Kurzrezension
Warum der Mauerfall noch nicht das DDR-Ende war

Was trieb Millionen Demonstranten an? Wann infizierten die aufmüpfigen Leipziger die zurückhaltenden Rostocker? Wo und wann drohte der friedliche Protest in Gewalt umzuschlagen? Der Jurist und emeritierte Konstanzer Althistoriker Wolfgang Schuller zeichnet nicht nur die prägenden Ereignisse der Leipziger Montagsdemonstrationen und den Mauerfall in Berlin nach.

Er spürt mit Interviews und Recherchen an vielen Schauplätzen der Republik das Gesamtpanorama der vielschichtigen Volksbewegung auf. Dafür zitiert Schuller Quellen aus der Provinz und skizziert, wie bis dato parteilose Frauen und Männer ihr Schicksal an runden Tischen in die Hand nehmen.

Zwei Stärken zeichnen das Buch aus: Sprachlich mitreißend, dennoch akribisch sauber belegt, gelingt dem herausragenden DDR-Kenner der Beweis, dass die Revolution in der Fläche entschieden wurde. Die frühesten Aktionen gab es im thüringischen Arnstadt und im sächsischen Plauen. Schuller beleuchtet exemplarisch die Aktionen im mecklenburgischen Crivitz, im thüringischen Rudolstadt und in der Großstadt Magdeburg.

Darüber hinaus waren es nicht allein die Leipziger Demonstration am 9. Oktober und der Mauerfall, die über den Sieg der Revolutionäre entschieden. Genauso wichtig waren Geduld und Ausdauer: Im Dezember und Januar 1990 gingen Woche für Woche Hunderttausende auf die Straße. Nur dies verhinderte, dass sich SED und Staatssicherheit konsolidierten. Denn das Potenzial, nach dem Mauerfall doch noch das Ruder herumzureißen, besaß die Staatsmacht durchaus noch.

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