Fitschen entschuldigt sich für Beschwerdeanruf

Kritik an der Deutschen Bank
Fitschen entschuldigt sich für Beschwerdeanruf

Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen hat Volker Bouffier um Entschuldigung für seinen Anruf gebeten. „Mein Anruf erfolgte mit guten Absichten“, sagt Fitschen. Trotzdem ebbt die Welle der Empörung nicht ab.
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BerlinDeutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen hat beim hessischen Ministerpräsidenten persönlich um Entschuldigung für seinen Anruf nach der Steuerrazzia gebeten. „Die Unabhängigkeit der Rechtspflege ist auch für mich ein hohes Gut. Sollte mein Anruf in der Öffentlichkeit zu einem falschen Eindruck geführt haben, möchte ich mich dafür ausdrücklich entschuldigen“, sagte Fitschen im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ).

„Mein Anruf erfolgte mit guten Absichten“, so Fitschen weiter. Er habe gegenüber Volker Bouffier (CDU) seine tiefe Betroffenheit über die Wahrnehmung der Vorgänge im Ausland ausdrücken wollen. Zu dem Vorwurf, die Bank habe im Zusammenhang mit den Untersuchungen in großem Stil E-Mails vernichtet, wollte sich Fitschen in der FAZ unter Hinweis auf die seit 2010 laufenden Ermittlungen nicht äußern. „Wir prüfen die Vorwürfe und kooperieren vollumfänglich mit den Ermittlungsbehörden“, sagte er.

Fitschen hatte sich vergangene Woche beim hessischen Ministerpräsidenten Bouffier darüber beklagt, dass die Bilder von der Durchsuchungsaktion der Deutschen Bank mit bewaffneten Polizisten verheerend für das Image des Geldinstituts seien. Bouffier habe erwidert, Umfang und Details der Razzia wegen Umsatzsteuerbetrugs seien Sache der Staatsanwaltschaft.

Ungeachtet der Entschuldigung ist die Deutsche Bank weiter in der Schusslinie. In der Steueraffäre hat der Chefhaushälter der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, den Aufsichtsratsvorsitzenden des Konzerns, Paul Achleitner, zum Handeln aufgefordert. „Die handfesten Vorwürfe müssen jetzt zügig und umfassend aufgeklärt werden“, sagte Schneider Handelsblatt Online. „Deshalb sollte der Aufsichtsratsvorsitzende die Aufklärung intern zu seiner Chefsache machen und daneben sicherstellen, dass der Vorstand mit der Justiz kooperiert.“ An einem beschädigten Vorstand könne der Aufsichtsrat kein Interesse haben.

Fitschen persönlich steht zunehmend unter Druck. Die Welle der Empörung ebbt nicht ab. Vor der Entschuldigung hatte der hessische Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) von Fitschen eine Erklärung wegen dessen Beschwerde bei der hessischen Landesregierung über die Großrazzia in der vergangenen Woche gefordert. „Herr Fitschen sollte klarstellen, dass er sich einer unabhängigen Justiz gegenübersieht“, sagte der FDP-Politiker Handelsblatt Online.

Die Staatsanwaltschaft ermittle ohne Ansehen der Person. „Wer Macht hat, steht nicht über dem geltenden Recht.“ Vor dem Gesetz seien alle gleich. „Politische Einflussnahmen wären eine Rechtsbeugung. Die kann es nicht geben“, betonte Hahn, der auch stellvertretender Ministerpräsident von Hessen ist.

Zweifel an der Eignung Fitschens als Konzernchef äußerte die Finanzministerin von Schleswig-Holstein, Monika Heinold (Grüne). „Deutschland ist kein Land, in dem Strafverfolgungsbehörden vor den Türen von Großbanken stehen bleiben. Und ich hoffe, Herr Fitschen sieht das genauso“, sagte Heinold Handelsblatt Online. „Falls nicht, hat er den falschen Job.“

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Fitschens Kritik schade dem Ansehen

Kommentare zu "Fitschen entschuldigt sich für Beschwerdeanruf"

Alle Kommentare
  • Der ist nicht naiv, der hat exakt das getan was alle Elite-Mitglieder tun, wie Christian Wulff, der bei der Bild anrief und viele, viele andere "Besser-Bürger" das tagtäglich tun. Politik- und Wirtschafts-Eliten betrachten sich nicht mehr als Gleiche unter Gleichen. Sie stehen über dem Gesetz, sie sind Systemrelevant und daher über dem Markt, sie bekommen selbst nach offensichtlichem Mismanagement Millionen Abfindungen und lebenslange Dienstwagen ... nicht Herr Fitschen sitzt im Knast, sondern einige Banker aus dem 3. Glied, für ein paar Tage - danach geht das Spielchen weiter wie zuvor. Polit-Theater um die kippende Euro-Zustimmung mit ner Ersatzhandlung zu bespaßen - die Gesetze und die Bankenaufsicht die das alles erst möglich machte, gab es so vor dem Euro nicht - und der geht weiter! Koste es Sie oder mich oder sonstige Steuerzahler was es wolle, bürgerkriegsähnliche Zustände in Südeuropa hin oder her ...

  • Der Bankräuber zum Richter: ich handelte in guten Absichten, das müssen sie mir Glauben Herr Richter!!

  • Etwa so: "Ist doch nicht mein Geld" und "Hauptsache wir sind ihn los (und hoffentlich passiert mir das später auch so ;) !"

    Frage: wie waschen sich zwei dreckige Hände ohne Seife?

  • Ha, Ha, Ha, prust, ha, ha, ha. Ich packs's nicht. Wie naiv egoistisch ist dieser Mensch? Und sowas ist Cheffe? lol

    Würde mich echt mal interessieren was die Deutsche Bank für einen festgeschriebenen, nachlesbaren Ehrenkodex von ihren Mitarbeitern im Gegenzug einfordert (... und ob dieser Mensch mit dem Anruf diesem noch entspricht).


  • Der "scheinheilige Fitschen"
    ==========================
    Die Bank der Mafia hat einen Namen: "Deutsche Bank".
    Hier werden Beweise vernichtet, Steuerhinterziehung gefödert, mit Lebensmitteln spekuliert, mit Streumunition und Kriegswaffen gehandelt, Libor und Euribor manipuliert, etc. pp.
    Mit anderen Worten: Die Deutsche Bank ist eine "kriminelle Vereinigung".
    Und Fitschen will das jetzt ändern?
    Wer das glaubt, glaubt auch, daß ein Zitronenfalter Zitronen faltet.

  • @ denne nochmals sorry für den "herben ton": bei dem was sie sagen, stimme ich voll zu. ja, leicht kann mann/frau indirekt in die verantwortung rutschen. hab auch schon einiges einstecken müssen. wer nicht? auch über das wort "archetypsch" musste ich beim lesen gleich schmunzeln.
    ABER in den usa sind die grundbücher quasi beschädigt. ich weiss von zu vielen dingen und wie agiert wird, da bezieh ich immer mehr klarere und ja auch archetypische standpunkte. zur zeit werden verschiedene regulierungs- konzepte diskutiert, viele sind nur weitere komplex zu umfangreiche regularien. in den 30 haben die auch erst fortschritte gemacht, nachdem einfache, aber klar regeln formuliert wurden. diese waren denne auch einfacher zu überwachen.

    ausserdem empfinde ich es als skandal wie bzw. nicht auf die aufforderung zum erscheinen im bundestag reagiert wurde.

    nochmals, sorry. ich habe in keinem kommentar den Rücktritt gefordert. das ist auch jetzt nicht in ordnung - unschuldsvermutung. ausserdem hat er sich ja jetzt entschuldigt. UND ich möchte nicht, dass er geht, solange ... da ich auch annehme, dass noch das eine und andere im hintergrund läuft. aber die entschuldigung war notwendig und meiner meinung auch hinreichend.

  • @Matze: Keine Ahnung wer "ihr" sein soll. Ich bin ein Mensch dessen einziger Kontakt mit einer Bank ein ganz normales Postbank-Konto ist. Weder arbeite ich für Banken, noch besitze ich Bankaktien.

    Allerdings bin ich selbständig. Und ich weiß, dass das was der DB passiert jedem Selbständigen passieren kann. Es reicht wenn ein Lieferant oder der Lieferant eines Lieferanten oder der Lieferant des Lieferanten ... irgendwo bei der Steuererklärung gelogen hat, dann müsse alle anderen Unternehmen in der Kette ihre Steuererklärung ändern.

    Bei einer geänderten Steuererklärung wird automatisch die Steuerfandung aktiv, es werden automatisch Strafzahlungen angeordnet. Auch dann, wenn man selbst mit der eigentlichen Straftat nichts zu tun hat, selbst dann wenn die eigenen Lieferanten damit nichts zu tun haben. Es reicht irgendwo irgendein Betrüger in der Kette der Vorlieferanten. Allerdings kommt üblicherweise kein Polizeikommando. Die meisten Steuerfander sind vernünftige Leute. Die wollen einfach nur die Buchhaltungsunterlagen sehen (dazu gehört dann ggf. auch Schriftverkehr).

    Das in diesem Fall ein mehrere hundert Mann starkes, schwerbewaffnetes Polizeikommando aktiv wurde, ist völlig deplaziert. Die Zielgruppe dieses Kommandos war IMO auch nicht die DB. Es ging darum Menschen zu beeindrucken, die sich leicht beeindrucken lassen. Den Mob halt. Und dazu muss ich auch Sie zählen. Ihr sprachlicher Ausdruck, ihre Unreflektiertheit, ihre Wut auf das vermeintliche Böse sind recht archetypisch.

  • RBern
    genau so ist es.
    Er hat sich doch nur darüber aufgeregt, dass der Rieseneinsatz schon sofort wieder in den Medien war.
    Hier muß mal die Frage gestellt werden, warum in den letzten Jahren Staatanwaltschaften schon im Vorfeld alles an die Presse und die Medien geben.
    Es wird Zeit, dass auch in unserer linken Justiz aufgeräumt wird.
    Sonst wird jede Steuerprüfung in Zukunft zum Medienereignis gemacht um den Betrieen zu schaden
    Dass dieser Drecksack in Frankfurt der den Bankeirssohn umgebrach hat, nun auch noch seine 70.000 € Schulden erlassen bekam, schient aber der Politik und den Medien keinen Kommentar Wert.
    Mein Gott, was sind wir für ein armseliges Land geworden

  • Eine Woche vor Weihnachten wird nun mit der Deutchen Bank die 2. Sau durchs Land getrieben.
    Die 1. Sau ist die, dass deutsche Frauen zu wenig Kinder bekommen, weil wir alle nicht jeden Tag vor berufstätigen Müttern auf die Knie fallen und ihnen zu wenig Respekt zollen. Eine solch blödsinnige Studie muß man tatsächlich erst mal erfinden
    Was will denn die Politik? Sie selbst haben doch jahrelang dem Zocken der Banken zugesehen, habe das sogar noch gefördert und alle Hindernisse eingerissen. Für Ackermann wurde sogar auf Steuerzahler Kosten eine Geburtstagsparty im Kanzleramt veranstaltet. Und nun auf einmal sind es für die Politik böse Banken?
    Was für eine elende Heuchelei
    Bei Landesbanken, also Staatsbanken, werden Manager, die nachweislich Mist gemacht haben, zum Schaden von uns Steuerzahlern, noch mit mehr als 3 Mio Abfindung in Pension geschickt und das finden die Politiker und die hörige Presse in Ordnung.
    Nach welchem Maß wird denn hier geurteilt?

  • Agenda2020
    Ich darf das wohl asl Satire lesen, oder?

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