Kurz vor Landtagswahlen
AfD streitet sich über Russlandpolitik

Streit in der AfD: Parteivize Gauland attackiert Bernd Lucke und warnt vor Parteispaltung. Der Parteichef hatte im Europaparlament für Russland-Sanktionen gestimmt – entgegen einer Entscheidung des AfD-Parteitags.
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BerlinIn der Alternative für Deutschland (AfD) ist kurz vor den Landtagswahlen in Ostdeutschland offener Streit über die Russland-Politik ausgebrochen: Parteivize Alexander Gauland, der auch Spitzenkandidat für die Wahl in Brandenburg ist, attackierte in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der Zeitung „Junge Freiheit“ Parteichef Bernd Lucke und warnte vor einer Spaltung der AfD.

Gaulands Ärger entzündete sich an der Zustimmung Luckes und weiterer Europaabgeordneter zu einer russlandkritischen Resolution des Europaparlaments. „Ich halte die Abstimmung für völlig falsch und empfinde sie als sehr unloyal gegenüber der Parteibasis“, sagte Gauland dem Blatt.

Er verwies auf den Beschluss des AfD-Parteitags in Erfurt, wonach die Partei Sanktionen gegen Russland ablehne. Er sei über das Votum im Europaparlament so verärgert, dass er kurzzeitig überlegt habe, die Spitzenkandidatur für Brandenburg niederzulegen, sagte Gauland. „Ich wollte meinen Verband dann aber nicht so wenige Wochen vor der Wahl im Stich lassen.“

Gauland warnte davor, dass es in der Zukunft zu ähnlichen Situationen kommen könnte. Sollten beispielsweise die Europa-Abgeordneten der AfD für das Freihandelsabkommen mit den USA oder den Beitritt der Türkei zur EU stimmen, hätte die Partei ein „sehr ernstes Problem“. Dann könne es zur Spaltung der AfD kommen und die könne niemand in der Partei wollen.

Bei den bevorstehenden Landtagswahlen in Ostdeutschland hat die AfD Umfragen zufolge erstmals die Chance, in deutsche Landesparlamente einzuziehen. Besonders für die Wahl in Sachsen am 31. August lassen Umfragen einen Erfolg der AfD erwarten. In Brandenburg und Thüringen wird dann am 14. September gewählt.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Herr Lucke und andere Abgeordnete verdienen in der Sache absolute Zustimmung und Unterstützung. Die Berufung auf den Beschluß des Parteitages ist spitzfindig und gegen Treu und Glauben, denn seit dem waren zu viele Dinge passiert, die diesen Beschluß ungeheuerlich erscheinen lassen - beispielsweise der Abschuß der Passagiermaschine durch russische Terroristen, Krim-Annexion und offener Einfall in den Osten der Ukraine. Wenn heutzutage das Einfallen in fremdes Land kein Grund für die Sanktionen sein soll, dann weiß ich auch nicht...

    Sehr interessant, daß der Herr Gauland partout keine Ähnlichkeit im Vorgehen des Herrn Putin mit der These "Ein Volk, ein Reich, ein Führer" eines anderen möchte-gern-volksbeglücker sehen will. Die Blindheit vom Herrn Gauland an diesem Auge macht mir Sorgen. Sein Austritt wäre kein großer Verlußt für die Partei. Er soll doch bei NPD anklopfen. Oder gleich bei Gazprom.

  • Bei nahezu jeden Thema gibt es in jeder Partei unterschiedliche Meinungen. Das kann man ja auch aktuell bei den eventuellen Waffenlieferungen an die Kurden im Nordirak sehen.

    Aber müssen denn solche Dissonanzen immer über Medien verbreitet werden? Dieser Fakt regt mich wirklich auf denn er bietet unnötig "Feuer" für den politischen Gegner!

  • Da hat Lucke einen schweren Fehler begangen. Wenn die Afd jetzt auch zum Ami-Arschkriecher und Konflikt- und (wirtschafts-)Kriegstreiber wird, ist sie bald Geschichte.

    Viel Afd-Freunde wollen eine ausgewogenen Politik, die die Verdienste der Amerikaner anerkennt aber deren aggressive (NATO-)Grenzverschiebungs- und Russlandeinkreisungspoltik für massiv überzogen und als Ursache der russischen Reaktionen sieht.

    Die wahre Bedrohung sind Barbarei und Chaos in der Welt -nicht zuletzt verursacht durch dümmlich-großspuriges Regimechanging der Amerikaner mit folgendem Machtvakuum. Hier sollten alle zivilisierten Kräfte -zu denen bei allem Entwicklungspotential Russland definitiv gehört- zusammenarbeiten und die Amis ihre Arroganz, keine Partner auf Augenhöhe zu dulden, therapieren lassen oder überwinden. In diese Richtung sollte sich auch die Afd positionieren.

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