Kritik an Kultusministern
Streit um Rechtschreibung hält an

Die Forschungsgruppe Deutsche Sprache fordert, dass der jüngste Beschluss der Länder-Kultusminister zur Rechtschreibreform zurückgenommen wird.

HB MÜNCHEN. „Die reformierte Rechtschreibung kann und darf nicht vom 1. August 2005 an für die Schulen verbindlich werden“, hieß es in einer am Sonntag in München veröffentlichten Erklärung der Forschungsgruppe, der namhafte Schriftsteller und Reformkritiker angehören. Der nordrhein- westfälische CDU-Chef Jürgen Rüttgers kritisierte die Beschlüsse der Kultusministerkonferenz (KMK) zur Rechtschreibreform als „nicht ausgereift“.

Die Kultusminister hatten am Donnerstag einstimmig beschlossen, dass die unstrittigen Teile der Rechtschreibreform wie geplant zum 1. August für Schulen und Behörden verbindlich werden. In Streitfällen hingegen, wo in nächster Zeit Änderungsvorschläge des Rates für deutsche Rechtschreibung zu erwarten sind, soll von den Lehrern in den Schulen weiterhin „Toleranz geübt“ und kein Fehler angestrichen werden, heißt es in dem KMK-Beschluss. „Es gibt keine unstrittigen Teile der Reform, die - wie von den Kultusministern beabsichtigt - vom kommenden Schuljahr an notenrelevant werden können“, betonte dagegen die Forschungsgruppe.

„Ich frage mich, warum die Kultusministerkonferenz wichtige Entscheidungen um ein Jahr vertagt hat“, meinte dagegen Rüttgers. „Jetzt soll der Rat für Rechtschreibung erneut Vorschläge machen, um die verkorkste Reform zu reparieren.“ Lehrer und Studenten bräuchten aber endlich Klarheit über die Rechtschreibung, sagte der CDU- Politiker der „Welt am Sonntag“.

Die Forschungsgruppe Deutsche Sprache ist ein Zusammenschluss der bekanntesten Kritiker der Rechtschreibreform. Zu ihren Mitgliedern und Beiräten gehören der Schulbuch-Verleger Michael Klett, die Schriftsteller Reiner Kunze, Adolf Muschg, Sten Nadolny, Walter Kempowski und Herbert Rosendorfer sowie der Sprachwissenschaftler Theodor Ickler. Die Reformkritiker betonten in ihrer Münchner Erklärung weiter, dass ohnehin kein Schulbuch und kein Wörterbuch den gegenwärtigen Stand der Reform und ihrer Revisionen zuverlässig darstellten. Der Rat für deutsche Rechtschreibung müsse seine Überprüfung der Reform deshalb ohne Zeitdruck fortsetzten können.

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