Kritik an Schröder
FDP hält Elterngeld-Stopp für verfrüht

Dass Schröder-Ministerium versteht die Aufregung um das Elterngeld nicht. Dass Väter und Mütter vorerst nicht auf weitere Angebote hoffen können, stehe lange schon fest, sagt ihr Sprecher. Die FDP sieht das etwas anders.
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Düsseldorf

Die Pläne von Bundfamilienministerin Kristina Schröder (CDU), die Ausweitung des Elterngeldes aus finanziellen Gründen auf Eis zu legen, stoßen auf Widerstand beim liberalen Koalitionspartner. Die Vize-Vorsitzende der FDP-Fraktion im Bundestag, Miriam Gruß, kritisierte den Elterngeld als vorschnell. Das Ministerium müsse vielmehr die Evaluierung der familienpolitischen Leistungen jetzt endlich vorantreiben. "Wir brauchen eine solide Datenbasis, um solche Entscheidungen wie zum Elterngeld sinnvoll treffen zu können", sagte Gruß Handelsblatt Online. "Ich setze mich weiterhin dafür ein, dass sich Männer verstärkt um die Kindererziehung kümmern können." Dafür müssten Möglichkeiten geschaffen werden.

Von einem Stopp des Elterngelds will die Bundesregierung jedoch nicht sprechen. Im Gegenteil: An der Weiter-Entwicklung der Leistung werde festgehalten, jedoch unter Finanzierungs-Vorbehalt, erklärte das Familienministerium in Berlin.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte zuvor vom Ende des Elterngelds berichtet. Bisher können Eltern nach der Geburt eines Kindes maximal 14 Monate lang Elterngeld bekommen. Dabei kann ein Elternteil bis zu zwölf Monate in Anspruch nehmen. Die beiden weiteren Monate finanziert der Staat nur, wenn der andere Partner während dieser Zeit zu Hause bleibt. Unions-Abgeordnete hatten dafür plädiert, diese so genannten Vätermonate auf vier zu verdoppeln.

Harsche Kritik an Schröder kam von den Grünen. "Die Beerdigung der Pläne (?) ist ein großer Rückschritt in der Familienpolitik", sagte Katja Dörner, Sprecherin für Kinder- und Familienpolitik. "Es ist scheinheilig, wenn die Ministerin Sonntags in der Zeitung die Notwendigkeit beschwört, Politik für Väter zu machen, und montags die Erweiterung der Partnermonate einkassiert." Die Ministerin sei in der Pflicht, Vorschläge zu unterbreiten, wie auch ohne eine Verlängerung des Gesamtbezugszeitraumes beim Elterngeld, die Beteiligung der Väter verbessert werden könne.

Die Wirtschaftsjunioren Deutschland begrüßten den vorläufigen Verzicht auf die Ausweitung der Leistung für Eltern. "Als Vertreter der jungen Generation sind wir große Anhänger des Elterngeldes", erklärte der Vorsitzende Tobias Schuhmacher. Es dürfe "aber kein verlängerter Familienurlaub mit Vollpension werden". Im Vordergrund müsse immer das Ziel stehen, Anreize für eine Berufstätigkeit zu setzen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Das sei bei einer weiteren Ausweitung des Elterngelds nicht mehr gegeben.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

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  • Frau Kristina Schröder, Bundesfamilienministerin scheint mit ihrer Aufgabe gravierend überfordert zu sein.
    Eine Erkenntnis, die leider immer wieder auf Politiker zutrifft, die einfach in ein Amt gedrängt werden, wie in diesem Fall. Frau Schröder ist ein Nobody unter dominanten CDU und CSU-Größen. So sieht leider auch Ihre Politik aus. Ihrer Vorgängerin kann sie nicht das Wasser reichen, geschweige denn einen roten Faden in ihrer politischen Karriere nachweisen.
    Wo bitte steht denn im Koalitionsvertrag, was heute von Frau Schröder gekippt wird? Familienpolitik sieht anders aus. Eine weitere Posse dieser Regierung, die je nachdem woher sie Stimmen fischen kann auf Beutezug geht.
    Nur gut, dass dies niemand vegessen wird, ebenso wie die volle Steuerprogression der Einkommen junger Familien, die kräftig vom Staat geschröpft werden. So bekommt man keine Stimmen mehr. Wielange dauert es noch, bis die CDU auf unter 30% in Umfragen fällt?

  • Wer partizipiert denn wirklich vom Elterngeld?
    Die Frau Staatsanwältin, Frau Richterin, die Frau Oberärztin usw.
    Die kleine Verkäuferin, von der die Politiker immer so gerne sprechen, hat nichts weiter als schäbige 300 € und wenn sie keinen Kita-Platz kriegt, also ihr Kind gleich nach der Geburt in Staatserziehung gibt, kann sie Hartz IV einreichen.
    Das Elterngeld war von Anfang für die obere Klientel.
    Und wer macht denn Vätermonate? Der Sozialpädagoge, Sozialarbeiter, Lehrer und Beamte. Also die Klientel der Grünen
    Wohl kaum wird ein Arzt, Anwalt, seine Praxis/Kanzlei zusperren um dem Baby den Hintern zu putzen. Denn wenn er zurück kommt, hat er keine Pat./Mandanten mehr.
    Mir aber ist ein Mann lieber, der das Einkommen sichert, während ich mich die ersten Jahre um das Kind kümmere
    Und ein Dipl-Ing. oder Architekt z. B. die gerade an einem wichtigen Projekt arbeiten oder es gar leiten, gehen wohl auch nicht. Denn wenn sie zurück kommen, macht ein anderer ihre Arbeit
    Und glauben die Emanzen wirklich, derjenige der seinem Baby 2 Monate den Hintern geputzt hat, ist der bessere Vater?
    So ein absoluter Blödsinn. Der Papa kann das am Wochenende und wenn er dann später mit dem dreijährigen Fußball spielt im Garten, hat das Kind wohl mehr davon.
    Wann begreifen das eigentlich unsere Emanzen-Schreierinnen?

  • Da kommt mir gerade der Gedanke, dass der gute Herr Schröder beim Thema Elternzeit wahrscheinlich dankend abgelehnt hat.
    Damit ist das Thema für Frau Schröder jetzt nicht mehr wichtig.

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