Kritik an Auftragsvergabe durch die Arbeitsverwaltung
Insider sagen weitere PSA-Pleiten voraus

Die Insolvenz von Maatwerk Deutschland ist womöglich nur der Beginn einer Pleitewelle unter Betreibern von Personal-Service-Agenturen (PSA). Diese Einschätzung vertritt Jürgen Uhlemann, Chef des Hamburger Zeitarbeitsunternehmens Jobs-in-Time, der zugleich Verhandlungsführer für den Bundesverband Zeitarbeit (BZA) im Ringen um die neuen Tarifverträge für die Zeitarbeit war.

dc/huh/tag BERLIN. „Die Vergabe der PSA-Aufträge durch die Arbeitsämter im vergangenen Jahr war viel zu einseitig am Angebotspreis orientiert“, sagte Uhlemann dem Handelsblatt. Nur damit lasse sich erklären, dass Maatwerk eine so große Zahl von PSA-Aufträgen erhalten habe. Das niederländische Unternehmen hat einen Marktanteil von mehr als 20 %. Uhlemann kritisierte, es sei absehbar gewesen, dass sich Anbieter ohne dichtes Netzwerk in die Wirtschaft hinein schwer tun würden bei der Vermittlung von Arbeitslosen in feste Jobs – zumal wenn sie, wie bei Maatwerk, ihre Infrastruktur in Deutschland erst noch aufbauen mussten.

Da auch andere Anbieter den Zuschlag nur unter dem Preisaspekt erhalten hätten, dürften in absehbarer Zeit weitere Pleiten folgen. „Ich behalte in diesem Punkt ungern Recht“, betont Uhlemann. „Aber wir haben Bundeswirtschaftsminister Clement schon vor einem halben Jahr auf die Probleme hingewiesen.“ Aus dem Ministerium und der Bundesagentur für Arbeit (BA) hieß es, Maatwerk habe sich mit den vielen PSA übernommen. Hans-Uwe Stern, PSA-Experte der BA, sieht keine weiteren Anbieter als insolvenzgefährdet an.

Der Kern des wirtschaftlichen Problems für die PSA-Betreiber besteht darin, dass die von ihnen mit den Arbeitsämtern ausgehandelten Zuschüsse je Leiharbeiter die Kosten nicht decken: Einem Zuschuss von durchschnittlich 1 000 Euro pro Monat stehen nach dem von DGB und BZA ausgehandelten Tarifvertrag Arbeitskosten von gut 1 200 Euro gegenüber. Nur wenn der Betreiber rasch Arbeit für die Zeitkraft findet und dafür Honorar einnehmen kann, lässt sich die Lücke decken. Gerade bei der derzeitigen Lage am Arbeitsmarkt fällt das schwer.

Eine Anhebung der Zuschüsse werde es nicht geben, sagte der arbeitsmarktpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Klaus Brandner. Er äußerte sich zuversichtlich, dass die PSA bei verbesserter Arbeitsmarktsituation künftig erfolgreicher sind. Etablierte Zeitarbeitsfirmen wie Manpower oder Randstad sehen nach Aussage ihrer Sprecher kurzfristig keinen Grund, aus den eigenen PSA-Aufträgen auszusteigen. Sie sind ohnehin wesentlich geringer als Maatwerk engagiert. So betreibt Manpower nach eigenen Angaben elf PSA. Allerdings werde man die Maatwerk-Pleite auch nicht zum Anlass nehmen, sich über die Maßen an neuen PSA zu beteiligen, heißt es bei Randstad.

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