Landesvorstand tritt zurück
Kritik an Aiwangers „diktatorischem Führungsstil“

Die Freien Wähler versinken in ihren inneren Konflikten. Jetzt tritt der saarländische Landesvorstand zurück. Sie machen ihrem Parteivorsitzenden Hubert Aiwanger schwere Vorwürfe: Er soll sie aus dem Amt gedrängt haben.
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Bernd Richter, Vorsitzender der Freien Wähler im Saarland, sieht keine Möglichkeit mehr, den Streit mit dem Parteichef Hubert Aiwanger beizulegen: Der saarländische Landesvorstand ist am Donnerstag geschlossen zurückgetreten. „Wer Kritik an Hubert Aiwanger übt, wird zum Feind erklärt", sagte Richter Handelsblatt Online. Der „diktatorische" Führungsstil Aiwangers sei „absolut indiskutabel und nicht hinnehmbar", erklärte der ehemalige Landesvorsitzende.

Der Parteichef reagierte mit Spott auf den Rücktritt der Saarländer: „Hurra, schon wieder einer den wir nicht mehr ausschließen müssen", sagte Aiwanger in Berlin. Seit den Landtagswahlen in Niedersachsen, bei dem die euro-kritische Partei nur 0,9 Prozent der Stimmen einfahren konnten, streiten sich die Saarländer bereits mit dem Bundesvorstand. Der Vorwurf: Der Bundesvorstand habe sich mit einer verfeindeten Wähler-Gruppe im Saarland zusammengeschlossen, um Richter und seine Vorstandskollegen aus dem Amt zu verdrängen.

So soll der Bundesvorstand 50 Parteimitglieder gegen den Willen der Landesvereinigung aufgenommen haben. Der Landesvereinigung seien danach nur die Kopien der Mitgliedsanträge vorgelegt worden. „Laut Satzung hätten uns die Originale vorgelegt werden müssen", sagt Bernd Richter.

Außerdem sollen einige der Anträge falsche Informationen enthalten haben: So sei einmal ein Alter falsch angegeben worden, in anderen Fällen seien frühere Mitgliedschaften in anderen politischen Gruppierungen verschwiegen worden. „Deshalb haben wir gesagt, diese Leute kann man nicht aufnehmen", so Richter. Der Bundesvorstand habe die Mitgliederanträge dann aber trotzdem angenommen.

Richter wittert ein Komplott gegen ihn: Mit den neuen Mitgliedern habe der Bundesvorstand versucht, ihn abwählen zu lassen. „Aiwanger hat versucht, uns raus zu kicken", sagte Richter gegenüber Handelsblatt. Bei einer vom Aiwanger einberufenen Mitgliederversammlung Ende November stimmte die Mehrheit der anwesenden Mitglieder gegen Richter als Landesvorsitzenden. Das Schiedsgericht erklärte die Wahl jedoch als ungültig - die Einladung sei nicht satzungsgemäß gewesen.

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Kritik an Aiwangers „diktatorischem Führungsstil“

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Zweites Abwahlverfahren gegen Richter

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  • Für FREIE WÄHLER ist der Rückzug einzelner nörgelnder Landesfürsten nur dienlich. Die hatten nicht einmal ihre eigenen Mitglieder hinter sich. Weil sie in den demokratischen Parteigremien keine Mehrheiten fanden, inszenierten sie medienwirksam den Rückzug - und die Presse fällt darauf rein (#fail).

    Fakt bleibt: FREIE WÄHLER sind anders als der Ein-Themen-Prpofessorenklub AfD eine bürgernahe Traditionsbewegung. Sie wirken seit 1948 bundesweit in Kommunalparlamenten. Mit dieser starken Vor-Ort-Erfahrung kandidieren FREIE WÄHLER nun für Landtage, Bundestag und Europa.

    Ich wähle FREIE WÄHLER, weil sie die wahre Alternative für Deutschland sind! Denn sie stammen nicht von den Rändern, sondern direkt aus der Mitte der Gesellschaft.

  • @Rettungswahnsinn

    "Prof. Hankel"

    Es ist nie zu spät für erhellende Lernkurven.

    In diesem Zusammenhang sei die Aufzeichnung der Bundespressekonferenz vom 11.April mit Prof.Hankel und Hubert Aiwanger empfohlen:
    [...]
    Folgt man den Ausführungen von Prof. Hankel werden u.a. auch die ökonomischen Lu(e)cke(n) des AfD-Napoleons deutlich.
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • es gibt leider kaum Möglichkeiten, festzustellen oder auch zu verhindern, dass eine gute Partei durch den Feind unterwandert oder gar ausgehölt wird. Bei den Neugründungen von Parteien sind viele Neulinge politikunerfahren und wollen auch nicht im Vordergrund stehen. Somit haben solche, die Parolen tönen und gut reden können, es immer ziemlich leicht, sich zu profilieren und Anhänger zu finden. Dann, wenn der geeignete Zeitpunkt gekommen scheint, inszinieren sie Machtkämpfe und lösen eine Verstimmung aus, die nicht mehr heilbar ist. Im Prinzip wäre ein Briefing der Mitglieder bezüglich der wahren Gründe für eine Mitgliedschaft notwendig, wie es nur ein "Medium" mit echter Begabung analysieren könnte. Eine neue Partei kann nur echten Bestand haben, wenn die Zielsetzung bei allen Mitgliedern nahezu identisch ist. Das Ziel muss sauber dargelegt und von allen verstanden werden können. Prof. Schachtschneider ist ein Kämpfer für Recht und Gerechtigkeit, das sollte das primäre Ziel dieser Partei sein, in seinen Vorträgen hat er diese Grundlagen deutlich und nachvollziehbar erklärt, sie lassen sich auf youtube anhören.

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