Kritik an Elite-Institut
Hochschulen wollen Lehre standardisieren

Die deutschen Hochschulen wollen künftig stärker als bisher Standards für Forschung und Lehre entwickeln. Das kündigte die neue Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Margret Wintermantel, nach ihrer Wahl an.

BERLIN. Ziel sei die Sicherung der Qualität, wenn sich im Zuge der Föderalismusreform „die Zuständigkeit für die Hochschulen zunehmend auf die einzelnen Bundesländer verteilt“, sagte Wintermantel. „Es muss wieder zur Marke werden, in Deutschland studiert zu haben.“

Zugleich stellte sich Wintermantel hinter den verschärften Wettbewerb der Hochschulen. Es müsse jedoch ein Wettbewerb der Universitäten selbst sein, und nicht einer der Länder, sagte sie mit Blick auf deren unterschiedliche Finanzausstattung. Dafür müsse die Autonomie der Hochschulen gestärkt werden.

Wintermantel übernimmt die HRK in schweren Zeiten. Nach der Föderalismusreform soll der Bund nur noch Zugang und Abschlüsse der Hochschulen zentral regeln. Auch davon sollen die Länder jedoch abweichen dürfen. Daneben müssen sich die Hochschulen in den nächsten Jahren auf deutlich mehr Studenten einstellen, weshalb sie mehr Geld fordern. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat den Ländern daher einen Hochschulpakt angeboten. Im Haushalt sind dafür ab 2007 jährlich 200 bis 400 Mill. Euro eingeplant. Da der Bund aber künftig die Lehre nicht mehr unterstützen darf, soll das Geld in die Forschung fließen. Wie, ist noch völlig unklar.

Mit der Wahl Wintermantels wollen die Rektoren zugleich die Krise beenden, in die die Organisation Ende 2005 geraten war. Der damalige Präsident Peter Gaehtgens, der die Interessen der Hochschulen sehr vehement vertreten hatte, war überraschend zurückgetreten. Grund war die interne Kritik an seiner beruflichen und privaten Beziehung zur HRK-Generalsekretärin Christiane Ebel-Gabriel. Gemeinsam hätten die beiden allzu selbstherrlich agiert, hieß es. In den Folgemonaten wollte zunächst keiner der Stellvertreter als Nachfolger kandidieren, um nicht als „Königsmörder“ zu gelten. Nach einer Schamfrist gelang es jedoch, Wintermantel dazu zu bewegen. Sie wird auch weiterhin mit der Generalsekretärin arbeiten.

Sehr kritisch äußerten sich die Hochschulrektoren zu dem von der EU geplanten „European Institut of Technology“ (EIT). Das konkrete Konzept des EIT – ein Lieblingsprojekt von EU-Kommissionschef José Manuel Barroso – ist auch Thema des EU-Gipfels Ende dieser Woche. Die deutschen Rektoren wenden sich gegen eine eigenständige Organisation des EIT, ähnliche Bedenken hat die Bundesregierung. Brüssel hingegen schwebt ein Elite-Institut nach dem Vorbild des US-amerikanischen „Massachusetts Institute of Technology“ (MIT) vor. Dafür sollen in den ersten fünf Jahren zwei Mrd. Euro bereitgestellt werden. Die HRK hingegen will maximal eine stärkere Vernetzung existierender Spitzeninstitute. Der „eigentliche Mehrwert“ liege in der beabsichtigten engeren Zusammenarbeit von Hochschulforschung und Wirtschaft. Zumindest zu Beginn dürfe das EIT auch keinesfalls Wissenschaftler ausbilden.

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