Kurzfristige Absagen
„Beutekunst“-Tagung geplatzt

Mit Spannung wurde die Weimarer Tagung zum Thema „Beutekunst“ erwartet. Doch nun wurde die Veranstaltung überraschend abgesetzt.

HB JENA. Die Universität Jena begründete die Entscheidung am Montag mit der kurzfristigen Absage vieler Teilnehmer und Referenten deutscher staatlicher Institutionen. „Damit ist die Tagung am Freitag und Samstag sinnlos geworden“, sagte der Jenaer Juraprofessor Olaf Werner. Er sieht in einer gemeinsamen Stiftung reale Chancen, den Streit zwischen Deutschland und Russland über „Beutekunst“ im Zweiten Weltkrieg zu entschärfen. Zu der Tagung, auf der die Funktionsweise der Stiftung vorgestellt werden sollte, war auch Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) eingeladen.

Werner sagte, sämtliche Absagen seien mit kurzfristigen anderen Terminen begründet worden. Vertreter russischer Stellen wie des Kulturministeriums hätten dagegen nicht abgesagt. Werner äußerte die Vermutung, dass Einmischung und bürgerliches Engagement in diesem Fall von der Bundesregierung nicht erwünscht seien. Es sei zwar schön, wenn ein Politiker aus Russland komme und und ein zurückgegebenes „Beutekunst“-Buch hochhalte. „Wir brauchen aber eine Generallösung“, sagte der Jurist.

Auch wenn die „Beutekunst“ ein sensibles Thema sei, „die deutsche Politik muss sich dem endlich stellen und handeln“, forderte der Professor für Zivilrecht und Bürgerliches Recht. Man könne das Problem nicht der kommenden Generation überlassen. „Wenn wir noch mehr Zeit verlieren, wird es möglicherweise nicht mehr viele Bilder, Bücher oder Porzellane geben, die in ihre Heimat zurückgebracht werden können.“ Die Gefahr des Verlustes auf Grund unzulänglicher Lagerung und Sicherung fordere eine rasche Lösung. Die Kunstbewahrer beider Partner seien sich auf Kongressen unter anderem in Moskau bereits über Einzelheiten wie einen Doppelsitz der Stiftung in Weimar und St. Petersburg einig geworden.

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