Kubicki schwänzt Vorstandssitzung
„Er schläft nicht seinen Rausch aus, er liegt im Koma“

Gestern war er der strahlende Sieger, heute glänzte Wolfgang Kubicki durch Abwesenheit. Während FDP-Chef Philipp Rösler in Berlin das Kieler Wahlergebnis feierte, blieb der Querkopf aus dem Norden im Bett.
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BerlinVersprochen ist versprochen: „Wenn wir vor den Piraten liegen (...), trinken wir, bis der Arzt kommt“, hatte Schleswig-Holsteins FDP-Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki vor der Verkündung der Wahlergebnisse am Sonntagabend gesagt. Und da die Liberalen ganze 162 Stimmen mehr als die Freibeuter holten, setzte der Querkopf aus dem Norden sein Ankündigung offenbar in die Tat um.

Nach einer rauschenden Wahlnacht in Kiel schlief der FDP-Held am nächsten Morgen aus. Er schwänzte einfach die Vorstandssitzung in Berlin. Seinen Blumenstrauß für die 8,2 Prozent könne man ihm zuschicken. „Er schläft nicht seinen Rausch aus, er liegt im Koma“, berichtete Kubickis Vertreter, Landeschef Heiner Garg, den Parteigrößen in der Hauptstadt.

Kubicki, von Freund und Feind für seine Gemeinheiten bewundert und gefürchtet, wusste natürlich, dass sein Fernbleiben als Affront gegenüber dem Parteichef gewertet werden kann. So stand Philipp Rösler am Montag ohne den Wahlsieger von der Förde auf der kleinen Bühne im Berliner Dehler-Haus. Wird es schon einsam um den Vorsitzenden?

Rösler selbst sieht sich durch den überraschenden Erfolg stabilisiert: „Das auf jeden Fall.“ Die Putschgerüchte seien substanzlos. Auch die versammelte FDP-Prominenz gab ihr Bestes, um die Spekulationen zu entkräften. In der Politik, insbesondere in der liberalen Familie, werden aber gerne die Dolche gezückt, wenn der Frontmann noch glaubt, alle stünden zu ihm.

So leistete sich Birgit Homburger, von Rösler im Vorjahr als Fraktionschefin abgesägt, einen hübschen Freudschen Versprecher. „Wir haben gemeinsam an einem Strick gezogen“, meinte sie mit Blick auf Kiel.

Rösler dürfte die Schlinge um den Hals tatsächlich schon spüren. Die Power-Performance von Kubicki und Christian Lindner in Nordrhein-Westfalen zeigt, dass die FDP mit charismatischen Köpfen und neuen Inhalten durchaus noch zu retten ist. Rösler selbst sprach von den „authentischen Persönlichkeiten“ Kubicki und Lindner. Gerade diese Strahlkraft besitzt der 39-Jährige in den Augen vieler Parteifreunde und Wähler eben nicht. Nur 16 Prozent der Bürger finden seine Arbeit gut.

Röslers Versuch, sich als sympathischer Anti-Politiker zu profilieren, dem Familie wichtiger ist als Partei und Ämter, dürfte gescheitert sein. Dabei war der Niedersachse vor einem Jahr extra vom Gesundheits- ins Wirtschaftsministerium gewechselt. Rösler wollte von der guten Lage der deutschen Wirtschaft und dem Arbeitsmarkt-Boom profitieren, statt den Bürgern höhere Pillenpreise und steigende Krankenkassenbeiträge zu verordnen.

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Lindner will nicht in die Röttgen-Falle tappen

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  • Rösler hat mit dem Sieg im Norden nichts zu tun. Hier haben fähige FDP-Politiker trotz Berliner Chaos tapfer und ehrlich gekämpft. Diesen Neuanfang braucht auch die Bundes-FDP. Ein Neuanfang ohne einen Rösler und bitte ohne einen Wiedereinstieg von Westerwelle! Diese beiden Personen stehen für heiße Luft in Flaschen, Geschwätz auf Stammtischniveau!

  • 6,7 % verloren und der feiert den SIEG. Mein Gott was ist das für eine kranke Partei!.

  • Das sagt die Bundesregierung:
    http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Minister/vita-philipp-roesler.html

    Und promoviert hat er im Bereich Herz-Thorax-Gefäßchirurgie:
    http://www.suite101.de/news/philipp-roesler-der-neue-fdp-chef---kurzbiografie-des-ministers-a107463

    Das er seine seine Facharztausbildung abgebrochen hat, und?
    Das er seine Ausbildung nicht zurückbezahlt hat, zu der er verpflichtet gewesen wäre, glaube ich einfach nicht. Die Journalistenhorde wäre in dem Fall wie ein Inferno über ihn hergefallen.

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