Lärmschutz vor Wirtschaftlichkeit
Grüne machen mobil gegen Berliner Großflughafen

Ermuntert vom Protest gegen "Stuttgart 21", beginnt die grüne Spitzenkandidatin Renate Künast mit der Mobilmachung gegen den Berliner Großflughafen. Der Bürgerprotest rührt sich bereits. Ob damit die Inbetriebnahme des Flughafens Mitte 2012 gefährdet werden könnte? Das DIW warnt: Eine Bauverzögerung wäre aus Wirtschaftlichkeitsgründen schädlich für die Region.
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BERLIN. Bürgerproteste gegen Infrastrukturprojekte sind die Mode der Saison. Auch beim neuen Hauptstadtflughafen "Berlin-Brandenburg International" (BBI) regt sich nun massiver Widerstand. Davon wollen die Hauptstadt-Grünen, die mit Renate Künast bei den Berlin-Wahlen 2011 die Chance sehen, erstmals eine Regierende Bürgermeisterin zu stellen, profitieren.

"Lärmschutz geht vor Wirtschaftlichkeit", sagte die grüne Spitzenkandidatin gestern dem Handelsblatt. "Die Wirtschaftlichkeit darf nicht einseitig zulasten der Betroffenen gehen." Sie forderte die Einsetzung eines Schlichters.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) warnte angesichts der Grünen-Kritik vor einer weiteren Verzögerung bei dem Projekt. "Das BBI-Projekt ist für Berlin insbesondere aus Wirtschaftlichkeitsgründen sehr wichtig und sollte wie bisher geplant fortgeführt werden", sagte die Leiterin der Abteilung "Energie, Verkehr und Umwelt" am DIW, Claudia Kemfert, Handelsblatt Online.

DIW-Expertin Kemfert räumte ein, dass der Lärmschutz eine wichtige Komponente in der Umsetzung des Flughafens sei. Die Lärmschutzanforderungen müssten daher unbedingt eingehalten werden. "Es ist kaum zu erwarten, dass es zeitliche Verzögerungen geben wird, wenn die Lärmschutzanforderungen wie geplant umgesetzt werden", fügte die Ökonomen allerdings hinzu.

Um dem Klimaschutz ausreichend Rechnung zu tragen, riet Kemfert, ähnlich wie bei anderen Großflughäfen emissionsarme Flugwege zu wählen, die ebenfalls die Lärmschutzanforderungen erfüllen müssten. "Viele Großflughäfen der Welt kompensieren die entstandenen Emissionen durch freiwillige Klimaschutzprojekte, das wäre insbesondere aus Sicht der Grünen eine konstruktive Umsetzung von Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit, Lärmschutz und Umweltschutz."

Künasts Wortmeldung ist nicht nur ein Angriff auf Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (SPD), der den 2,5 Milliarden Euro teuren Flughafenbau verteidigt. Sie ist auch Ausdruck einer neuen Strategie der Grünen, ihre Wurzeln als Protestpartei zu pflegen und damit ein unruhig gewordenes Bürgertum zu gewinnen.

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  • Die Grüne machen grundsätzlich gegen alles mobil!
    Es wird Zeit, dass gegen die Grünen mobil gemacht wird!

  • Und wieder einmal, versuchen Leute ein infrastrukturprojekt, das dringend notwendig ist und tausende Arbeitsplätze schafft, kaputt zu reden. und wer ist natürlich mit dabei???? Die Grünen, wer sonst!!!!!

  • es ist doch immer das gleiche die grünen wollen sich doch nur profilieren. würde künast nicht in den wahlkampf ziehen, würde dieses projekt doch nur 'links' liegengelassen. so sieht es aus. keine partei ist hier glaubwürdig, denn alle verzapfen den gleichen mist und sollten endlich mal das maul halten und die bürger wirklich das aussprechen lassen, was diese von der politelite halten. nämlich gar nix.

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