Landtagswahl Bayern
Seehofer? „Da gibt es keine Alternative“

Es gab nie Zweifel daran, dass Horst Seehofer und die CSU die Wahl in Bayern für sich entscheiden würden. Dabei hat auch der Ministerpräsident große Fehler gemacht. Spurensuche in einem Land, an dem die SPD verzweifelt.
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Bad Wiessee„Was sagst´?“ „Na, der Ude?“ „Ah, der doch nicht. Der kann gar nicht gewinnen.“ „Nicht?“ „Nein, der Seehofer macht´s. Da gibt es keine Alternative.“ Stammtischgespräch in Bad Wiessee. Hier, im 4800-Seelen-Ort am Tegernsee, 40 Kilometer südlich von München, wo der Präsident des FC Bayern München Uli Hoeneß und der Fußballspieler Philipp Lahm ein Haus haben, wo ansonsten vor allem Senioren Urlaub machen, ist der Landstrich traditionell tiefschwarz – Seehofers Vorstoß in Sachen Maut oder die Affären der CSUler um angestellten Verwandten hin oder her. So etwas nehmen die Menschen hier gelassen. „Nicht alles, was Seehofer macht und sagt, ist richtig“, sagt der Mann, der gerade Seehofer den Sieg prophezeit hat. „Aber meinen Sie, ein Ude würde es besser machen?“

Dabei ist Christian Ude, der SPD-Konkurrent von Ministerpräsident Horst Seehofer, eigentlich populär und beliebt in Bayern, und doch will es vorne und hinten nicht reichen. So mühelos er die Münchner seit 20 Jahren immer wieder als Oberbürgermeister überzeugen kann, so schwer hatte er es auf Landesebene im Wahlkampf in den vergangenen Wochen. Und das liegt eben auch an München, diese Stadt, in der nach Meinung vieler Bayern die Uhren anders ticken. Da fällt auch schon mal das Wort „Münchner Bohemien“. Und Seehofer reitet darauf herum, wo er nur kann: „Aus München heraus zu sagen: Ich sage euch, in der ländlichen Gegend, in der 60 Prozent der Bayern leben, wo ihr Windräder zu ertragen habt, damit wir in München Strom haben, so geht Politik nicht.“ Es ist klug, was Seehofer da macht. Denn er rührt da an etwas, was manch ein Bayer denkt.

Dann lenkten solche Sticheleien auch noch ab: von Seehofers vielen plötzlichen Wendemanövern im Wahlkampf, wie zum Beispiel in Sachen Windenergie. Denn der Ministerpräsident will nun plötzlich, dass der Abstand der Windräder größer ist als zuerst geplant. Doch die Bayern scheinen auch solche jähen Richtungswechsel nichts auszumachen.

Nürnberg, Kornmarkt, Auftritt Christian Ude: Er kommt auf die Bühne und hat schon gewonnen, wenigstens die meisten der rund 800 bis 1000 Zuschauer: „Politik geht nur mit Humor“, sagt er. Und die Zuhörer lachen. Und klatschen. Es ist eine der großen Open-Air-Wahlkampfveranstaltungen der SPD, jeden Tag gibt es davon eine in der letzten Woche vor der Wahl. „Der ist doch wirklich sympathisch“, sagt eine Frau während der Rede. Sie ist durch Zufall hier. Eigentlich wollte sie shoppen gehen, als sie das Zelt der SPD auf dem Kornmarkt gesehen hat, blieb sie stehen. Ob sie weiß, wen sie wählen wird? „Jetzt schon“, sagt sie. Vielleicht spielt es Ude zu, das er live einfach besser wirkt als im Fernsehen oder Radio. Denn kommt er immer ein wenig behäbig daher, weil er so langsam und schleppend spricht. Doch es ist nicht das einzige, was Ude nachhängt.

Es gab da noch seinen Fauxpas in Sachen Landeskunde während des Wahlkampfs. Versehentlich verortete der SPD-Mann Aschaffenburg in einem Interview in Oberfranken statt in Niederfranken. Das haben ihm viele Franken nicht verziehen. Die Bayern zollten es Ude mit schlechten Umfragewerten. In den vergangenen Wochen blieben die gleichbleibend schlecht. Die SPD dümpelte bei 18 bis 20 Prozent herum. Woran liegt es nur, dass gegen die CSU niemand eine Chance hat?

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Die Ausnahmesituation der SPD

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  • Absolute Mehrheit für die CSU!

    Begreifen diese CSU-Wähler nicht, daß der Meinungs-Slalom-Fahrer Seehofer die Mautdebatte mit "de Ausländer sollen
    zoin" nur eine geschickte Ablenkung für die auch von ihm
    offensiv betriebene Europa- und Europolitik ist, die auch
    die "bayerischen Patrioten" noch Milliarden kosten wird
    für "de Ausländer doa"?

    Nicht gierige Banker und Manager, sondern anständige und
    aufopfernde Abgeordnete beschäftigten ihre Verwandtschft
    auf Kosten des Steuerzahlers, teilweise waren es Mindejäh-
    rige.
    Die könnten ihre Haustiere beschäftigen und bezahlen, es
    gäbe trotzdem die absolute Mehrheit "für de Hund"!

    Brot und Spiele?

    Caligula hat vor fast 2000Jahren sein Perd zum Konsul ernannt. Wahrscheinlich ist das der Fortschritt, daß in
    der Demokratie clevere Politiker das Volk dazu bringen,
    ein Pferd zum Konsul zu ernennen!

  • Unglaublich!

    Die CSU hat dem ESM und den Milliarden-Hilfspakete für Pleitestaaten zugestimmt,und kommt jetzt auf 49%!

    Was ist nur mit den Deutschen los? Ok. Ihr wollt es so. Viel Vergnügen beim zahlen.

  • und trotzdem kommt die MAUT nicht !

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