Kritik an Äußerungen über Ackermann
FDP rückt Sodann in die Nähe der NPD

Der Bundespräsidenten-Kandidat der Linkspartei, Peter Sodann, ist mit Äußerungen zu seinen möglichen Amtshandlungen als erster Mann im Staat auf harsche Kritik gestoßen. Die CDU nannte Sodann einen unwürdigen Kandidaten, FDP-Chef Guido Westerwelle rückte ihn in die Nähe der rechtsextremen NPD.

HB DRESDEN. „So redet sonst nur noch die NPD“, kommentierte Westerwelle im Kölner „Express“ Sodanns Äußerungen. Der nordrhein-westfälische CDU- Generalsekretär Hendrik Wüst bezeichnete den Ex-„Tatort“-Kommissar im selben Blatt als „unwürdigen Kandidaten für das höchste Amt im Staat“. Er warf der Linken vor, „keinen Respekt vor unserem Land und schon gar nicht vor unseren nationalen Symbolen“ zu haben.

Sodann hatte in der „Sächsischen Zeitung“ Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hart attackiert. Als echter Polizist würde er Ackermann verhaften, sagte er. „Dann würde man mich zwar rausschmeißen, aber ich hätte es wenigstens mal gemacht.“

Auch Vertreter von Linkspartei und Grünen äußerten Kritik. Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth sagte der „Mitteldeutschen Zeitung“: „Wir brauchen keinen Kommissar, sondern wir brauchen jemanden, der die Menschen in diesem Land repräsentiert. Solche Äußerungen beschädigen das Amt und machen es beinahe zu einer Witzveranstaltung.“ Die stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion, Monika Knoche, sagte der „Mitteldeutschen Zeitung“: „Natürlich ist Deutschland eine Demokratie.“ Allerdings habe Sodann vielleicht „noch nicht ganz den sprachlichen Schliff, den ein Bundespräsident zu zeigen hat“.

Der Dresdener Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt hält Sodann denn auch für einen wenig ernstzunehmenden Kandidaten. „Die Linkspartei wollte demonstrieren, dass sie kein Stimmvieh für die SPD ist“, sagte Patzelt im Gespräch mit Handelsblatt.com. Die Sozialdemokraten hätten ja mit Gesine Schwan eine eigene Kandidatin für das Bundespräsidentenamt aufgestellt, die jedoch für einen Sieg auf die Stimmen der Linken angewiesen wäre. „Die Linke signalisiert nun mit Sodann: Wir lassen uns von der SPD niemanden vorsetzen. Damit schärft die Linkspartei ihre Rolle als wirklich eigenständiger politischer Kraft. Sie musste im Grunde nur einen halbwegs plausiblen Kandidaten finden.“

Sodann gilt bei der Bundespräsidentenwahl als chancenlos. In dem Interview sprach er sich auch dafür aus, die derzeitige Nationalhymne abzuschaffen und durch die „Kinderhymne“ von Bertolt Brecht zu ersetzen. Ihm gefalle „unser derzeitiges Leben nicht so“, sagte Sodann. „Ich halte das, was wir haben, ja nicht für eine Demokratie. Es ist auch das Schwierigste, was den Menschen einfallen kann.“

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