Kritik an mangelnder Integration der Juniorprofessuren in bestehendes Hochschulsystem
Hochschulrektoren beklagen Bildungspolitik

Die Hochschulrektoren sehen den Bildungsstandort Deutschland gefährdet. In der Wissenschaftspolitik müsse umgesteuert werden, um die Zukunftsfähigkeit Deutschlands zu sichern.

HB BERLIN. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Hochschulen ist gefährdet, wenn in der Bildungspolitik nicht umgesteuert wird. Das sagte der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Peter Gaehtgens in Berlin. Die Zukunftsfähigkeit des Landes werde wesentlich davon abhängen, dass mehr junge Menschen als heute eine Hochschulausbildung absolvierten.

Im internationalen Vergleich rangiere Deutschland aber «unter dem Durchschnitt, was die Finanzierung des öffentlichen Bildungswesens angeht», beklagte Gaehtgens. Ausdrücklich unterstützte Gaehtgens in diesem Zusammenhang die seit Wochen andauernden Proteste von Studierenden gegen die Kürzungen an den Hochschulen.

Kritisch äußerte sich der HRK-Präsident zu der Juniorprofessur-Initiative der Bundesregierung. Bislang gebe es «erst ein paar hundert» solcher Stellen für Nachwuchswissenschaftler. Gaehtgens sagte, zwar sei es für eine endgültige Bewertung noch zu früh. Aus dem Kreis der Juniorprofessoren selbst sei aber sehr viel Zurückhaltung zu hören. Das Grundproblem sei, dass die Juniorprofessur «nur hineingesteckt worden ist in ein ansonsten traditionelles Laufbahnverfahren». Was nach sechs Jahren aus einem Juniorprofessor werde, sei ungewiss. Daran müsse sich etwas ändern.

Deutschland müsse sich zudem wesentlich stärker um ausländische Studierende und Wissenschaftler bemühen. Wesentlich sei, dass junge Ausländer nach Abschluss ihres Studiums in Deutschland eine Aufenthaltsgenehmigung und damit eine berufliche Perspektive erhielten.

Es sei zudem eine Aufgabe des Beschäftigungssystems insgesamt, aber auch der Innenminister, darauf hinzuwirken, dass im öffentlichen Dienst verstärkt Absolventen mit den international anerkannten Abschlüssen Bachelor und Master eingestellt würden. Bislang nutzen nur rund vier Prozent der Studierenden Bachelor- und Masterstudiengänge.

Bundesbildungsminister Edelgard Bulmahn (SPD) wies die HRK-Kritik zurück: In den vergangenen Jahren sei sehr viel bewegt worden, sagte die Politikerin in Berlin und verwies auf die Juniorprofessuren, mit der ausländische Wissenschaftler ins Land gekommen seien. Rund 15 Prozent aller Juniorprofessoren stamme aus dem Ausland. Erfreulich sei auch, dass die Joniorprofessoren im Schnitt erst 34 Jahre alt seien.

Bulmahn kritisierte hingegen die Klage der unionsgeführten Länder gegen die Juniorprofessur, die bis 2010 die bisher übliche Habilitation als Nachweis der Lehrbefähigung an Hochschulen vollständig ablösen soll.

Die Klage habe Nachwuchswissenschaftler in ihrer Zukunftsplanung verunsichert. Die Mehrzahl der Länder werde ohnehin bis 2005 die Juniorprofessur in Landesrecht umgesetzt haben.

Bis 2010 werden auch die Abschlüsse Bachelor und Master flächendeckend in Deutschland eingeführt sein. Die bisherigen Hochschulabschlüsse sollen durch die neuen Titel ersetzt werden. Ziel sei es, die Studiengänge klar zu strukturieren und Studieninhalte zu entschlacken, sagte Bulmahn weiter.

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