_

Kritik an Bundesinnenminister: Piraten machen gegen Bundestrojaner mobil

exklusiv Die staatliche Spionage-Software zum Abgreifen von Kommunikation via Computer hat für viel Wirbel gesorgt. Bundesinnenminister Friedrich verteidigt den Einsatz von Trojanern. Die Piratenpartei will sie loswerden.

Beispiel für Quellcode-Typ "HTML" (Foto vom 10.10.11). Quelle: dapd
Beispiel für Quellcode-Typ "HTML" (Foto vom 10.10.11). Quelle: dapd

Düsseldorf/BerlinDer Geschäftsführer der Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Martin Delius, hat die Bundesregierung aufgefordert, den Einsatz der umstrittenen staatlichen Spionagesoftware zur Überwachung von Computern sofort zu stoppen. „Es ist technisch nicht möglich auf einem Computer die Überwachung von relevanter Online-Kommunikation von der persönlicher Daten zu trennen“, sagte Delius Handelsblatt Online. „Der Einsatz der Software ist sofort zu stoppen, der Quellcode zu veröffentlichen und eine unabhängige Überprüfung zuzulassen.“

Anzeige

Delius verlangte zudem, Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und die Innenminister der Länder müssten „vollständig“ darlegen, bei welchen  Strafverdachten der Trojaner wann und mit welchen tatsächlichen Erfolg eingesetzt worden ist. Von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) erwarte er zudem, „im Sinne des Bundesverfassungsgerichtsurteils zu handeln und Initiative für Unterbindung solcher Ermittlungsmethoden in Zukunft zu ergreifen“.

Im Jahr 2008 hatte das Bundesverfassungsgericht in einem grundlegenden Urteil ein Grundrecht auf Schutz des persönlichen Computers geschaffen und hohe Hürden für Online-Durchsuchungen – also für die Durchsuchung der Festplatte - gesetzt.

CCC-Analyse Was steckt hinter dem Staatstrojaner?

  • CCC-Analyse: Was steckt hinter dem Staatstrojaner?
  • CCC-Analyse: Was steckt hinter dem Staatstrojaner?
  • CCC-Analyse: Was steckt hinter dem Staatstrojaner?
  • CCC-Analyse: Was steckt hinter dem Staatstrojaner?

Friedrich verteidigte am Wochenende den Einsatz sogenannter Trojaner. Die Länder hätten die Grenzen dessen, was rechtlich zulässig sei, nicht überschritten. Leutheusser-Schnarrenberger sowie Politiker von Linken und Grünen widersprachen.

Leutheusser-Schnarrenberger forderte eine Sonderkonferenz der Innenminister, um ein „präzises Lagebild“ zu bekommen. Für Donnerstag planen die Innenminister eine Telefonkonferenz. Am Mittwoch sind die Trojaner auch Thema im Innenausschuss des Bundestages.

Der Chaos Computer Club (CCC) hatte vor rund einer Woche die Version eines Trojaners zum Abhören von verschlüsselten Telefonaten über das Internet („Quellen-TKÜ“) angeprangert. Nach Angaben des Clubs kann die Software, die auch in Bayern eingesetzt wurde, mehr als sie darf und hinterlässt auf dem Computer des Betroffenen gravierende Sicherheitslücken, die Dritte ausnutzen könnten.

  • 17.10.2011, 12:46 UhrAnonymer Benutzer: demokratie

    Da sieht man wie demokratisch D ist.

  • 17.10.2011, 11:25 UhrAnonymer Benutzer: zarakthuul

    Bundestrojaner sind schreckliche Rohrkrepierer.
    Für viel Geld wird gegen das Grundgesetz verstoßen, von Behörden die jenes eigentlich schützen sollen. Außerdem sind sie nicht geeignet einem halbwegs intelligenten Verbrecher das Handwerk zu legen. Der bootet von CD sein Linux und surft von öffentlichen WLANs unerkannt durchs Netz.
    Bundestrojaner sind mehrfach schädlich. Zum einen weil sie Rechtsbruch an sich sind und zum anderen weil die Sicherheitsbehörden sich in der Lage wähnen mit diesen Mitteln Verbrechen verhindern zu können.

  • Die aktuellen Top-Themen
Studie: Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Wenn zwei Unternehmen um ein anderes streiten, bedeutet das oft nicht Gutes für den Gewinner. Denn bei Übernahmen können die Sieger die Erwartungen oft nicht erfüllen. Profiteur ist - der Verlierer.

Wüstenrot-Studie: Jeder dritte Deutsche fürchtet Immobilienblase

Jeder dritte Deutsche fürchtet Immobilienblase

Rund 44 Prozent der Deutschen halten die Preise für Häuser und Wohnungen für deutlich überhöht. Sie fürchten sich vor einer Immobilienblase. Vor allem die Bürger eines Bundeslandes sind besonders skeptisch.

Politik versus Wirtschaft: Wie viel Kritik ist erlaubt?

Wie viel Kritik ist erlaubt?

Für Politiker sind Megaveranstaltungen wie der ESC in Aserbaidschan und die WM in Katar Anlass, mehr Demokratie zu fordern. Deutsche Unternehmen hoffen jedoch auf Großaufträge - und geraten schnell zwischen die Fronten.