Kundus-Bombardierung

Guttenberg vollzieht eine 180-Grad-Wende

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ändert die Bewertung des Luftangriffs auf zwei Tanklastwagen in Afghanistan vollständig. Nach Sichtung aller Dokumente sei er zu dem Entschluss gekommen, dass die Bombardierung zweier Tanklastzüge „militärisch nicht angemessen“ gewesen sei.
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HB BERLIN. So sieht eine 180-Grad-Wende aus: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat seine Bewertung des umstrittenen Luftangriffs von Kundus mit zivilen Opfern komplett korrigiert. „Obgleich Oberst Klein zweifellos nach bestem Wissen und Gewissen sowie zum Schutz seiner Soldaten gehandelt hat, war es aus heutiger objektiver Sicht im Lichte aller, auch mir damals vorenthaltener Dokumente militärisch nicht angemessen.“ Er werde Klein nicht fallenlassen, sagte der CSU-Politiker am Donnerstag in der Bundestagsdebatte über die Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes.

Der Bundestag verlängerte den Einsatz vorerst ohne eine Aufstockung der deutschen Truppen. Die Zustimmung blieb mit 445 Ja- und 105 Nein-Stimmen etwa gleich groß wie vor einem Jahr. 43 Parlamentarier enthielten sich. Über eine Erhöhung der Mandatsobergrenze von 4500 Soldaten will die Regierung erst nach der Afghanistan-Konferenz Ende Januar in London entscheiden.

Guttenberg bedauerte seine Fehleinschätzung vom 6. November, als er das Bombardement nach Lektüre des Untersuchungsberichts der Nato als militärisch angemessen bezeichnet hatte. Nun seien jedoch neue Dokumente und Bewertungen aufgetaucht. „Diese weisen im Gesamtbild gegenüber dem Com-Isaf-Bericht deutlicher auf die Erheblichkeit von Fehlern und insbesondere von Alternativen hin“, sagte er mit Verweis auf Unterlagen, die ihm beim Amtsantritt nicht vorgelegt worden waren. Sein Vorgänger Franz Josef Jung musste deshalb zurücktreten.

Guttenberg betonte, dass er volles Verständnis für Oberst Georg Klein habe. Er sei angesichts ständiger Gefechte in der Region Kundus subjektiv sicher davon ausgegangen, dass sein Vorgehen militärisch angemessen war. Daher werde er Klein auch nicht fallenlassen. „Es würde sich nicht gehören.“ Kanzlerin Angela Merkel hatte im Namen Deutschlands die Verantwortung für die zivilen Opfer des Luftangriffs auf zwei von den Taliban entführte Tanklaster übernommen. Ein Untersuchungsausschuss soll nun klären, wann die Bundesregierung über die toten Zivilisten informiert war.

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18 Kommentare zu "Kundus-Bombardierung: Guttenberg vollzieht eine 180-Grad-Wende"

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  • zu No.7 (alle Kommentare)

    Es gibt anscheinend Menschen, die nicht wissen was Frieden ist! Falls Sie es nicht wissen..in Afghanistan ist kein Frieden..und es wird dort nie Frieden sein! Und weil kein Frieden ist, ist Krieg.. und im Krieg wird geschossen!

    ich kann dieses Schöngerede nicht mehr hören und lesen.

    Noch was zu Herrn von Gutenberg und den Rest der Regierung - Hätte ich vorher gewusst was passiert hätte ich Sie nicht gewählt!

    Falls es jemanden interessiert- Mein Kommentar zu dem Missglückten bombardement wäre gewesen:

    Tja Pech gehabt - Hätten sich die Zivilisten nicht vor die Terroristen stellen sollen! Dies sollte allen anderen ein Ansporn sein, sich nicht vor die nächsten Raketen zu stellen!

    nicht mehr und nicht weniger - und kein General oder Minister hätte gehen müssen!

    Weis hier überhaupt noch einer was Rückrad ist... ich fürchte nicht!!!

  • ...kann man diesen Quatsch eigentlich noch täglich ertragen? Mir ist nicht klar, wie man überhaupt ohne nennenswerte Ergebnisse noch an dem ganzen Einsatz festhalten kann...Nach nüchterner betrachtung ist eines klar: Eine Verbesserung der Lage gibt es in Afghanistan nicht..ziehen die Truppen ab, geht es dort genauso weiter wie vorher.Egal wie man diesen Einsatz bezeichnet..Es ist ein Krieg--aus dem die westlichen Truppen aber nicht als Sieger hervorgegangen sind. Fragen: wieviele von unseren Jungs sind tot, wieviel Geld wurde ausgegeben? Antwort: zu viele Jungs und zu viel Geld.
    Stattdessem sollte man allen klarmachen: Wer den Terrorismus fördert wird unter feuer genommen-ohne wenn und aber! Will man dies nicht - sollten unsere Jungs langsam nach hause kommen, bevor man sich lächerlich macht!

    Das Ganze ist eh schon eine Lachnummer!!!! .-(((

    Es lacht nur keiner!!!

  • dichter überflug ?
    in anbetracht der tatsache, das die afganen im besitz von boden-luftraketen sind, eine sehr unüberlegte taktik ! aber selbst ein projektiel aus der ak 74 vermag einem jet zum absturz zu bringen ! abgesehen davon, das mit blick auf einen tankwagen sich warscheinlich keiner vertreiben lassen würde.

  • @ No.7

    Die guten Amerikanischen Piloten wollten nicht angreifen, ist ja ein Witz. Amerikaner haben eine Taktik Alles erst einmal bombardieren und dann sehen was überbleibt. Ein Amerikanischer Offizier
    wäre in gleicher Situation noch viel massiver vorgegangen und beide Fahrzeuge wären nicht mehr wieder zu erkennen gewesen. Ein überfliegen und
    Hu Hu Rufe, lauft weg sonst müssen wir euch angreifen, ist ja Grotesk. Die Einwohner sollten wissen, dass sie sich auf jeden Fall von Militärfahrzeugen fern halten sollten, dann kann auch nichts passieren. Es ist Krieg und der hat eigene Regeln wenn es um das überleben geht. Wer
    damit nicht fertig wird aus welchen Gründen auch immer,sollte mit mir sofort den Abzug unserer Soldaten fordern.

  • Außerdem hat Klein die Nato-Einsatzzentrale belogen, denn er erklärte wahrheitswidrig, daß Nato-truppen Feinberührung hätten. Dieser angriff war doch 100% rechtswidrig ! Es hätte unter diesen Umständen nicht bombardiert werden dürfen.

  • nein ! die us bomberpiloten wollten die leute durch dichten Überflug vertreiben. Das wurde von klein abgelehnt. Klein wollte, daß die bomben abgeworfen werden, ohne daß die Leute vorher vertrieben wurden. -So, was ist daran unlogisch ?

  • No7
    Sie argumentieren unlogisch:
    "Es waren vielmehr keine deutschen in der Nähe. es wäre ohne weiteres möglich gewesen, die Leute vorher zu vertreiben."

    Wer hätte denn die Leute vertreiben sollen, wenn keine Deutschen in der Nähe waren?
    ist das der neue Stil des Argumentierens? Soll der liebe Gott seine Engel schicken, um die Leute zu vertreiben oder Allah seinen Propheten?

  • @G8
    Wenn man das Protokoll dieses angriffs liest, sieht man, daß nicht die US-Piloten unbedingt bombardieren wollten, denn sie äußerten bedenken und schlugen vor, zunächst die Leute zu verscheuchen. Das aber wurde von klein abgelehnt. Klein wollte unbedingt die bomben abwerfen lassen, ohne rücksicht auf verluste. Das ist die genau treffende Formulierung, finde ich. Außerdem war jede Menge Zeit gewesen, von Zeitdruck kann nicht die rede sein.Guttenbergs Gerede,Klein habe in einer angeblich ungeheuer schwierigen situation gestanden, halte ich für Quatsch und ein verschleierungsmanöver. So etwas macht man nicht so einfach, denn von einer akuten Gefährdung von deutschen Soldaten konnte nicht die Rede sein. Es waren vielmehr keine deutschen in der Nähe. es wäre ohne weiteres möglich gewesen, die Leute vorher zu vertreiben. da braucht der bundeswehr-Vertreter auch nicht davon zu faseln, "im büro in deutschland sieht man das anders".-Klein hat wohl selber im gut geschützten Unterstand gesessen, er war nicht gefährdet. Es soll uns hier weisgemacht werden, daß klein seine entscheidung praktisch unter schwerer militärischer bedrängnis getroffen hat. Das stimmt nicht. Und deswegen meine ich,daß er angeklagt gehört.Er soll für das, was er angerichtet hat, bestraft werden. Da ist es nicht mit Merkels Verlautbarung abgetan, sie Übernähme die verantwortung. Es ist unangebracht, sich vor klein zu stellen, denn er hat falsch und gesetzwidrig gehandelt.

  • Es gibt doch infrarotfilme und im neuen Spiegel infrarotfotos. Die wenigen Pünktchen die man dort laufen sieht sollen über 100 Menschen sein?

    Da ist was oberfaul. Und nun will auch noch ein bremer Anwalt behaupten, daß 179 Menschen getötet worden seien von denen nur 5 Taliban gewesen seien. Sollte man nicht derartigen Anwälten die Lizenz entziehen wegen Mißachtung des Gerichtes?

  • Mein Vorschlag an Trittin und seiner Kriegspartei ein Denkmal für Afghanische Zivilisten zu errichten
    und die Täter die unsere Soldaten eingestzt haben an
    oberster Stelle zu benennen.

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