Kritik am Premier
Steinbrück sorgt bei Briten für Eklat

Im Interview mit dem US-Magazin „Newsweek“ hat Bundesfinanzminister Peer Steinbrück den britischen Premierminister Gordon Brown für seine Steuersenkungen und die hohe Staatsverschuldung öffentlich abgewatscht. Die Regierung in London ist verärgert.

HB LONDON. „Die selben Leute, die sich immer gegen Finanzierung durch Staatsverschuldung gewehrt haben, werfen nun mit Milliarden um sich“, sagte Steinbrück.

Der britische Sender BBC sprach am Donnerstag von einem „ungewöhnlichem Verstoß gegen die Regeln der Diplomatie“, und sowohl Downing Street als auch das Finanzministerium seien verärgert. In Londoner Regierungskreisen hieß es demnach, Berlin vertrete eine „Meinung der Minderheit“ und schere in der Auffassung darüber aus, wie die Krise in den Griff zu bekommen sei.

In dem Interview stellte Steinbrück die Senkung der Mehrwertsteuer um 2,5 Punkte auf 15 Prozent infrage. „Unsere britischen Freunde senken nun ihre Mehrwertsteuer. Wir haben keine Ahnung, wie viel Geschäfte davon an ihre Kunden weitergeben. Kauft man wirklich einen DVD-Spieler, weil er nun 39,10 statt 39,90 Pfund kostet?“, sagte er. Die Maßnahmen würde Großbritanniens Staatsverschuldung auf ein Niveau heben, für das „eine ganze Generation“ arbeiten müsse, um sie wieder abzubauen.

Erst am Montag hatten der britische Premier sowie der französische Präsident Nicolas Sarkozy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso auf einem Mini-Gipfel in London Einigkeit mit Deutschland beschworen. Das Treffen hatte im Vorfeld für Wirbel gesorgt, weil Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu nicht eingeladen war.

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