Kritik an Anti-Atom-Kurs: Arbeitergeber wenden sich von Merkel ab

Kritik an Anti-Atom-Kurs
Arbeitergeber wenden sich von Merkel ab

Das CDU-Debakel in Baden-Württemberg schreckt die Wirtschaftsverbände auf. Arbeitgeberpräsident Hundt reagierte höchst verärgert auf das Ergebnis und machte dafür den Anti-Atom-Kurs der Kanzlerin verantwortlich.
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Berlin"Nach meiner Beurteilung war das Moratorium ein großer Fehler", sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt am Montag mit Blick auf die Aussetzung der erst kürzlich beschlossenen Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke. "Sachlich erkenne ich kein Argument für diese Maßnahme, weil die Katastrophe in Japan die Sicherheitslage unserer Kernkraftwerke nicht beeinträchtigt."

Das Moratorium habe der Glaubwürdigkeit der Regierungsparteien geschadet, erklärte Hundt. Deutschland sei aus ökologischen und ökonomischen Gründen aus seiner Sicht weiter darauf angewiesen, die Kernkraft zu nutzen. "Ich rufe die Politik auf, zu Vernunft, Rationalität und Zuverlässigkeit zurückzukehren", erklärte der Arbeitgeberpräsident. Die wirtschaftliche Situation im Lande verlange nach einer handlungsfähigen Regierung und stabilen Verhältnissen.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen hatte zuvor seine Forderung bekräftigt, dass Deutschland schneller aus der Kernenergie aussteigen müsse. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, durch die Atom-Katastrophe in Japan habe sich auch für sie als Befürworterin der zivilen Nutzung der Kernkraft die Sichtweise verändert. Sie wolle aber nicht den Ergebnissen der AKW-Sicherheitsüberprüfung des bis Mitte Juni geltenden Moratoriums vorgreifen.

Außenhandelsverbandspräsident Anton Börner sieht in dem politischen Erdbeben nach den Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz indessen keinen Anlass zur Sorge für die Wirtschaft. "Beunruhigt, nein, das bin ich nicht", sagte Börner am Montag in einem Reuters-Interview. Auch eine Schwächung Deutschlands in der Welt erwarte er nicht.

"Deutschland ist deswegen nicht unberechenbarer geworden", sagte er. Bundeskanzlerin Merkel sollte aus den Wahlergebnissen mitnehmen, dass es mehr Standhaftigkeit brauche. "Ich bin ein Vertreter von klaren, verlässlichen, langfristig orientierten Ansätzen." Merkel "muss beherzigen, dass man eine klare Vision für die Zukunft braucht, dass man klare Führungsstrukturen braucht, die man auch klar durchzieht, und nicht momentane Stimmungen zu stark gewichtet und dann seine Meinungen ändert", kritisierte er den Kurs der Kanzlerin.

"Ich glaube dieses Wahlergebnis zeigt, dass man mit einer klaren Linie - die mag man gut oder schlecht finden kann - mit klaren Überzeugungen und mit Persönlichkeiten, die diese klare Linie haben, punkten kann beim Wähler", sagte der Verbandschef mit Blick auf Baden-Württemberg. Der Wähler honoriere das Lavieren, das "Hin-und-Her-Springen" je nach Tagesereignissen, offenbar nicht. "Ich glaube, der Wähler möchte Verlässlichkeit haben".

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  • Anti-Atom-Kurs? Nein. Merkel bedeutet gegen Deutschland und die Deutschen zu sein!

  • Für einen Reaktor in F. war die Betriebserlaubnis in 2000 ausgelaufen, die Bevölkerung hatte damals gegen die Betriebsverlängerung gestimmt, doch davon nahm in der Regierung Japans keiner Notiz, die Leute wurden überstimmt. Nun wurde dieser Reaktor "auf natürliche Art und Weise" ausgeschaltet. Wollen wir auch solange warten? Auch wenn wir keine Erdbeben haben, es ist der menschliche Faktor, der nie fehlerfrei ist. Zumindest kann man die alten vom Netz nehmen und eine neue Energiestrategie angehen für alternative Lösungen. Dann wird der Strom halt teurer und die, die sowieso den meisten verbrauchen, nämlich die Industrie, darf sich mal Gedanken machen, wie es auch mit weniger Strom gehen kann, was ich im privaten schon längst praktiziere. Es geht!

  • Die Kanzlerin darf als Dr. in der Physik ihre Meinung zur zivilen Nutzung der Atomkraft ändern, das tut sie zwar sehr abrupt, aber man darf ihr ein "Nachdenken" einräumen.

    Meine Herr Hundt was er wolle, auch die AG sollten daran interessiert sein das der Atomstrom, welcher ja erheblichen Atommüll mit sich bringt, sicher keine Option für kein Unternehmen ist das auch noch in 3 oder 5 Generationen am Markt sein will.

    Kein Mensch will dort Arbeiten wo die Erde, wie jetzt in Japan, für 23 TSD Jahre atomar mit Plutonium verseucht ist.

    Verlässlichkeit als Wähler gern, doch bitte nur dann wenn es eine Zukunft ohne gratis Strahlentherapie für alle gibt.

    Fangen jetzt die AG Verbände an das Lied der Atomlobby zu singen?
    Jeder der Menschenverstand hat, und das erwarte ich auch von AG Verbänden, sollte sich genau die Zeit zum Nachdenken nehmen die sich Frau Dr. Merkel offensichtlich genommen hat.

    Es gibt keine Zukunft für DL mit Atomstrom, weil es halt schlicht und einfach zu viele Gefahren mit sich bringt.

    Der Weg das es auch ohne geht wird nicht einfach werden, aber er muss endlich beschritten werden sonst kommen wir nie an.

    Ich hoffe inständig das diese Kanzlerin nach dem Moratorium mit einem Papier in der Hand vor dem Volk eine Rede hält. Der Titel des Papiers: Der Weg in eine Strahlenfreie Zukunft.

    Die Regierung muss nun Konzepte vorlegen; Ideen wie wir davon weg kommen.
    Berater gibt es ja für alle Bereiche zu genüge und Studien häufen sich im Kanzleramt.

    Packen wir es an, und hören auf zu lamentieren!!

    Es ist wie es ist, das deutsche Volk will keine Strahlenrisiko eingehen.
    Das gilt es zu akzeptieren, auch für die Atomindustrie Bosse.
    Es wäre noch schöner wenn in DL eine Minderheit, die Atomlobby, der Mehrheit vorschreibt wie wir Leben wollen. Mit Euch wollen wir nicht mehr Leben, richtet Euch drauf ein euer Profit hat schneller ein Ende als ihr gucken könnt, denn des Volkes Zorn ist entbrannt und geht auf eure Machenschaften nieder.

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