Kultusministerkonferenz
"Deutsche Schulen auf dem Weg zur Modernisierung"

Drei Jahre nach dem miserablen PISA-Abschneiden sehen die Kultusminister die deutschen Schulen auf dem Weg zu einer grundlegenden Modernisierung. Die Kultusminister-Präsidentin Doris Ahnen (SPD/Rheinland-Pfalz) sagte am Donnerstag in Berlin, zwar stünden noch große Anstrengungen bevor, doch die Weichen seien richtig gestellt.

HB BERLIN. Der deutsche PISA-Forscher Jürgen Baumert nannte die neuen bundesweiten Bildungsstandards in den Schulen „eine Meisterleistung“. Nötig sei jetzt noch eine bessere Ausbildung der Lehrer, die künftig mehr Pädagogen als reine Fachwissenschaftler sein sollten.

Auf der Tagung zogen die Kultusminister zusammen mit 250 Experten Zwischenbilanz über die unmittelbar nach dem PISA-Schock Ende 2001 eingeleiteten Reformen. Neben schwachen Leistungen war den deutschen Schulen auch mangelnde soziale Förderung bescheinigt worden. Zudem fanden sich bei über 20 Prozent der 15-Jährigen große Schwächen beim Lesen und beim Textverständnis. Im Dezember wird PISA II erwartet.

Als Kernstück der Reform gelten die neuen Bildungsstandards, die beschreiben, was ein Schüler einer bestimmten Altersstufe können muss. Wichtig seien dabei die regelmäßigen Überprüfungen. Dies gelte nicht nur für die einzelnen Schüler-Leistungen sondern auch für die Arbeit der gesamten Schule, sagte Ahnen. Die Standards sollen Zug um Zug die unterschiedlichen Lehrpläne in den Ländern ablösen.

Hessens Kultusministerin Karin Wolff (CDU) erwartet bei den Migrantenkindern durch frühe Sprachförderung schon im Kindergarten deutlich bessere Schulleistungen und weniger Abbrecher. Berlins Schulsenator Klaus Böger (SPD), sagte, frühes Lernen im Kindergarten sei heute für niemanden mehr ein Tabu. Man habe erkannt, dass die Grundlagen für Denkprozesse weit vor der Einschulung gelegt würden.

Saarlands Bildungsminister Jürgen Schreier (CDU) sagte, über den Ausbau der Ganztagsschule gebe es heute zwischen allen Ländern Konsens. „Schule nur vormittags - das war gestern“, sagte er. „Ich wünsche mir, dass die Schulen zukünftig Bildung und Betreuung auch am Nachmittag anbieten.“ Vor drei Jahren hatte Ahnen noch dafür kämpfen müssen, dass die Ganztagsschule überhaupt in den PISA-Reform-Katalog der Kultusminister aufgenommen wurde. Rheinland-Pfalz ist Spitzenreiter beim Ganztagsschul-Ausbau.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zog eine kritische PISA-Bilanz. Mehr Schulqualität sei ohne mehr Chancengleichheit nicht zu haben, sagte GEW-Vorstandsmitglied Marianne Demmer. Die Kultusminister müssten endlich die überkommene deutsche Schulstruktur mit dem frühen Sortieren der Kinder auf Haupt- , Realschule und Gymnasium auf die Tagesordnung setzen. „Das System zwingt die Lehrer, die Kinder auszulesen, statt sie zu fördern.“ Demmer forderte zugleich mehr Engagement der Länder bei der Lehrerfortbildung. Die Erfahrung zeige, dass Weiterbildung unmittelbar zur Unterrichtsverbesserung führe, während neue Bildungsstandards in der Regel erst nach Jahren wirksam würden.

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