Kurz & knapp
Wie Sie der Rente mit 67 entgehen

Ab 2029 sollen Arbeitnehmer in Deutschland erst mit 67 Jahren in Rente gehen können, ohne dass sie Abschläge bei ihren Altersbezügen hinnehmen müssen. Doch wie in Deutschland üblich, soll es weit reichende Ausnahmen von dieser Regel geben. Die bisher bekannt gewordenen Eckpunkte der Reform in Stichworten.

Regelaltersgrenze

Von 2012 bis 2029 steigt die Regelaltersgrenze in Schritten von einem oder zwei Monaten je Geburtsjahrgang auf 67 Jahre. Arbeitnehmer, die 1964 geboren wurden, müssen als erste die vollen 67 Jahre arbeiten, um ein gesetzliches Ruhegeld ohne Abschläge zu erhalten. Grundsätzlich werden die Altersgrenzen auch in den übrigen Rentenarten gegenüber der bisherigen Regelung um zwei Jahre angehoben. Dies gilt beispielsweise für Schwerbehinderte, Bergleute und Witwen. Doch hat die Koalition eine Reihe von Ausnahmen vereinbart.

Ausnahme: 45 Jahre

Schon im Koalitionsvertrag vereinbarten Union und SPD, dass Arbeitnehmer, die mehr als 45 Beitragsjahre vorweisen können, künftig weiter ohne finanzielle Einbußen mit 65 Jahren in Rente gehen können. Weil von der Regelung sonst fast ausschließlich Männer profitieren würden, schlägt die Koalitionsarbeitsgruppe eine großzügigere Definition von „Beitragsjahren“ vor. Auch Zeiten der Pflege und der Kindererziehung sollen angerechnet werden. Maximal zehn Jahre pro Kind werden berücksichtigt. Sonderregelungen für bestimmte Berufsgruppen („Dachdecker“) wird es hingegen nicht geben.

Ausnahme: 35 Jahre

Langjährig Versicherte, die mindestens 35 Versicherungsjahre vorweisen können, dürfen derzeit mit 63 Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden. Dabei müssen sie allerdings einen lebenslangen Abschlag von 7,2 Prozent von ihren Bezügen hinnehmen. Entgegen den ursprünglichen Plänen will die Koalition die Altersgrenze für den vorzeitigen Ruhestand im Rahmen der Reform nicht anheben. Für die meisten Versicherten ist also weiter der Vorruhestand mit 63 möglich. Doch das hat seinen Preis: Die Abschläge wachsen bis 2029 stufenweise auf 14,4 Prozent.

Altersteilzeit

Wer vor 1954 geboren wurde und im Vertrauen auf die bisherigen Altersgrenzen bereits verbindlich Altersteilzeit vereinbart hat, für den soll sich nichts ändern. Grundsätzlich kann die Altersrente nach Altersteilzeit oder Arbeitslosigkeit nur noch von Arbeitnehmern in Anspruch genommen werden, die vor 1951 geboren wurden.

Erwerbsminderung

Wer auf Grund seiner vom Arzt festgestellten gesundheitlichen Leistungsfähigkeit nur weniger als drei Stunden am Tag arbeiten kann, der hat Anspruch auf eine volle Erwerbsminderungsrente. Wer drei bis sechs Stunden bewältigt, erhält die halbe Rentenzahlung. An dieser Regelung ändert sich nichts. Auch werden junge Erwerbsunfähige bei der Rentenhöhe weiter so behandelt, als hätten sie bis zum 60. Lebensjahr eingezahlt. Grundsätzlich steigt die Altersgrenze für die abschlagfreie Rente von 63 auf 65 Jahre. Bis zum Jahr 2023 können aber 63-jährige Versicherte mit 35 Beitragsjahren weiter ohne finanzielle Einbußen ausscheiden. Ab 2024 gilt dies nur noch für 63-Jährige mit 40 Beitragsjahren.

Anpassungsformel

Seit dem Jahr 2005 soll eigentlich ein neuer Nachhaltigkeitsfaktor den Anstieg der Renten bremsen. Doch faktisch ist diese Kürzung ins Leere gelaufen. Eine von der rot-grünen Vorgängerregierung eingeführte Schutzklausel verbietet nämlich, dass der Nachhaltigkeitsfaktor zu Rentenkürzungen führt. In Jahren mit einem schwachen Wirtschaftswachstum, die den Ruheständlern ohnehin eine Nullrunde bescheren, kann er daher nicht wirken.

Mittlerweile schieben die Rentenkassen dadurch eine Bugwelle von 3,6 Milliarden Euro vor sich her, ohne deren Einsparung das langfristige Ziel, den Beitrag bis zum Jahr 2020 unter der 20-Prozent- Marke zu halten, gefährdet ist. Die Dämpfungen sollen nun nachgeholt werden: Ab 2011 soll in Jahren, die eine positive Rentenanpassung ermöglichen, die ansonsten fällige Erhöhung beschnitten werden – allerdings nur jeweils zur Hälfte und nur so lange, bis das ausstehende Entlastungsvolumen erbracht ist.

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