Kritik an Einschränkung
Akupunktur auf Krankenschein

Die gesetzlichen Krankenkassen dürfen in Zukunft die Kosten einer Akupunkturbehandlung nur noch bei chronischen Rücken- und Knieschmerzen übernehmen.

HB BERLIN. Diese Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses ist am Mittwoch bei Krankenkassen und Ärzten auf heftige Kritik gestoßen. Die Siemens Betriebskrankenkasse kündigte an, sie wolle beim Bundesgesundheitsministerium Beschwerde einlegen. Auch der Verband der in China ausgebildeten deutschen Akupunkturärzte kritisierte die Entscheidung. Dagegen nannte eine Sprecherin des AOK-Bundesverbandes sie „konsequent“.

Seit 2000 hatte im Prinzip jeder gesetzlich Versicherte die Möglichkeit, sich im Rahmen zweier bundesweiter Modellstudien gegen Rücken-, Knie- und Kopfschmerzen mit Akupunktur behandeln zu lassen. Inzwischen sind die Ergebnisse dieser mit über 10 000 Ärzten und mehreren 100 000 Patienten weltweit größten Untersuchung der Wirksamkeit der chinesischen Heilmethode ausgewertet. Danach brachte die Akupunktur nur bei chronischen Schmerzen in Knie und Rücken bessere Therapieerfolge als die Standardtherapie, sagte der Vorsitzende des Bundesausschusses, Rainer Hess. Sie traten sogar dann ein, wenn bewusst die nach der chinesischen Akupunkturlehre falschen Stellen des Körpers mit den Akupunkturnadeln stimuliert wurden. Nach Ansicht des Bundesausschusses, der für den Leistungskatalog der Kassen zuständig ist, gebe es damit zwar keinen eindeutigen Nachweis der Überlegenheit der „echten Akupunktur“. Trotzdem habe man sich entschlossen, sie für Knie- und Rückenleiden nun dauerhaft zuzulassen.

Allerdings müssen die Akupunkteure nun deutlich höhere Qualitätsstandards erfüllen. Hess geht davon aus, dass nur 1 400 der an den Modellversuchen beteiligten Ärzte auf Krankenschein Nadeln setzen dürfen. Entsprechend würden die Ausgaben der Kassen für Akupunktur von rund 300 Mill. Euro im Jahr auf 100 Mill. Euro sinken, schätzen die Innungskrankenkassen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%