Landeschefin der hessischen Sozialdemokraten ruft zum Boykott des Instituts auf: Politiker greifen Deutsche Bank frontal an

Landeschefin der hessischen Sozialdemokraten ruft zum Boykott des Instituts auf
Politiker greifen Deutsche Bank frontal an

Führende Koalitionspolitiker verschärfen ihre Kritik an der Deutschen Bank, die trotz eines Milliardengewinns Tausende Stellen abbauen will.

bag/fmd/kk/pot BERLIN. „Die rücksichtslose Vorgehensweise der Deutsche-Bank-Führung fügt dem Standort Deutschland mehr Schaden zu, als man auf den ersten Blick sieht“, sagte Grünen-Chef Reinhard Bütikofer dem Handelsblatt. Die hessische SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti rief die Kunden auf, dem Branchenprimus den Rücken zu kehren und „zu einer Genossenschaftsbank oder Sparkasse zu wechseln“. Die Bank treibe ein zynisches Spiel mit den Beschäftigten.

SPD-Präsidiumsmitglied Andrea Nahles und Juso-Chef Björn Böhning unterstützten Ypsilanti. Außerdem sei es „geschmacklos“, wenn der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, die Deutschen als „Heulsusen“ bezeichne, sagte Nahles dem Handelsblatt. SPD-Fraktionsvize Joachim Poß kritisierte, die von der Deutschen Bank angestrebte Eigenkapitalrendite von 25 Prozent mache „auch volkswirtschaftlich keinen Sinn“. Dennoch sei der Boykottaufruf überzogen. Auch die grüne Finanzexpertin Christine Scheel nannte die geplante Streichung von 6 400 Arbeitsplätzen „unmoralisch“. Allerdings träfen Boykottaufrufe nur die Mitarbeiter der Bank.

Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises der SPD, Klaas Hübner, warnte allerdings, Politiker könnten nicht die Geschäftspolitik von Konzernen bewerten. Ähnlich äußerte sich der FDP-Politiker Rainer Funk. Dagegen bezeichnete der finanzpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Heinz Seiffert, Ypsilantis Boykottaufruf als „unverantwortlich“. Ypsilanti gefährde Arbeitsplätze und die Stärke des Finanzplatzes Deutschland.

Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Rolf-E. Breuer, sagte, den Boykottaufruf „schreibe ich dem Karneval zu“. Breuer räumte aber ein, die Banken hätten ein Bringschuld: „Das Bankgeschäft ist, anders als die Autoproduktion, schwer zu vermitteln – wir müssen das besser erklären.“ Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband erklärte, eine einseitige Ausrichtung an der Rendite sei falsch.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%