Landtagswahl Baden-Württemberg
Der bürgerliche Mappus-Schreck

Winfried Kretschmann könnte der erste grüne Ministerpräsident Deutschlands werden. Mit einem bodenständigen Wahlkampf wirbt er auch bei bürgerlichen Wählern für den Machtwechsel.
  • 3

KirchheimKurz vor der baden-württembergischen Landtagswahl macht der Grünen-Spitzenkandidat Winfried Kretschmann Station in Kirchheim unter Teck. Es ist ein ungewöhnlicher Wahlkampftermin, den er am Ende des Marathons als wohltuend empfindet. Der Besuch beginnt mit einem Rundgang durch den 40.000-Einwohner-Ort, der ein Schloss hat, Reste einer Stadtmauer und eine Altstadt mit etlichen Fachwerkhäusern.

Kretschmann hält sich die ganze Zeit beim Stadtführer, fragt immer wieder interessiert nach, obwohl er nicht nur wegen der Augenringe müde aussieht. Die Arme verschränkt er meist vor der Brust oder hinter dem Rücken und wirkt so wie ein Studienrat. Der Eindruck wird noch verstärkt, weil die Gruppe, die ihn begleitet Schulklassenstärke hat. Und tatsächlich hat er früher ja auch als Lehrer gearbeitet. 

Nach der Wahl aber könnte er vom Grünen-Fraktionschef zum ersten Ministerpräsidenten aufsteigen, den seine Partei in der deutschen Geschichte stellt. Das weckt sogar Interesse im Ausland: Das Schweizer Fernsehen hat ein Team nach Kirchheim geschickt.

Ihr bisher bestes Ergebnis in Baden-Württemberg erreichten die Grünen bei der Landtagswahl 1996 mit 12,1 Prozent der Stimmen. Vor fünf Jahren errangen sie 11,7 Prozent. Nun machen ihnen die Umfragen Hoffnung darauf, dass sie diesen Wert verdoppeln können. Dazu trägt der Streit um das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 (S21) bei und die nach der Katastrophe in Japan wieder aufgeflammte Diskussion um Atomenergie, ein Kernthema der Grünen.

Es ist aber auch die Person Winfried Kretschmanns, die den Machtwechsel im Ländle möglich, laut letzten Umfragen sogar wahrscheinlich macht. Der 62-Jährige ist der älteste unter den Spitzenkandidaten der im Landtag vertretenen Parteien. Und doch war er noch ein fünfjähriger Knirps, als der CDU-Politiker Gebard Müller am 30. September 1953 zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. Das erst knapp anderthalb Jahre zuvor gegründete Land hatte seitdem immer einen konservativen Regierungschef.

Seite 1:

Der bürgerliche Mappus-Schreck

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Landtagswahl Baden-Württemberg: Der bürgerliche Mappus-Schreck"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Winfried Kretschmann gilt als Erz Konservativ war gestern im Öffentlich/Rechtlichen zu hören !Was ich sehr begrüße !!!
    Haben sich die grünen dann aber nicht doch ein Trojanisches Pferd gebastelt um einen Wahlerfolg zu erzielen ? Ich hoffe es jedenfalls !

  • Nur kein Grüner an so eine Stelle !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  • Er steht für mehr gesunden, echten Konservatismus, der das notwendige Vertrauen vermuten lässt. Ich wünsche Ihm, dass er es schafft und anschließend wirklich eine Wende für mehr Bürgerbeteiligung und Nähe schafft und sich gegen die Lobbyisten durchsetzen kann, die mehr Konsum einfordern. Es gibt wieder um mehr sinnvolles Leben und Arbeiten!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%