Kritik zurückgewiesen
Familienbetriebe wehren sich gegen Kanzleramt

Kanzleramtschef Thomas de Maizière stößt mit seiner Kritik an den Verbänden der deutschen Wirtschaft bei den Betroffenen auf Unverständnis. Verbandspräsident Patrick Adenauer verteidigt die als unbeständig Gescholtenen und geht sogar noch weiter.

BERLIN. Der Verband der Familienunternehmer wehrt sich gegen die Kritik von Kanzleramtschef Thomas de Maizière gegen die Wirtschaftsverbände (Handelsblatt vom 14.12.2007). In einem dreiseitigen Brief, der dem Handelsblatt vorliegt, stellt Verbandpräsident Patrick Adenauer klar, dass er konsequent gegen Mindestlöhne und für das erbschaftsteuerlichen Abschmelzmodell war und sein Position bei diesen Themen nicht verändert habe. Kanzleramtschef de Maizière hatte sich zuvor über die ständig wechselnden Auffassungen der Wirtschaftsverbände zu ein und demselben Thema beschwert.

Nach BDI-Präsident Jürgen Thumann sieht auch Familienunternehmer Adenauer die Zusammenarbeit zwischen der Regierung und der Wirtschaft gestört. „Das Verhältnis zwischen Unternehmern und Politik scheint sich derzeit sogar zu verschlechtern“, heißt es in dem Schreiben an den Kanzleramtschef. Was die Politik derzeit mache, schade der Akzeptanz der Sozialen Marktwirtschaft, schreibt Adenauer weiter. Konkret nennt der Verbandspräsident die „populistischen Motive“ in der Debatte um Managergehälter. „Die zu Recht geäußerte Kritik an einigen, unglaublichen Fällen von Maßlosigkeit sorgt in ihrer pauschalen, undifferenzierten Form dafür, dass nicht nur angestellte Manager, sondern auch alle haftenden Familien- und Eigentümerunternehmer in ein schlechtes Licht geraten“, heißt es.

Kritik übt Familienunternehmer Adenauer vor allem an den Beschlüssen der Großen Koalition zum Mindestlohn, die schlechter seien als ein niedriger allgemeiner Mindestlohn. „Aus ordnungspolitischer Sicht wäre es richtig gewesen, sich auf das Thema Mindestlöhne überhaupt nicht einzulassen“, schreibt Adenauer. Die unionsgeführte Regierung dürfe sich jetzt nicht wundern, dass man das von ihr produzierte Ergebnis analysiert und kritisiert.

Änderungen fordert der Verband der Familienunternehmer vor allem an den Eckpunkten zur Erbschaftsteuerreform, die „gravierende Schwachstellen“ aufweisen. Der Entwurf müsse substantiell nachgebessert werden, schreibt Adenauer.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
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