_

Kritik an Atom-Deal: „Bundesregierung verkauft Hoheitsrechte“

exklusiv Der geplante Deal zwischen Bundesregierung und Kernkraftwerksbetreibern verstößt nach Auffassung des Bonner Rechtswissenschaftlers Christian Waldhoff gegen die Verfassung. Die Auswirkungen einer solchen Vereinbarung wären verheerend. Es gehe um Grundfragen der parlamentarischen Demokratie, so Waldhoff.

Die geplante Abschöpfung von Zusatzgewinnen bei einer AKW-Laufzeitverlängerung stößt auf Kritik. Quelle: dpa
Die geplante Abschöpfung von Zusatzgewinnen bei einer AKW-Laufzeitverlängerung stößt auf Kritik. Quelle: dpa

BERLIN. Eine vertragliche Regelung zwischen Bundesregierung und Kernkraftwerksbetreibern zur Abschöpfung von Zusatzgewinnen bei einer Laufzeitverlängerung ist nach Auffassung des Bonner Verfassungsrechtlers Christian Waldhoff verfassungswidrig. Das geht aus der Zusammenfassung eines Gutachten Waldhoffs für das Bundesumweltministerium hervor. In der Zusammenfassung, die dem Handelsblatt vorliegt, heißt es, im Gegensatz zu einer vertraglichen Regelung sei die Einführung einer allgemeinen Kernbrennstoffsteuer mit verfassungs- und europarechtlichen Vorgaben vereinbar.

Anzeige

Eine vertragliche Vereinbarung zwischen Betreibern und Regierung sei dagegen nicht nur ein "Störfaktor im grundgesetzlichen System der Gewaltenteilung, sondern strapaziert auch Grundfragen der parlamentarischen Demokratie", schreibt Waldhoff. Die verfassungspolitischen Auswirkungen einer solchen Vereinbarung wären verheerend.

Das Gutachten steht im krassen Widerspruch zu den Plänen der Kernkraftwerksbetreiber. Sie bekämpfen die Brennelementesteuer mit allen Mitteln, weil sie befürchten, dass sie je nach politischer Ausrichtung künftiger Bundesregierungen als Druckmittel eingesetzt und kontinuierlich erhöht werden könnte. Die Unternehmen bieten der Bundesregierung daher den Abschluss eines "Energiewirtschaftsvertrages" an, in dem sie sich verpflichten wollen, der Bundesregierung für jede über die bestehende Laufzeitbegrenzung hinaus produzierte Megawattstunde Strom eine bestimmte Geldzahlung zu leisten. Das Geld soll in einem Fonds gesammelt werden. Die Bundesregierung hält sich derzeit noch offen, ob sie sich auf eine vertragliche Lösung mit der Branche einlassen will. In den kommenden Wochen solle eine Grundsatzentscheidung fallen

Eine "informale Verständigung" zwischen Regierung und Kernkraftwerksbetreibern im Vorfeld eines Gesetzgebungsverfahrens zur Verlängerung der Laufzeiten komme einem "Ausverkauf von Hoheitsrechten" gleich, heißt es in der Zusammenfassung des Gutachtens.

Das Gutachten sei "ein Brandbrief an Bundeskanzlerin Merkel mit dem Resümee: Der im Wahlkampf von der CDU angekündigte Deal 'Laufzeitverlängerung gegen Geld' ist verfassungsrechtlich unzulässig. Merkel sollte dies anerkennen und die Laufzeitverlängerung endlich aufgeben", sagte Tobias Münchmeyer von Greenpeace.

  • 30.08.2010, 17:27 UhrAnonymer Benutzer: SteuerKlasseEins

    Die Grünen hatten also doch Recht mit der behauptung, daß Solar- und Windkraft weniger teuren Strom liefern als Atomkraft. Die Leute in den siebzigen und achtzigern müssen völlig verblendet gewesen sein als sie diese Atommeiler gebaut haben! Deshalb "schöpfen" wir jetzt die "überschüssigen" Gewinne von den Atomkraftwerken ab, und werfen sie der Solar- und Windbranche in den Rachen, weil diese trotz dem Einspeisevergütungs-Wucherpreis für ihren unzuverlässigen Strom immer noch Appetit auf mehr Euros haben.

  • 30.08.2010, 11:21 UhrAnonymer Benutzer: Lana

    Es ist absolut nicht hinnehmbar, dass erstens wir bürger noch länger mit dem Risiko AKW leben müssen und zusehen können wie unsere Kinder mit dem ganzen atomaren Müll den wir ihnen hinterlassen auskommen. Zweitens hat Herr Waldoff vollkommen Recht damit, dass hier die Demokratie in hohem Maße angegriffen wird. Die Grundsatzentscheidung die gefällt werden muss, ist nicht nur die, ob AKWs abgeschaltet werden, sondern die, ob sich unsere Regierung kaufen lässt. Das ist eine Tatsache, mag sie auch noch so nett verpackt werden. Die resultierenden Einnahmen wären ein Tropfen auf dem heißen (Finanz-)Stein. Die Abschaltung allerdings - endlich - ein großer Schritt in eine verantwortungsvolle Zukunft.

  • 30.08.2010, 10:32 UhrAnonymer Benutzer: W. Fischer

    Hirte sie haben mit ihrer Meinung meine volle Unterstützung.
    Danke

  • Die aktuellen Top-Themen
Studie: Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Wenn zwei Unternehmen um ein anderes streiten, bedeutet das oft nicht Gutes für den Gewinner. Denn bei Übernahmen können die Sieger die Erwartungen oft nicht erfüllen. Profiteur ist - der Verlierer.

Afghanistan: Acht Zivilisten bei Nato-Angriff getötet

Acht Zivilisten bei Nato-Angriff getötet

Ein Nato-Angriff hat in Afghanistan offenbar eine ganze Familie ausgelöscht. Sechs Kinder und deren Eltern sind laut der Provinzregierung ums Leben gekommen. Am Vortrag gab es bereits tödliche Gefechte mit der Taliban.

Mali: Rebellen und Islamisten gründen Staat

Rebellen und Islamisten gründen Staat

Im afrikanischen Land Mali haben Tuareg-Rebellen zusammen mit Islamisten einen eigenen Staat ausgerufen. In „Azawad“ soll die Scharia gelten, westliche Einflüsse wurden schon getilgt. Hunderttausende sind auf der Flucht.