Kritik an Gas-Fracking-Gesetz : „Altmaier und Rösler spielen russisches Roulette“

Kritik an Gas-Fracking-Gesetz
„Altmaier und Rösler spielen russisches Roulette“

Umweltminister Peter Altmaier verteidigt die Beschlüsse zum umstrittenen Gas-Fracking: „Alles zum Schutz der Umwelt!“ Für die Opposition ist dagegen klar: Die Koalition will die Fördermethode in Deutschland legalisieren.
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DüsseldorfMonatelang redeten Peter Altmaier (CDU) und Philipp Rösler (FDP) mehr über als miteinander. Doch plötzlich tauchen sie auffällig häufig gemeinsam auf – und begleichen eine offene Rechnung nach der anderen. Nach der Einigung auf die Strompreisbremse wollen die beiden jetzt das umstrittene Gas-Fracking aus tiefen Gesteinsschichten bundesweit regeln.
Dabei verständigten sich die Minister auf zwei Regeln: Ein Verbot von Tiefbohrungen zur Erschließung von Erdgas-Quellen in Wasserschutzgebieten sowie eine verpflichtende Prüfung der Umweltverträglichkeit in allen anderen Fällen. Doch schon bei der Interpretation des Regierungsentwurfs entzweien sich Altmaier und Rösler wieder.

Das Gesetz sende das Signal aus, „dass wir ernst machen mit dem Schutz der Umwelt“, betont Altmaier am Dienstag. Der Umweltschutz habe Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen. „Die Botschaft ist: Wir wollen das Fracking einschränken, wir wollen es nicht ermöglichen.“

Röslers Worte zielen in eine andere Richtung: „Fracking bietet erhebliche Chancen, wir müssen aber immer mögliche Auswirkungen auf die Umwelt im Auge haben. Das setzen wir jetzt um“, sagte Rösler. „Die Industrie hat angekündigt, umweltfreundliche Methoden zu entwickeln.“ Das biete eine gute Zukunftsperspektive.

Für die Opposition ist der Minister-Vorstoß ein Schritt, um Fracking in Deutschland durch die Hintertür zu legalisieren.

„Wenn wir beschließen, dass in Trinkwasserschutzgebieten nicht gebohrt werden darf, dann heißt das im Umkehrschluss, dass es in allen anderen Gebieten zunächst einmal erlaubt ist“, sagt Oliver Krischer, Sprecher für Energiewirtschaft der grünen Bundestagsfraktion, im Gespräch mit Handelsblatt Online. Nur etwa 14 Prozent der Landfläche in Deutschland seien Trinkwasserschutzgebiete.

„Der Entwurf schränkt Fracking also nicht ein, sondern legalisiert die Methode,“ sagt Krischer.Trinkwasserschutzgebiete wären für die Unternehmen sowieso nicht interessant, da dort schon verschärfte Auflagen gelten. „Dort jetzt das Fracking zu untersagen ist wie das Skifahren in der Sahara zu verbieten“, formuliert der Grüne.

Die Grünen lehnen die Fracking-Technologie ab. „Anhand der Gutachten, die es dazu gibt, sind die Risiken für die Umwelt noch nicht abzusehen.“ Zudem stellen sie den Nutzen infrage. „Die Gasvorkommen sind bei uns anders als beispielsweise in der USA vergleichsweise gering“, sagt Krischer. „Jedenfalls so gering, dass das Risiko nicht gerechtfertigt ist.“

„Unverantwortlich“ nennt es auch Ulrich Kelber, stellvertretende Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, den „Einsatz von wasser- und umweltgefährdenden Chemikalien beim Fracking“ zu erlauben. „Angesichts des Überangebots von Erdgas auf dem europäischen Markt ist es völlig überflüssig, da damit auch keine Preissenkung erreicht wird.“ CDU und FDP hätten vor der Niedersachsenwahl den Eindruck erweckt, dass sie den Einsatz von Chemikalien ablehnen. „Das jetzt anders zu machen, ist nichts anderes als Wahlbetrug.“

Beim Fracking werden Wasser, Chemikalien und Sand unter hohem Druck in Schiefergestein gepresst, um dieses aufzubrechen (fracken) und so Gasreserven zu erschließen. Dank moderner Bohrtechniken, bei denen erst bis zu 5000 Meter in die Tiefe gebohrt wird und dann im Untergrund Querbohrungen stattfinden, lohnt sich dieses aufwendige Verfahren.

In den USA wird dies bereits in großem Stil getan, was zu einem Verfall der Gaspreise und in der Folge auch der Stromtarife geführt hat. Auch Ölquellen sprudeln dank der Technik wieder verstärkt. Allerdings gelten die Umweltauswirkungen als noch wenig erforscht. So befürchten Umweltschützer eine Verunreinigung des Trinkwassers. Das Umweltbundesamt (UBA) sieht darüber hinaus Unsicherheiten durch den Chemikalieneinsatz – zum Beispiel bei der Entsorgung des anfallenden Abwassers.

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ExxonMobil baggert in Deutschland

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  • @Vicario

    zu (1) In Berlin wird unter dem Grunewald ein Aquiferspeicher als Gasspeicher genutzt, in über 1000 m Tiefe. Man hat also in einen wasserführenden Sandstein Gas eingepreßt. Das ist keine "Gasblase" - wie sollte die denn das darüber liegende Gestein tragen können!? Das Gas sitzt in diesem Gasspeicher wie in jeder natürlichen, konventionellen Gaslagerstätte in dn Poren zwischen den Sandkörnern.

    (2) Zumindest ExxonMobil - das ist ja ein amerikanischer Konzern - hat die Zusammensetzung der in Deutschland in den letzten Jahren eingesetzten Frackflüsigkeiten im Internet veröffentlicht; siehe unter http://www.erdgassuche-in-deutschland.de/technik/hydraulic_fracturing/fracmassnahmen.html

  • @Gast

    Dihydrogenmonoxid (Abkürzung DHMO), aufgrund seiner amphoteren Eigenschaften (als Brønsted-Base bzw. -Säure) auch Hydrogenhydroxid oder Hydroxylsäure, ist ein chemisch korrekter, aber irreführender Name für Wasser (H2O). Es handelt sich bei diesem Wort um einen wissenschaftlichen Witz.- siehe Wikipedia!

    Sie wollen hier nur Leute hinters Licht führen, die von Chemie keinerlei Ahnung haben - mehr als unseriös!

  • Die größte Gefahr ist die Nutzung von Dihydrogen-Monoxid beim Fracking.

    Als sogenannte ‚Hydroxylsäure‘ ist es ein Hauptbestandteil von saurem Regen.
    Es trägt zur Bodenerosion bei.
    Es trägt zum Treibhauseffekt bei.
    Es beschleunigt Korrosion und den Ausfall elektrischer Einrichtungen.
    Übermäßige Einnahme kann zu verschiedenen unschönen Auswirkungen führen.
    Längerer Kontakt mit DHMO in festem Zustand bewirkt schwere Gewebeschäden.
    Einatmen, schon in kleinen Mengen, kann zum Tode führen.
    Sein gasförmiger Zustand kann schwere Verbrennungen hervorrufen.
    Es wurde in den Tumoren von Krebspatienten im Endstadium entdeckt.
    Bei Süchtigen führt ein Entzug innerhalb von 168 Stunden zum sicheren Tod.

    Ungeachtet dieser schwerwiegenden Gefahren halten Regierung und Konzerne dennoch an dem verbreiteten Einsatz fest.“

    Es wird in Nuklearanlagen als effektives Kühlmittel eingesetzt.

    DHMO ist farblos, geruchlos, geschmacklos und tötet Tausende von Menschen jedes Jahr

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