Landgericht Hannover: Staatsanwalt fordert Fortsetzung des Wulff-Prozesses

Landgericht Hannover
Staatsanwalt fordert Fortsetzung des Wulff-Prozesses

In den Schlussplädoyers hat die Verteidigung am Donnerstag einen Freispruch Wulffs gefordert. Der Staatsanwalt hingegen will eine Fortsetzung des Prozesses und machte dem Ex-Bundespräsidenten schwere Vorwürfe.
  • 0

HannoverIm Korruptionsprozess gegen Christian Wulff sieht die Staatsanwaltschaft den ehemaligen Bundespräsidenten überführt, verzichtet vorerst aber auf eine konkrete Strafforderung. Wulff und der mitangeklagte Filmunternehmer David Groenewold hätten „den bösen Anschein der Käuflichkeit“ erweckt, sagte Staatsanwalt Clemens Eimterbäumer am Donnerstag vor dem Landgericht Hannover. Der ehemalige Präsident habe dienstliche Zusammenhänge nicht von privaten Beziehungen getrennt, indem er sich von Groenewold zu einem Oktoberfestbesuch habe einladen lassen.

Anders als üblich, ließ die Staatsanwaltschaft am Ende ihres Schlussplädoyers das Strafmaß offen, das sie für angemessen hält. Eimterbäumer beantragte stattdessen eine Fortsetzung des Prozesses und stellte Anträge erneut, die das Gericht zuvor abgelehnt hatte.

Seinen Vortrag verband der Staatsanwalt mit scharfer Kritik an dem früheren Staatsoberhaupt, dem er eine „aufgeregte Empörungsrethorik“ vorwarf. „Ich hätte mir mehr Sachlichkeit gewünscht“, sagte Eimterbäumer. Wulff hatte der Staatsanwaltschaft bei ihren monatelangen Ermittlungen in dem Fall einen besonderen „Jagdeifer“ und „Verfolgungswut“ vorgehalten. Dem hielt Eimterbäumer entgegen, er habe sich um ein behutsames Vorgehen bemüht.

Sowohl Wulffs als auch Groenewolds Anwälte forderten einen Freispruch ihrer Mandanten und hielten der Staatsanwaltschaft mangelnde Objektivität vor. Im Mittelpunkt des Prozesses steht ein Oktoberfestbesuch Ende September 2008 von Wulff und dessen Familie, bei dem der mitangeklagte Filmunternehmer Groenewold einen Teil der Hotelkosten übernahm. Damit sollte Wulff motiviert werden, sich als Ministerpräsident bei Siemens für eine Unterstützung des Films „John Rabe“ einzusetzen. Wulff bestreitet einen Zusammenhang. Der Richter hatte während des Prozesses mehrfach durchblicken lassen, dass er von der Schuld des Angeklagten nicht überzeugt ist.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Landgericht Hannover: Staatsanwalt fordert Fortsetzung des Wulff-Prozesses"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%