Kurt Beck und die SPD
„Junge, das ist eine große Baustelle“

Kurt Beck hat kein leichtes Amt übernommen. Der frisch gekürte SPD-Vorsitzende sieht sich einem Mitglieder- und Wählerschwund gegenüber, dessen Ursache wohl nicht zuletzt im verwässerten Profil der Sozialdemokraten liegt. Becks Rezept dagegen heißt: Zurück zu den Wurzeln.

HB BERLIN. Sichtlich gerührt nahm Becks Vorgänger Matthias Platzeck am Sonntag auf dem Sonderparteitag in Berlin Abschied vom Amt des SPD-Vorsitzenden. Sein Vermächtnis in einer kämpferischen Rede „gegen Mutlosigkeit und Verzagtheit“ an die SPD: „Wir bleiben die Partei der kleinen Leute“ – für Arbeitnehmerinteressen und soziale Gerechtigkeit. Das Amt, das er fast auf den Tag genau nach nur einem halben Jahr gesundheitlich angeschlagen aufgab, sei ihm „Herzensangelegenheit gewesen – vielleicht sogar ein Tick zu sehr“.

Sein auf dem SPD-Sonderparteitag in Berlin mit stattlichen 95,1 Prozent gewählter Nachfolger gilt Platzeck wie den anderen SPD-Genossen als Garant für „Bodennähe und Weitblick“ zugleich. Doch an Becks eher väterlichen Führungsstil wie auch an seine Art, Reden vorzutragen, werden sich viele in der SPD noch gewöhnen müssen. Zwiespältig blieben die Reaktionen auf Becks 90-Minuten-Rede am Sonntag – wie auch schon bei seiner ersten Grundsatzrede auf dem SPD-Programmforum vor fünf Wochen. „Er ist halt kein großer Redner“, räumen seine Pfälzer Parteifreunde unumwunden ein, um dann aber schnell nicht ohne Stolz hinzuzufügen: „Aber er handelt eben.“

„Es gibt viel Kritik an der Arbeit der Partei – und vieles ist gerechtfertigt“, beschrieb der 57-jährige Beck seine neue Aufgabe als siebter SPD-Chef nach dem Abgang von Willy Brandt vor 19 Jahren. Sein 84-jähriger Vater, zeitlebens ein Maurer, habe ihm mit auf den Weg gegeben: „Junge, das ist eine große Baustelle.“ Beck weiß, dass er die SPD nur dann erfolgreich in die Bundestagswahl 2009 führen kann, wenn sie mit einem klaren alternativen Profil zur Union und zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) antritt – angesichts der gemeinsamen Regierungsverantwortung in der großen Koalition derzeit kein leichtes Unterfangen.

Beck versprach Beständigkeit, will Zuversicht und Verlässlichkeit geben – auch innerhalb der Partei. Die SPD müsse sich wieder stärker auf die Wurzeln der Sozialdemokratie besinnen, rief er den rund 440 Delegierten zu. Die SPD müsse ihr „klares Profil als linke Volkspartei“ wieder erkennbarer machen. In der großen Koalition müsse die Handschrift der SPD sichtbarer werden. Das waren die Botschaften, die Beck verkündete. Und er traf damit den Nerv der Delegierten. Viele Genossen befürchten einen Identitätsverlust in dem Zweckbündnis mit der Union.

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