierung angebotene Hilfe nicht in Anspruch zu nehmen“, hieß es.

Ackermann soll nach einem Bericht des Magazins "Der Spiegel" gesagt haben: "Ich würde mich schämen, wenn wir Staatsgeld annehmen würden." Nachdem die Kritik an dieser Äußerung am Montag immer heftiger wurde, lenkte Ackermann am Nachmittag ein. Der Satz sei "reine Kolportage", ließ er über einen Sprecher verbreiten. Der Sprecher verwies auf ein Interview, in dem Ackermann nur gesagt hatte, seine Bank benötige kein Geld vom Staat. Steinbrück reichte dies nicht. Er verlangte eine öffentliche Klarstellung des Deutsche-Bank-Chefs.

Ackermann hat offenbar Sorgen, dass seine Bank bei zu großer Nähe zur Staatshilfe Probleme bekommen könnte. Denn gerade börsennotierte Institute erwartet oft eine massive Belastung ihres Aktienkurses, falls sie nach einem Rettungspaket greifen. Bei den britischen Instituten Royal Bank of Scotland und HBOS hat der Markt entsprechend reagiert. Die Aktie der niederländischen Großbank ING hatte am Freitag mehr als ein Viertel ihres Werts verloren, als erste Hinweise kursierten, sie könne das staatliche Rettungspaket brauchen.

In den vergangenen Wochen hatten sich Merkel und Steinbrück nicht nur auf die Expertise von Ackermann verlassen, sondern auch auf seinen drängenden Wunsch hin an einer systemübergreifenden Lösung für den deutschen Finanzmarkt gearbeitet. Nach Darstellung der Regierung war es Ackermann, der Merkel und Steinbrück gebeten habe, anders als die US-Regierung nicht nur einseitig auf die Übernahme fauler Wertpapierportfolios zu setzen, sondern auch Staatshilfen für den Interbankenhandel und die Eigenkapitalausstattung der Banken anzubieten. Für Merkel war die Meinung Ackermanns so wichtig, dass sie ihm Anfang vergangener Woche exklusiv die Rettungspläne der Regierung im Kanzleramt präsentierte. Nun ist die Enttäuschung offenbar so groß, dass sich Steinbrück Regierungskreisen zufolge weigert, persönlich mit Ackermann zu sprechen.

Auch in der Branche wuchs der Unmut über Ackermanns angebliche Aussagen. "Es gibt erhebliche Verärgerung. Es brennt", sagte ein führender Banker dem Handelsblatt. "Da ist jemand maßlos über das Ziel hinausgeschossen." Von anderer Seite hieß es: "Es wäre das Schlimmste, wenn die Politik auf die Schnelle 500 Mrd. Euro zur Verfügung stellt und keiner sie annimmt."

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