Ländercheck des Stifterverbands
Stipendien werden nur rar verteilt

Das Deutschlandstipendium soll in der BRD eine Stipendienkultur für besonders begabte Studierende etablieren. Doch bisher hat nur jede dritte Hochschule ihr bereitgestelltes Kontingent dafür ausgeschöpft.
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BerlinDie von Bundesministerin Annette Schavan (CDU) versprochene "starke Stipendienkultur" steht noch auf schwachen Beinen: Bisher hat lediglich jede dritte Hochschule ihr Kontingent am neuen "Deutschlandstipendium" ausgeschöpft. Nur ein Bundesland - das kleine Saarland - hat alle im Startjahr 2011 vom Bund bereitgestellten Mittel zum Wohl der besten Studenten abgerufen. Das zeigt der "Ländercheck kompakt" des Stifterverbands zum Deutschlandstipendium, der dem Handelsblatt vorliegt.

Das Deutschlandstipendium soll auch in der Bundesrepublik eine Stipendienkultur für besonders begabte Studenten etablieren, wie sie etwa in den USA weit verbreitet ist. Bisher kommen nicht mal drei Prozent der Studenten in den Genuss eines Stipendiums, und auch davon finanziert der Staat etwa über die Begabtenförderwerke indirekt den Löwenanteil. Das neue Deutschlandstipendium zahlt der Bund zur Hälfte, wenn die Hochschulen private Sponsoren für die andere Hälfte finden.

Ursprünglich wollte Schavan mittelfristig 160000 Deutschlandstipendien vergeben, das wären rund acht Prozent aller Studenten. Allerdings zogen die Länder nicht mit, und die Hochschulen müssen sich vielfach erst daran gewöhnen, aktiv Sponsoren einzuwerben. Dazu kommt, dass vor allem große Unternehmen sich schwertun, Geld lockerzumachen, wenn das Stipendium weder mit ihrem Namen verbunden ist, noch ein direkter Kontakt zu den Stipendiaten möglich wird. Daher reduzierte Schavan das Volumen im ersten Jahr auf 9?400 Stipendien. Doch auch das erwies sich noch als zu optimistisch: Am Ende waren es im Wintersemester 2011/12 nur knapp 5300 Stipendien.

Doch der Ländercheck offenbart enorme Unterschiede: Sehr gut haben neben dem Saarland auch Bremen, Niedersachsen und Bayern abgeschnitten. Auch NRW bietet zumindest dann eine gute Bilanz, wenn man dort das landeseigene Stipendium dazurechnet, das einst die Blaupause für das Deutschlandstipendium bot. In Hamburg und Berlin, Schleswig-Holstein und Brandenburg lässt das Engagement für die neue Stipendienkultur dagegen noch sehr zu wünschen übrig.

Insgesamt machten im Wintersemester drei Viertel der 387 Hochschulen mit. Im Schnitt konnten diese zwei von drei möglichen Stipendien vergeben. In fünf Ländern schafften sie im Schnitt nicht einmal die Hälfte. Bei Schlusslicht Hamburg waren es nur traurige 18 Prozent.

Die Sorge, Hochschulen in wirtschaftlich starken Regionen könnten deutlich mehr Stipendien bei Unternehmen in der Nachbarschaft einwerben, hat sich jedoch nicht bestätigt. "Erfolge bei der Stipendienvergabe sind weitgehend unabhängig von der Region und von der Art der Hochschule", sagt Stifterverbandsexperte Pascal Hetze. Entscheidend sei vielmehr "die Bereitschaft der Hochschule, dieses neue Förderinstrument aktiv zu nutzen und zu bewerben".

Besonders erfolgreich waren die teilnehmenden technischen Hochschulen: Sie konnten im ersten Jahr immerhin 75 Prozent des Stipendienkontingents ausschöpfen. Ein Grund dürfte der Ingenieurmangel sein. Sponsoren haben die Möglichkeit, ihre Spenden fachlich zu fokussieren, also etwa auf Ingenieure zu beschränken.

Von den neun Elite-Unis waren Konstanz und Freiburg in der ersten Runde nicht mit dabei. Dagegen konnten die RWTH Aachen, die TU München und das Karlsruher Institut für Technologie alle Stipendien gegenfinanzieren.


Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

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