Kritik von NRW-Landeschef Schartau
Attacke auf die Unternehmerverbände

Der SPD-Landesvorsitzende in Nordrhein-Westfalen, Harald Schartau, hat die Unternehmensverbände scharf attackiert. Bundeschef Franz Müntefering forderte die Unternehmen auf, in diesem Jahr eine halbe Million neue Jobs zu schaffen. FDP-Chef Guido Westerwelle nennt die Gewerkschaftsfunktionäre die "eigentliche Heuschreckenplage". Und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking zeigte Verständnis für Münteferings Kritik an kapitalistischen Auswüchsen.

HB DÜSSELDORF/BERLIN. SPD-Landeschef Schartau sagte dem Handelsblatt, die Unternehmerverbände "profilieren sich gegenüber ihren Mitgliedern, indem sie sagen, das reicht alles nicht." Dabei seien sie selbst "in keiner Weise in der Lage, sich an die eigenen Reihen zu wenden und zu sagen: Freunde, wir müssen jetzt auch zeigen, was wir tun können."

Schartau riet aber dringend von schnellen gesetzlichen Konsequenzen aus der Kapitalismuskritik Münteferings ab. Derartige grundsätzliche Fragen ließen sich nicht schnell und mit einem einzigen Gesetz beantworten.

SPD-Chef Müntefering ging unterdessen mit einer Forderung an die Wirtschaft in die Offensive. "Ich würde mich freuen, wenn sich die deutsche Unternehmerschaft mal selbst ans Portepee packen und sagen würde: Wir schaffen in diesem Jahr 500 000 neue Arbeitsplätze in Deutschland", sagte Müntefering der Wochenzeitung „Die Zeit“. Der Parteivorsitzende verwies auf positive Erfahrungen auf dem Ausbildungsmarkt: Es seien von der Wirtschaft 30 000 Stellen versprochen worden, entstanden seien schließlich 53 000 Ausbildungsverhältnisse.

Gleichzeitig forderte Müntefering, dass sich die Einstellung der Deutschen zu einfachen Arbeiten ändern müsse: "Wir müssen ein unbefangeneres Verhältnis zur einfachen Arbeit finden.“ Das Land könne es sich nicht leisten, "Spargelstecher und andere Arbeitnehmer aus der halben Welt zu holen, damit die Arbeit hier getan wird".

FDP-Chef Guido Westerwelle griff die harschen Angriffe Müntefering an Teile der Wirtschaft ("Heuschreckenkapitalismus") in einem Handelsblatt-Interview auf. Westerwelle sagte, das Problem in Deutschland seien vor allem die Gewerkschaftsfunktionäre. Der FDP-Vorsitzende griff zum wiederholten Male die DGB-Vizechefin an: "Frau Engelen-Kefer hat mehr Arbeitsplätze auf dem Gewissen als Herr Ackermann“. Die Gewerkschaftsfunktionäre seien die "eigentliche Heuschreckenplage unseres Landes" und müssten entmachtet werden.

Der für eigenwillige Ansichten bekannte Vorstandschef des Autoherstellers Porsche, Wendelin Wiedeking, zeigte indes Verständnis für Münteferings Kritik an kapitalistischen Auswüchsen. Wenn der Papst dies kritisiere, "bekommen alle glänzende Augen und jubeln ihm zu", sagte der Konzernchef. Deshalb müsse auch dem SPD-Vorsitzenden so etwas erlaubt sein. Nach Ansicht des Auto-Managers lassen viele Firmenchefs den notwendigen Ausgleich zwischen Kapital und Arbeit vermissen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%