Kritik an PR-Arbeit
Agentur nimmt Glos in Schutz

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sieht sich weiterhin dem Vorwurf ausgesetzt, sein Ministerium habe positive Berichte über die eigene Arbeit „kaufen“ wollen. Schützenhilfe bekommt der Politiker jedoch vom Chef seiner PR-Agentur. Dieser nimmt sämtliche Schuld auf sich.

HB HAMBURG. In der Debatte um eine Anzeigenkampagne des Wirtschaftsministeriums hat die Bundestags-Vizepräsidentin Petra Pau (Die Linke) Minister Michael Glos (CSU) angegriffen. „Das ist der Versuch des Wirtschaftsministeriums, sich Berichterstattung zu kaufen. Damit würde Deutschland zu einer Bananenrepublik“, sagte die Politikerin der „Financial Times Deutschland“.

Glos hatte am Sonntag angekündigt, Vorwürfen gegen die PR-Agentur seines Hauses nachzugehen. Die Agentur soll dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ zufolge Zeitungen das Schalten von Anzeigen als „Gegenfinanzierung“ für die Mitwirkung an öffentlichen politischen Veranstaltungen und sowie Redaktionsbesuche angeboten haben. Glos hatte sich davon distanziert.

Die FDP-Haushaltsexpertin Ulrike Flach unterstellte dem Glos-Ressort Absicht: „Mir kann keiner sagen, dass im Ministerium niemand etwas davon gewusst hat“, sagte Flach der „Financial Times Deutschland“.

Die Vorwürfe werden dem Bericht zufolge auch das Parlament beschäftigen: Nach dem SPD-Wirtschaftsexperten Rainer Wend kündigte die Grünen-Politikerin Kerstin Andreae eine Überprüfung der Kampagne im Wirtschaftsausschuss des Bundestages an. „Wir wollen wissen, wie oft so etwas geschehen ist und ob das Ganze System hat“, sagte Andreae derselben Zeitung. „Wenn das Ministerium versucht habe, sich Berichterstattung mit Steuergeldern zu kaufen, sei das ein Skandal.

Die Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Journalisten Union (DJU), Ulrike Maerks-Franzen, sprach von einem unverfrorenem und plumpen Versuch der Einflussnahme. Dass die Agentur versuche, die Verantwortung zu übernehmen, sei ehrenwert. Sie gehe aber davon aus, dass das Ministerium Bescheid wusste: „Das ist geplant und für eine Bundesbehörde nicht zulässig“, sagte sie.

Ein Mitinhaber der PR-Agentur, Jan Flaskamp, erklärte, das Ministerium treffe keine Schuld: „Eine Koppelung von redaktioneller Berichterstattung und Anzeigen ist nicht beabsichtigt. Sie war auch nie gewünscht. Das war ein Fehler unserer Agentur und mit dem Wirtschaftsministerium nicht abgestimmt“, sagte Flaskamp dem „Kölner Stadtanzeiger“: „Das Wirtschaftsministerium hat davon nichts gewusst. Ich kann nur um Verzeihung bitten.“

Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet hatte, soll es sich bei der „Gegenfinanzierung“ per Anzeigen um Summen von 30 000 bis 40 000 Euro handeln. Bislang seien nach Angaben des Ministeriums bereits 140 000 Euro in die Werbekampagne geflossen. Die Berliner Agentur Flaskamp ist nach eigenen Angaben seit Oktober 2006 für das Bundeswirtschaftsministerium tätig.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%